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Streitobjekt «Wiesli»: St.Galler Museumsquartier lanciert Initiative

Die St.Galler Pensionskasse will eine Wiese im Museumsquartier überbauen. Fürs Quartier ist sie jedoch ein Treffpunkt. Eine gütliche Lösung ist nicht zu Stande gekommen. Deshalb lancieren die Bewohner nun eine Volksinitiative.
Marlen Hämmerli
Die Pensionskasse will die linke Hälfte der Wiese überbauen. Die Bewohner wehren sich jedoch gegen das Projekt. (Bild: Michel Canonica/Benjamin Manser)

Die Pensionskasse will die linke Hälfte der Wiese überbauen. Die Bewohner wehren sich jedoch gegen das Projekt. (Bild: Michel Canonica/Benjamin Manser)

«Es zerreisst mich», sagt Reto Schmid von der IG Museumsquartier. Er, Beatrice Heilig und Gregor Geisser stehen auf der Wiese hinter der Kantonsschule am Brühl. «Es zerreisst mich beim Gedanken, dass das Wiesli überbaut wird.» Seit rund 40 Jahren treffen sich hier Kinder und Quartierbewohner, spielen, feiern und grillieren. «Es ist das Herzstück unseres Quartiers.»

Doch das Grundstück gehört der Pensionskasse des Kantons St.Gallen. Über Jahrzehnte hat sie es zur Verfügung gestellt, dann liess sie von der Stadt prüfen, inwiefern die Parzelle überbaut werden darf. Der Sachverständigenrat für Architektur kam zum Schluss: Der Überbauungsplan von 1926 ist zweckmässig. Ein Haus zur Hadwigstrasse hin würde die Baulücke schliessen und die historische Bedeutung des Quartiers stärken.

Fünf Lösungen wurden diskutiert

Nun will die Pensionskasse genau das tun und Alterswohnungen bauen. Überbaut würde die Hälfte der Grünfläche, es entstünde ein Innenhof mit Wiese, den die Quartierbewohner mitnutzen könnten. Trotzdem wehrt sich das Quartier gegen die Baupläne. Über ein Jahr liefen Gespräche, die Stadt vermittelte. Fünf mögliche Lösungen kamen auf den Tisch und wurden verworfen.

Kürzlich scheiterten die Pläne der IG, die Wiese zu kaufen. «Der Verkauf war eigentlich nicht die Lösung, die wir anstrebten», sagt Philipp Zünd von der Pensionskasse. Der Leiter Immobilienanlagen ist Stadtsanktgaller und fährt fast täglich auf dem Velo am Wiesli vorbei.

«Ich weiss, wie intensiv die Wiese genutzt wird.»

Die Pensionskasse erklärte sich bereit, das Grundstück zum Marktpreis zu verkaufen. Doch Reto Schmid sagt: «Der verlangte Preis war nicht nachvollziehbar.» Die IG habe einen Immobilienexperten um eine Schätzung gebeten und einen Preis dieser Schätzung entsprechend geboten. Die Pensionskasse habe aber einen «massiv höheren Betrag» verlangt. Genaue Zahlen will die IG nicht nennen. Denn wie Gregor Geisser sagt: «Unser Angebot steht nach wie vor. Wir wollen kein Geschirr zerschlagen.»

Für Philipp Zünd ist klar, dass der verlangte Preis gerechtfertigt ist. «Jeder Fachmann kann ihn nachvollziehen. Die Lage ist gut und die baurechtliche Situation wertet das Grundstück auf.» Die unter der Wiese geplante Tiefgarage steigert den Wert laut Zünd hingegen kaum, denn die Baukosten sind hoch.

Quartier lanciert Volksinitiative

Die Pensionskasse plant, einen Studienwettbewerb für die Überbauung auszuschreiben. Währenddessen lanciert das Quartier eine Volksinitiative. Die Forderung: Die Wiese soll in die Grünzone umgeteilt und die Stadt verpflichtet werden, auch in anderen Quartieren Grün- und Freiräume festzulegen.

«Mit der Initiative erhält die Stadt die Chance, eine aktivere Rolle als bis anhin wahrzunehmen», sagt Geisser. Dem entgegnet Baudirektorin Maria Pappa:

«Das Grundstück gehört einem privaten Eigentümer und rechtlich darf er bauen.»

In diesem Kontext hat die Stadt nur die Aufgabe zu prüfen, ob die Qualität und die rechtlichen Rahmenbedingungen stimmen. Sie habe sich trotzdem nicht nur auf die Vermittlerrolle beschränkt. «Die Fragen, die die Stadt betrafen, wurden vom Stadtrat behandelt und beantwortet.»

Die Vision 2030 der Stadt sieht vor, dass sie in den Quartieren Begegnungs- und Aufenthaltsräume schafft. Das Vorgehen der Stadt in Sachen Wiesli widerspreche dem, finden die Quartierbewohner.

Im Vergleich zu anderen Quartieren habe es im Museumsquartier genügend Freiraum, sagt jedoch Stadträtin Pappa. Auch wenn auf dem Wiesli gebaut wird:

«Die Hälfte der Fläche bleibt frei. Gleichzeitig hat der Stadtpark einen Spielplatz. Man kann nicht sagen, dass es im Quartier keine Flächen mehr für Kinder gäbe.»

Deshalb sei es unverhältnismässig das Grundstück auszuzonen, abzutauschen oder zu kaufen. Auch gilt es die Rechtssicherheit zu beachten. «Aus der langjährig geduldeten Nutzung kann sich kein Recht entwickeln.»

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