Streit ums Aussenbecken in Gossau: Das sind die Gründe für den Widerstand von SVP, FDP und Flig

FDP, Flig und SVP wehren sich gegen das Aussenbecken. Zwei von ihnen fürchten die Unvernunft des Volkes.

Johannes Wey
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Dampfschwaden über dem Aussenbereich des Säntisparks.

Dampfschwaden über dem Aussenbereich des Säntisparks.

Bild: Ralph Ribi (11. Dezember 2019)

Für Markus Rosenberger ist es nicht bemerkenswert, dass seine SVP-Fraktion sich nun im Stadtparlament gegen das Aussenbecken ausgesprochen hat. Umgekippt sei die Fraktion nicht jetzt, wie es der SVP von Befürwortern des Beckens vorgeworfen wird. Sondern als es vor zwei Jahren in der vorberatenden Kommission schon einmal darum ging, ob man die Idee weiterverfolgen soll.

«Das nehme ich auf meine Kappe», sagt Rosenberger. Er habe sich damals umstimmen lassen und wollte den Architekturwettbewerb abwarten, um eine bessere Entscheidungsgrundlage zu haben. «Wir wollten nie ein Aussenbecken», sagt Rosenberger. Die Option dem Volk vorzulegen, sei heikel. Die Stimmbürger würden bei einer Abstimmung keinen Unterschied machen, ob das erste Modul des Masterplans Sportanlagen 55 Millionen Franken oder mit einem Aussenbecken 56,5 koste, befürchtet Rosenberger.

Tieferer Finanzierungsgrad befürchtet

Rosenberger, der 17 Jahre lang in leitender Position in der Branche gearbeitet hat, findet die Faktenlage ohnehin klar genug: «Ich bin überzeugt, dass ein Aussenbecken finanziell nicht funktioniert.» Im Parlament hatten CVP und SP argumentiert, ein Aussenbecken könnte die Attraktivität des Hallenbads und den Kostendeckungsgrad steigern («Tagblatt» vom 7. Dezember). Für Rosenberger lässt der Entwurf des Betriebskonzepts, das er als VBK-Mitglied einsehen konnte, eher das Gegenteil vermuten.

Dann bringt er den Energieverschleiss eines beheizten Aussenbeckens zur Sprache. «Ich weiss natürlich, dass man mir die Umweltschutzbedenken nicht abnimmt.» Aber der Energieverbrauch müsse doch für die Parteien, die sich für das Energiestadtlabel eingesetzt hätten, von Bedeutung sein.

Angesichts des Initiativbegehrens fürchtet Rosenberger, dass ein Streit ums Becken die Stadt spalten könnte. «Unser Ziel muss sein, den Masterplan Sportanlagen umzusetzen und dabei auf Luxuslösungen zu verzichten», sagt Rosenberger. Darum handle es sich beim Aussenbecken. Schliesslich habe es keine Bedeutung für den Sport.

Mit Blick auf die Kosten von voraussichtlich um die 55 Millionen Franken für das gesamte erste Modul teilt Ruth Schäfler die Sorge, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger den Zusatzkosten für das Aussenbecken leichtfertig zustimmen könnten. Auch die FDP hat gegen den Projektierungskredit für das Aussenbecken gestimmt. Schäfler hat im Stadtparlament die ablehnende Haltung ihrer Fraktion vertreten. «Wir sind aus wirtschaftlichen Überlegungen gegen das Aussenbecken», bekräftigt sie auf Anfrage. Bei einem Projekt dieser Grössenordnung müsse man das Wünschbare vom Notwendigen trennen. Sonst bringe man das gesamte Vorhaben in Gefahr, zumal die Kulturvereine mit ihren Anliegen bislang erst auf der Warteliste stünden.

Dass ein Aussenbecken den Eigenfinanzierungsgrad des Hallenbads verbessern könnte, glaubt Schäfler nicht. Nicht nur die Bau-, sondern auch die Betriebskosten wären dafür aus ihrer Sicht zu hoch.

Die Flig stört sich am Energieverbrauch

Für die Flig sprechen in erster Linie ökologische Kriterien gegen das Aussenbecken, wie die Partei in einer Mitteilung schreibt. Als belegt führt sie wie schon in der Parlamentsdebatte den Leitfaden des Bundesamts für Energie an: «Ganzjährig beheizte Aussenbecken sind aus energetischer Sicht zu vermeiden», heisst es dort. Aus Sicht der Flig sei es heute als Energiestadt nicht mehr zu verantworten, einen derartigen «Energieverschwender» zu planen. Zudem könnten durch einen Verzicht Planungs-, Bau- und Betriebskosten eingespart werden. Energie sparen bedeute eben auch, dass man auf Luxus verzichte. Die Flig sei überzeugt, dass ihre Wähler diese Meinung teilten. Aus Sicht der Flig bestehe nun auch das Risiko, dass sich die Abstimmung über das neue Halleband verzögere und damit nicht lückenlos ein Bad betrieben werde.