Elterntaxis: In Goldach hilft nur noch eine Strassensperre

Plakate, Briefe, Infoabende: Nichts konnte das Elterntaxi-Problem der Goldacher Schule Bachfeld lösen. Im Gegenteil. Inzwischen muss der Hauswart regelmässig den Weg mit einem Container versperren, damit die Schüler wenigstens beim Schulhauseingang vor Autos sicher sind.

Vivien Huber
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Blechlawine vor dem "Bachfeld": Der Container vor dem Schulhaus verhindert, dass Elterntaxis direkt zur Eingangstreppe fahren. (Bild: PD)

Blechlawine vor dem "Bachfeld": Der Container vor dem Schulhaus verhindert, dass Elterntaxis direkt zur Eingangstreppe fahren. (Bild: PD)

«Die Zahl der Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren und wieder abholen, steigt weiter», sagt Stefan Sieber, Schulsekretär von Goldach. Die Lage sei inzwischen so prekär geworden, dass der Hauswart seit längeren einen Container vor dem Schulhaus Bachfeld hinstellen muss, um Elterntaxis davon abzuhalten, direkt vor der Treppe zum Eingang zu parkieren, sagt Sieber. Die meisten Elterntaxis seien in der Gemeinde auf dem Nelkenweg bei Regenwetter anzutreffen. «Vielleicht liegt es daran, dass das Schulhaus Bachfeld nicht im Zentrum liegt und die Schüler einen weiteren Schulweg haben», sagt Sieber.

«Uns gehen langsam die Ideen aus»

Mitteilungen in Semesterbriefen und Aufrufe an Infoabenden haben die Situation nicht entschärft. Auch die montierten Plakate des VCS mit Slogans wie «Wir gehen zu Fuss zur Schule. Und du?» nützten nicht viel. «Uns gehen langsam die Ideen aus», sagt der Schulsekretär. Dennoch will Goldach andere Massnahmen treffen, als Bussen an die Eltern zu verteilen.

Auch andere Gemeinden haben Mühe mit den Elterntaxis. Anfangs Januar versuchte das Schulhaus Pestalozzi in Rorschach mit Plakaten und Broschüren die Eltern zu animieren, ihre Kinder nicht zu fahren. In Tübach wurde im August der Fussgängerstreifen vor dem Schulhaus entfernt und ein Parkfeld eingezeichnet, um die Sicherheit der Kinder wieder zu gewährleisten. In Rorschacherberg wurde im April über Halteplätze am Schulhaus Klosterguet diskutiert, die schliesslich von der Bevölkerung abgelehnt wurden.

Dass Schulen die Elterntaxis nicht verbieten können, liege daran, dass der Schulweg in den Zuständigkeitsbereich der Eltern falle, sagt Sieber. In Goldach liegen die meisten Schulwege im gesetzlich zumutbaren Bereich. Falls der Weg für ein Kindergarten- oder Schulkind der ersten Klasse doch zu weit sei, stehe ein Schulbus zur Verfügung.

Eltern sollten Kinder auf den Verkehr sensibilisieren

Der Grund für die vielen Elterntaxis sieht Sieber teils im fehlenden Vertrauen der Eltern in die Kinder, teils auch in deren Bequemlichkeit. Besonders bei Regen oder Schnee muten viele Eltern ihren Kindern den Weg zu Fuss nicht zu. «Das Ziel wäre, dass die Eltern den Schulweg mit ihren Kindern so lange lernen, bis sie auf bestimmte Verkehrssituationen sensibilisiert sind und den Weg alleine gehen können.» Das Kind solle seinen Schulweg gut kennen und immer den gleichen Weg nehmen. Dies erfordere je nach dem aber etwas Zeit seitens der Eltern. Dennoch sei es für die Kinder wichtig, sich im Verkehr angemessen verhalten zu können. «Früher oder später müssen die Kinder ihren Weg alleine gehen. Dann ist es besser, wenn sie schon früh lernen, sich verantwortungsvoll im Verkehr zu bewegen.»

Weil nicht alle Eltern gleich viel Zeit haben, den Schulweg mit ihren Kindern zu laufen, sei «Pedibus» ein gutes Projekt. So können Eltern abwechslungsweise ihre Kinder in einer grösseren Gruppe zu Fuss zur Schule begleiten. «Das müssten die Eltern allerdings unter sich organisieren», sagt Sieber. Soweit er wisse, habe in Goldach aber noch nichts Derartiges stattgefunden.

REGION RORSCHACH: «Elterntaxis sind ein Ärgernis»

Der Elternrat des Schulhauses Pestalozzi in Rorschach bittet die Eltern, ihre Kinder nicht mit dem Auto zu fahren. Das Thema Elterntaxi beschäftigt auch andere Gemeinden. In Thal fahren Kleinbusse und sogar ein Car die Schüler.
Christoph Renn

Elterntaxis werden auch in Tübach zum Problem

Elterntaxis entwickeln sich in der Region Rorschach zur Plage. Nun reagiert auch die Gemeinde Tübach. Massnahmen vor dem Schulhaus sollen Elterntaxis eindämmen und die Sicherheit erhöhen.
Rudolf Hirtl