«Es rufen Leute an, die nicht mehr wissen, wie sie wegkommen»: Strassenführung beim Vadianplatz in St.Gallen überfordert Autofahrer

Im Rahmen der Neugestaltung des Vadianplatzes hat die Stadt das Verkehrsregime angepasst. Viele Autofahrer kommen damit nicht zurecht. Letzter Ausweg bleibt oft nur noch die Fahrt durch die Tiefgarage. Die Stadtpolizei sucht nun nach neuen Lösungen.

Christoph Renn
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Diese Tafeln werden nicht von allen Verkehrsteilnehmern beachtet. (Bild: Michel Canonica)

Diese Tafeln werden nicht von allen Verkehrsteilnehmern beachtet. (Bild: Michel Canonica)

Die Freude über den neuen Vadianplatz war riesig. «Es war ein langes, hartes Stück Arbeit», sagte Stadträtin Maria Pappa bei der feierlichen Eröffnung des neugestalteten Vadianplatzes im vergangenen Jahr. Sie zeigte sich sichtlich erleichtert, dass die Stadt dieses Kapitel abschliessen konnte.

Das Projekt geht bis ins Jahr 2011 zurück und wurde durch Einsprachen lange verzögert. Kritisiert wurde immer wieder das geplante Verkehrsregime. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Viele Autofahrer sind mit der Strassenführung überfordert. Sie stehen vor der Tiefgarage und können weder vor noch zurück. Einziger Ausweg bleibt die Fahrt durch die Garage.

Dies bestätigt auch Polizeisprecher Dionys Widmer: «Wir haben bei Kontrollen festgestellt, dass die jetzige Situation für Verkehrsteilnehmer nicht befriedigend ist», sagt er. Es hätten sogar schon Leute angerufen, die mit dem Auto vor der Tiefgarage standen und nicht mehr wussten, wie sie von dort wegkommen. Deshalb laufen laut Widmer bei der Stadtpolizei bereits Abklärungen, wie die jetzige Situation zu verbessern wäre.

Erinnerungen an eine Bussenlawine wird wach

Der neugestaltete Vadianplatz kommt also weiter nicht zur Ruhe. Begonnen hat der «Fall Vadianplatz» im Jahr 2011. Damals hatte das Parlament die Pläne der Stadt, die Zufahrt zur Tiefgarage nur noch von Osten und die Wegfahrt nur noch nach Westen zu ermöglichen, über den Haufen geworfen. Der Stadtrat musste das Verkehrsregime überarbeiten. Anschliessend war eine Einsprache zu einem anderen Aspekt des Verkehrsregimes eingegangen, welche den Baubeginn um knapp drei weitere Jahre hinauszögerte.

Heute können Autofahrer von Westen und Osten in die Tiefgarage fahren. In beide Richtungen, also von der Kornhausstrasse sowie von der Speerstrasse her, sind sie als Einbahnen gekennzeichnet. Gut sichtbare Hinweistafel auf beiden Seiten machen die Autofahrer zwar darauf aufmerksam, dass es nur Zufahrten zur Tiefgarage sind, doch: «Diese werden zu wenig beachtet», sagt Widmer. Die Polizei müsse immer wieder festgestellt, dass viele Fahrzeuglenker das Verkehrsregime nicht kennen. Deshalb wurden auch schon Bussen verteilt. Dann, wenn es gefährlich wurde oder wenn jemand falsch parkiert hat.

Der «Fall Vadianplatz» erinnert stark an die Einführung des definitiven Verkehrsregimes an der östlichen Zufahrt zum Bahnhofplatz. Diese hat Ende 2017 eine Bussenlawine ausgelöst. Einige regten sich auf, zahlreiche Voten in den Social Media waren allerdings für die Polizei. «Die Änderung des Verkehrsregimes haben nichts damit zu tun, dass die Stadtpolizei Bussen zu Gunsten der Stadtkasse einsammlen wolle», sagte Polizeisprecher Roman Kohler damals zum «St. Galler Tagblatt». Beim Vadianplatz hält sich die Polizei mit Bussen deutlicher zurück, geht sogar in die Offensive: «Wir prüfen Verbesserungsmöglichkeiten und wollen die jetzige Situation nicht ausnutzen», sagt Widmer.

Das Tiefbauamt wartet zuerst ab

Ob es Anpassung gibt, kann Widmer nicht sagen. «Es ist noch nichts spruchreif.» Sowieso dürfte es kaum eine grosse Änderung im Verkehrsregime beim Vadianplatz geben. Vor allem deshalb, weil das Parlament diese Lösung abgesegnet hat. Das Problem müsste also wieder auf die politische Ebene gehoben werden.

Das Problem wurde laut Christian Hasler vom städtischen Tiefbauamt auch schon diskutiert. Jedoch verweist er darauf, dass das Parlament so entschieden habe und die Verkehrsordnung nun Sache der Stadtpolizei sei. Sobald wird sich am Verkehrsregime also nicht ändern.

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