Streit um Pflegeplätze in Gossau: Wie viele «Espel»-Bewohner Private aufnehmen könnten, ist nicht klar

Wie viele Pflegeplätze könnten private Anbieter in Gossau übernehmen? Darauf gibt es keine eindeutige Antwort.

Johannes Wey
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Das Betagtenzentrum Schwalbe ist laut Sana Fürstenland AG ausgelastet.

Das Betagtenzentrum Schwalbe ist laut Sana Fürstenland AG ausgelastet.

Ralph Ribi (10. Oktober 2019)

Den Stein ins Rollen gebracht hat eine Leserbriefschreiberin in der Ausgabe vom 13. Februar: Die «Abendruh» sei voll belegt, im «Casa Solaris» gebe es einen freien Pflegeplatz, beide Heime führten eine Warteliste. Nur das «Vita Tertia» habe die Zahl der freien Plätze mit 13 angegeben. «Das heisst auch, es fehlen in Gossau Pflegeplätze», kam sie zum Schluss, weshalb das Provisorium bei der «Schwalbe», über das kommenden Sonntag abgestimmt wird, nötig sei.

Die Gegner der Vorlage reagierten mit einer Medienmitteilung: Per 1. Dezember könnten die drei privaten Altersheime auf dem Platz Gossau 30 Pflegeplätze zur Verfügung stellen, später noch mehr. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt kursierte eine E-Mail an den Gossauer Stadtrat, die Sana Fürstenland und die IG für ein optimiertes Pflegeheim (Igop).

Darin sichern die drei privaten Heime ihre Unterstützung zu, für den Fall, dass die Bevölkerung das Provisorium ablehnt und das Altersheim Espel geschlossen wird – immer vorausgesetzt, den Privaten werden die entsprechenden Plätze vorübergehend auf der kantonalen Pflegeheimliste zugesprochen. Damit können die Pflegeleistungen nämlich über Ergänzungsleistungen finanziert werden.

Stiftung Vita Tertia äussert sich nicht mehr

Wie viele zusätzliche Pflegeplätze können die privaten Heime nun anbieten? Die Frage lässt sich nicht abschliessend beantworten. Die Stiftung Vita Tertia hat sich nachträglich von der erwähnten E-Mail distanziert mit Verweis auf ihre «absolut neutrale Position». Die Aufnahme von Bewohnerinnen und Bewohnern erfolge gemäss Reglement, Platzangebot und Auslastung. Heimdirektor Markus Christen verweist an Stif­tungs­rats­präsident Guido Bartelt, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen ist.

Oliver Hofmann ist CEO der Casa Solaris AG. Für ihn seien die 30 Pflegeplätze ein «realistisches Szenario», sofern die Aufnahme der «Espel»-Bewohnerinnenund-Bewohnergeplant werden könne.

«Wir könnten aber mit einer Aufnahme nicht bis Dezember warten, sondern würden bei freien Kapazitäten sukzessive Bewohnerinnen und Bewohner aufnehmen.»

Am Standort Gossau zwischen zehn und 16 Personen.

Aus seiner Sicht sei der Pflegeheimstandort Gossau ohne ein Unternehmen wie die Sana Fürstenland AG undenkbar. Allerdings sei es auch ein gangbarer Weg, das Angebot vorübergehend zu reduzieren und später wieder hochzufahren. «Man spricht zwar von Minimalgrössen, um ein Pflegeheim wirtschaftlich zu betreiben. Aber mit unserem Haus in Gossau zum Beispiel fahren wir mit 32 Plätzen gut.» Laut Sana Fürstenland und Stadtrat müssten dafür aber auch Stellen abgebaut werden.

Keine freien Plätze in der «Schwalbe»

Sollten die 30 Plätze tatsächlich realistisch sein, müsste Vita Tertia ähnlich viele «Espel»-Bewohnerinnen und -Bewohner aufnehmen können, wie Casa Solaris. Denn in der «Abendruh» gibt es maximal zwei zusätzliche Plätze. Allerdings dürfe man die «Schwalbe» nicht vergessen, die ebenfalls über freie Kapazitäten verfüge, sagt Hofmann.

Dem Widerspricht die scheidende Sana-Fürstenland-Geschäftsführerin Ursina Girsberger: Die 50 Plätze dort seien in den vergangenen Monaten stets ausgelastet gewesen.

Lars Sostizzo führt das dritte private Pflegeheim in Gossau, die «Abendruh» – und wirbt auf der Website der Befürworter für ein Ja zur Übergangslösung. Er reisst sich nicht darum, Pflegeplätze von der Sana Fürstenland zu übernehmen.

«Wenn das ‹Espel› wirklich schliesst, bieten wir aber Hand.»

Und in diesem Sinn habe er die E-Mail mitunterzeichnet. Dass der Inhalt im Wahlkampf veröffentlicht wurde, habe ihn erstaunt.