St.Gallen
28-Jähriger bestellt Falschgeld in China und bezahlt damit Marihuana

Ein Schweizer wird von der St.Galler Staatsanwaltschaft zu einer unbedingten Geldstrafe verurteilt, weil er falsche Euro-Scheine in Umlauf gebracht hat. Das ist jedoch nicht sein einziges Vergehen.

Sandro Büchler
Drucken
Teilen
Echte oder falsche Banknoten? Der Beschuldigte kaufte sich aus China ein Bündel gefälschter 50-Euro-Scheine.

Echte oder falsche Banknoten? Der Beschuldigte kaufte sich aus China ein Bündel gefälschter 50-Euro-Scheine.

Bild: Fotolia

Der Beschuldigte wird von der St.Galler Staatsanwaltschaft im Strafbefehl als Ladendieb beschrieben. Trotz Hausverbot betritt der Schweizer im Herbst 2019 den Coop in der Shopping-Arena. Der heute 28-Jährige behändigt sich einer Wodka-Flasche der Marke «Silver Beluga», dazu ein Liter Fruchtsaft, dann verstaut er die beiden Getränke in seiner Umhängetasche und verlässt den Laden, ohne für die Waren zu bezahlen.

Nur Tage später lässt der Mann im Coop am St.Galler Hauptbahnhof eine Flasche Jack-Daniels-Whiskey mitlaufen. Im Mai 2020 nimmt der arbeitslose Beschuldigte im Aldi eine Flasche Sirup, einen Landjäger und eine Packung Heringsfilet mit, ebenfalls ohne dafür zu bezahlen. Auf gerade einmal sieben Franken und 39 Rappen beläuft sich der Warenwert bei seinem letzten Diebstahl.

Scheine mit einem Buchwert von 10'000 Euro kauft der Mann für sechs Franken

Schwerer als der Hausfriedensbruch und die Diebstähle wiegt jedoch die Handlung, die dem heute 28-Jährigen vor einem Jahr in den Sinn kommt. Im Februar 2020 bestellt der Beschuldigte auf der Website wish.com 200 falsche 50-Euro-Banknoten aus China. Er habe dies im Wissen getan, dass es sich um Falschgeld handelte, wie die Staatsanwaltschaft in ihrem Strafbefehl schreibt. Denn die Geldscheine mit einem Buchwert von insgesamt 10'000 Euro kosten auf dem Onlinemarktplatz sechs Franken.

Die gefälschten Banknoten sind laut Beschreibungen auf ähnlichen Verkaufsportalen als Requisite in Film- oder Theaterproduktionen gedacht. Doch selbst bereits das Einführen, Erwerben und Lagern falschen Geldes stellt gemäss Strafgesetzbuch eine Straftat dar.

Beschuldigter bezichtigt Kollegen als Mittäter

Einen Teil der falschen 50-Euro-Scheine verschenkt der Beschuldigte während des Lockdowns im vergangenen Frühling an «nicht genauer bestimmbare Personen». Zudem kauft sich der Mann mit dem Falschgeld bei mehreren Dealern Marihuana für den Eigenkonsum. Auch eine Taxifahrt zur Notfallaufnahme des Kantonsspitals St.Gallen bezahlt der 28-jährige Schweizer mit einer Blüte.

Als sein Handeln schliesslich auffliegt und er im vergangenen April einvernommen wird, beschuldigt der Mann zudem einen Kollegen, ebenfalls einen Teil des Falschgeldes in Umlauf gebracht zu haben. Erst nach einer Hausdurchsuchung bei besagtem Kollegen gibt der Beschuldigte schliesslich zu, eine Beteiligung frei erfunden zu haben.

Während Lockdown noch eine Party organisiert

Obwohl nun ein Strafverfahren eröffnet worden ist, lässt es der Schweizer nicht ruhiger angehen. Er kifft weiterhin und veranstaltet Mitte Mai trotz damals geltenden Covid-19-Massnahmen in seiner Wohnung eine Party mit acht Personen. Als die Polizei wegen des Lärms und der Nachtruhestörung eintrifft, zeigt sich der Mann wenig einsichtig. Der polizeilichen Anordnung, die Party zu beenden, leistet der Beschuldigte laut Strafbefehl keine Folge.

Im Zusatz zu zwei weiteren im Appenzellischen ausgestellten Strafbefehlen wurde der Beschuldigte zu einer unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30 Franken verurteilt, insgesamt also 1800 Franken. Davon wird ihm ein Tag Untersuchungshaft abgezogen, womit sich die Anzahl Tagessätze auf 59 und der Geldstrafenbetrag auf 1770 Franken reduziert. Zudem wird ihm eine Busse über 1000 Franken auferlegt. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig.