Strampeln fürs Herz: Kardiologen fahren mit dem Velo von St. Gallen nach München

Der St.Galler Kardiologe Hans Rickli reist mit 31 Fachleuten aus der ganzen Schweiz zum Kardiologiekongress in München. Dafür nehmen sie weder Auto, Flugzeug noch Zug. Auf der sogenannten Tour de Cœur strampeln sie mit dem Rennvelo.

Christina Weder
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Kurz vor dem Start in St. Gallen: 800 Kilometer liegen vor den Kardiologen. Hans Rickli steht links neben dem Teamleader im blauen Dress (Bildmitte). (Bild: Klaus Stadler)

Kurz vor dem Start in St. Gallen: 800 Kilometer liegen vor den Kardiologen. Hans Rickli steht links neben dem Teamleader im blauen Dress (Bildmitte). (Bild: Klaus Stadler)

Auf dem Rennvelo ist Hans Rickli, Chefarzt Kardiologie am Kantonsspital St.Gallen, in seinem Element. «Irrsinnig» sei es, «herrlich». Rickli befindet sich gerade auf dem Weg zum Europäischen Kardiologiekongress in München. Er legt die Strecke mit 31 weiteren Kardiologen und Fachleuten aus dem Herzkreislaufbereich mit dem Velo zurück. Sie strampeln durch die Tiroler Alpenlandschaft – alle im gleichen rot-weissen Velodress.

700 bis 800 Kilometer in sechs Tagen

Startpunkt der sogenannten Tour de Cœur war am Sonntagmittag in St.Gallen. Ziel ist, am kommenden Samstag pünktlich zur Eröffnung des Kongresses in München anzukommen. 150 Kilometer haben die Kardiologen bereits hinter sich gebracht, als sie gestern Mittag Stanzach im Tirol erreichen und Hans Rickli kurz Zeit zum Telefonieren findet. Ein kleiner Sturz habe ihn kurz aus der Bahn geworfen. Trotzdem ist er guter Dinge. Die Schürfwunden sind verarztet, die Kollegen bereits startklar.

Dabei wählen die Ärztinnen und Ärzte nicht die kürzeste Strecke in die bayrische Landeshauptstadt, sondern nehmen einen ziemlichen Umweg über Salzburg. Auf ihrer Route legen sie insgesamt 700 bis 800 Kilometer zurück. Die sechs Tagesetappen betragen zwischen 100 und 150 Kilometer. Hinzu kommen bis zu 2000 Höhenmeter, die täglich zu überwinden sind.

«Es soll keine Tortur sein», stellt Rickli klar. Aber ganz ohne Training gehe es nicht. Er selbst ist ein passionierter Hobby-Velofahrer. Zwischen Frühling und Spätherbst fährt er regelmässig mit dem Rennvelo zur Arbeit. Für die Tour hat er sich zusätzlich vorbereitet.

Nicht nur für ambitionierte Velofahrer

Doch es seien nicht nur ambitionierte Velofahrer mit von der Partie. Die Fachleute sind in drei Leistungsgruppen unterwegs. Jene, die es gemütlicher nehmen, fahren am Morgen jeweils eine Stunde früher los. Die «Sportlicheren» rollen das Feld sozusagen von hinten auf. Fünf bis sieben Stunden sitzen sie täglich auf dem Rennvelo, bis sie am Samstag das Ziel erreichen.

Die Kardiologen sind nicht zum ersten Mal zur sogenannten Tour de Cœur aufgebrochen. Hans Rickli hatte die Idee dazu vor acht Jahren, als er als Präsident der Schweizer Kardiologen amtete. Damals führte die Velotour von Bern nach Paris. Es gehe darum zu zeigen, dass Bewegung gesund sei. Prävention sei wichtig im Herzkreislaufbereich.

«Wir wollen das unseren Patienten nicht nur predigen, sondern selber mit gutem Beispiel vorangehen»

Und so wählen die Kardiologen seit nunmehr acht Jahren das Velo, um an den Europäischen Kardiologiekongress zu fahren – egal, in welcher Stadt dieser gerade stattfindet. Auf zwei Rädern haben sie bereits Paris, München, Amsterdam, London, Barcelona und Rom erreicht. Die alljährliche Tour ist für viele zur Tradition geworden.

Eine Herzenssache für den Kardiologen

Dieses Jahr starteten sie erstmals von St. Gallen aus – unter dem Motto «Nichtrauchen ist clever». Stadtpräsident Thomas Scheitlin kam eigens im Renndress und mit Mountainbike zur Lokremise und wünschte eine gute Fahrt. Die Teilnehmenden beziehen für ihr Vorhaben Ferientage. Rickli spricht von einer «bestens organisierten Fernfahrt» mit dem Velo. Alles laufe sehr diszipliniert ab.

Für ihn biete die Tour die Gelegenheit zur Entschleunigung vor dem hektischen Kongress. Und schliesslich handelt es sich auch um eine Herzenssache. «Um etwas, was ich sehr gerne mache.»

Los geht's: Die Kardiologen starten bei der Fachhochschule St.Gallen hinter dem Hauptbahnhof.

Los geht's: Die Kardiologen starten bei der Fachhochschule St.Gallen hinter dem Hauptbahnhof.