Stream von einem Zimmer zum anderen: Im St.Galler Kaffeehaus war ganz legale Live-Musik zu hören - anders als angekündigt

Live-Musik in Gastrobetrieben ist derzeit verboten. Egal, um welche Musik und welchen Betrieb es sich handelt. Gallus Hufenus vom Kaffeehaus in St.Gallen wollte sich diesem Pauschalverbot des Bundes widersetzen. Nun liess er am Mittwoch aber dennoch gesetzeskonform Klaviermusik erklingen.

Roger Berhalter
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Der Pianist spielte an einem zweiten Flügel im Nebenzimmer.

Der Pianist spielte an einem zweiten Flügel im Nebenzimmer.

Bild: PD

Am Mittwochmorgen bot sich den Gästen des Kaffeehauses im Linsebühl ein ungewohntes Bild: Auf dem Flügel im Café standen ein Bildschirm und zwei Lautsprecher. Hauspianist Geri Pekarek sass nicht wie üblich im Raum, sondern spielte an einem zweiten Flügel in einem Zimmer nebenan.

Die Darbietung wurde in Echtzeit ins Kaffeehaus übertragen. «Es war eine surreale Atmosphäre», sagt Kaffeehaus-Betreiber Gallus Hufenus am Nachmittag danach. Trotzdem sei er zufrieden:

«Unsere Botschaft ist angekommen. Die Situation hat die Leute hoffentlich zum Nachdenken angeregt.»
Kaffeehaus-Betreiber Gallus Hufenus

Kaffeehaus-Betreiber Gallus Hufenus

Bild: Michel Canonica

Grund für die Bild- und Tonübertragung von einem Zimmer zum anderen war das neue «Schutzkonzept für das Gastgewerbe unter Covid-19». Darin sind die neuen Regeln definiert, die seit dem 11. Mai in Gastrobetrieben gelten. Eine davon lautet: Live-Musik ist verboten. Egal, ob es sich dabei um ein Rockkonzert in einer Bar oder – wie im Kaffeehaus – um leise Pianomusik handelt.

«Mein Anliegen ist es, dass man den Begriff Live-Musik differenzierter betrachtet», sagt Pianist Pekarek. «Ich mache kein Konzert und keine Tanzmusik, sondern Ambientemusik. Diese leise vorgetragene Musik kann bei den Zuhörenden Wohlbefinden und Entspannung erzeugen. Das ist gesundheitsfördernd!»

Zum Schutz des Pianisten

Auch Gallus Hufenus kann nicht verstehen, weshalb die Covid-19-Verordnung «vorsorglich lieber gleich alles verbietet». Er plädiert für eigenständiges Denken und zweifelt daran, dass die neuen Gastroregeln zum Besten aller seien.

Im Vorfeld hatte er angekündigt, sich dem Musik-Verbot zu widersetzen. Doch habe er schliesslich beschlossen, sich an die Regeln zu halten. Nicht zuletzt, um den Pianisten vor rechtlichen Konsequenzen zu schützen. Im Vorfeld liess sich Hufenus von der Bundesverwaltung bestätigen, dass der Live-Stream gesetzeskonform sei.

Die Polizei hatte nichts zu beanstanden

Die Polizei, die am Mittwoch vor Ort kontrollierte, hatte denn auch nichts zu beanstanden. «Alle Vorschriften wurden eingehalten», bestätigt Dionys Widmer von der Stadtpolizei. Eine Fortsetzung soll es dennoch nicht geben. Weil die aktuelle Lösung zwar «technisch einwandfrei, aber emotional kalt» sei, wie es Hufenus formuliert. Der Flügel im Kaffeehaus bleibt also bis auf weiteres verwaist.