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Strenge Regeln für St.Galler Kulturzentrum: Im neuen Rümpeltum gibt's nur Akustik-Konzerte

Seit rund einem Monat läuft der Betrieb des Kulturzentrums Rümpeltum am neuen Standort. Der Verein hat am Platztor strenge Bestimmungen zu erfüllen – mehr als Akustik-Konzerte liegen nicht drin. Die Stadt arbeitet an einer Anschlusslösung.
Luca Ghiselli
Das neue Lokal des Kulturzentrums Rümpeltum am Magniberg 5a. (Bild: Hanspeter Schiess, 12. Dezember 2018)

Das neue Lokal des Kulturzentrums Rümpeltum am Magniberg 5a. (Bild: Hanspeter Schiess, 12. Dezember 2018)

Ein Freiraum, in dem fast alles geht. Der sich konventionellen Regeln und Normen widersetzt und eine kleine Bastion gegen kommerzialisierte Kultur bildet. Das ist das alternative Kulturzentrum Rümpeltum seit nunmehr fast 20 Jahren. Vor etwa einem Monat hat das Rümpeltum seinen Betrieb am neuen Standort aufgenommen.

Für das Kollektiv, welches den Kulturbetrieb führt, war der Umzug erst einmal eine gute Nachricht. Die Suche nach einer Anschlusslösung war nämlich langwierig. So war schon länger bekannt, dass das Kulturlokal aus seinem alten Standort an der Haldenstrasse ausziehen musste. Die Stadt bot Hand, suchte nach Alternativen und wurde am Platztor fündig. Die neuen Räume stellen das «Rümp» aber auch vor neue Herausforderungen.

Die monatliche Miete hat sich beispielsweise auf 3000 Franken verdoppelt. Kein Klacks für ein Kulturzentrum, das alles andere als auf Profit ausgerichtet ist. Ausserdem hat die Stadt strenge Lärmschutzbestimmungen verordnet. Die übliche Konzertlautstärke von 100 Dezibel ist in dem kaum isolierten Leichtbau nicht erlaubt, nur noch Akustikauftritte finden im neuen Rümpeltum statt. Ausserdem kann das Obergeschoss des Baus nicht wie zunächst vorgesehen als Aufenthaltsraum genutzt werden, weil er Brandschutzansprüchen nicht genügt.

«Es ist ein Spagat»

Diese Umstände deuten auf einige Startschwierigkeiten hin. Wie sind die ersten Erfahrungen, etwas mehr als einen Monat nach der Wiedereröffnung des Rümpeltums am neuen Standort? Baudirektorin Maria Pappa sagt auf Anfrage: «Es handelt sich um ein anspruchsvolles Vorhaben.» Die Auflagen seien ungleich zahlreicher als am alten Standort, weil sich inzwischen die Gesetzgebung verändert habe. «Wir müssen diese Bestimmungen einhalten und alle gleich behandeln.» Die Erwartungen des Rümpeltum-Kollektivs und gesetzliche Rahmenbedingungen unter einen Hut zu bringen, sei ein Spagat, sagt Pappa.

Stadträtin und Baudirektorin Maria Pappa. (Bild: Benjamin Manser)

Stadträtin und Baudirektorin Maria Pappa. (Bild: Benjamin Manser)



Man habe inzwischen aber, zum Beispiel mit den Akustik-Konzerten, einen Kompromiss gefunden. «Ich stelle eine positive Entwicklung fest.» So habe es bisher keinerlei Reklamationen seitens der neuen Nachbarn des Rümpeltums gegeben. Aber auch die Stadt sei sich der Tatsache bewusst, dass der neue Standort für den Verein Rümpeltum diverse Nachteile mit sich bringe.

Die Krux an der Sache: Die Zwischennutzung ist nur von kurzer Dauer. Das Gebäude weicht dereinst dem neuen HSG-Campus, die Stadt kann und will deshalb nicht viel Geld in die Liegenschaft stecken. Damit das Rümpeltum aber seinen Betrieb im gewünschten Rahmen aufrechterhalten könnte, wären umfassende bauliche Massnahmen nötig. «Das kann sich der Verein nicht leisten, und die Stadt auch nicht.» Pappa betont, dass diese Handhabung keine Schikane sei. Aber: «Wir haben nur wenig Spielraum, und den haben wir in diesem Fall ausgeschöpft.»

Alte SBB-Schreinerei ist wieder eine Option

Obwohl das Rümpeltum gerade erst den Standort gewechselt hat, ist die Stadt aufgrund der kurzen Zwischennutzungsdauer bereits auf der Suche nach dem nächsten Lokal. Und es könnte sogar sein, dass das Kulturzentrum aufgrund der schwierigen Ausgangslage am Platztor noch vor der eigentlichen Auslauffrist des Mietvertrags im November 2020 das Areal wieder verlässt.

Wie Maria Pappa auf Anfrage bestätigt, prüft das städtische Hochbauamt derzeit, ob das Rümpeltum in St. Fiden die alte SBB-Schreinerei beziehen könnte. Dieser Standort war vor einigen Jahren bereits ins Auge gefasst worden. Der Umzug scheiterte dann aber an fehlenden Wasserleitungen. «Wir haben aber eine Lösung gefunden, mit der man die Leitungen günstig einbauen könnte», sagt Pappa.

Das Rümpeltum könnte die Räume mehr als fünf Jahre nutzen, nämlich bis dereinst die Arealentwicklung in St. Fiden umgesetzt wird. Konzerte mit elektrischer Verstärkung wären dort möglich, die Halle würde auch mehr als 100 Personen fassen. So könnte das Rümpeltum bald doch wieder an uneingeschränkt wilde und freie Tage anknüpfen.

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