Kommentar

Knatsch um Oldtimer-Rallye: Wer die Innenstadt beleben will, sollte seine Gäste nicht vergrämen

Die Organisatoren der Rallye «Classica St.Gallen» wollen nicht in die Stadt zurückkehren. Sie sind erzürnt wegen Bussen und dem Verbot, eine Tavolata vor einem Restaurant durchzuführen. Die Stadtpolizei muss Regeln durchsetzen – aber bitte mit Fingerspitzengefühl.

Daniel Wirth
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Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion. (Bild: Ralph Ribi)

Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion. (Bild: Ralph Ribi)

In St.Gallen werden gerade sehr grosse Anstrengungen unternommen, um die Innenstadt zu beleben. Nicht selten wird geklagt, an einem gewöhnlichen Sonntag sei die Altstadt tot. Am vergangenen Sonntag lebte sie: Die erste «Classica St.Gallen» machte in der Marktgasse Halt – und lockte viel Publikum an, das sich an den Oldtimern freute. Ein Coup, war man versucht zu glauben, und viele hofften auf eine Wiederholung im nächsten Jahr.

Doch daraus wird nichts. Die Organisatoren der Rallye wollen nicht zurückkehren. Die Stadtpolizei hat sie erzürnt mit dem Austeilen von Bussen an Fahrer von Begleitfahrzeugen. Sie hatten ihre Autos auf dem Marktplatz abgestellt, was untersagt ist.

Hand aufs Herz: Wer ausser der Polizei hat sich an diesen Autos gestört am Sonntagmorgen? Niemand. Es bestand auch keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.

Es kam aber noch dicker für die Veranstalter der Oldtimer-Rallye, zu denen auch St.Gallen-Bodensee-Tourismus gehörte. Die Polizei untersagte eine Tavolata vor einem Restaurant. Auch wenn die Tische fürs Mittagessen nicht auf privatem Grund standen – diese Polizeiintervention war kleinlich und alles andere als gastfreundlich.

Wer die Innenstadt beleben will, sollte seine Gäste nicht vergrämen. Die Stadtpolizei muss Regeln durchsetzen, aber bitte mit Fingerspitzengefühl. Am Regelwerk selbst muss der Stadtrat arbeiten, wenn eine Premiere von Gästen nicht gleich die Dernière sein soll, wie bei der «Classica St. Gallen».