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St.Gallen führt zweite Parking-App ein: Steht die Parkuhr bald einfach so in der Stadt rum?

Die Stadt führt eine zweite App ein, mit der sich die Parkgebühren begleichen lassen. Die Zahl der Nutzer steigt steil an.
Diana Hagmann-Bula
Die Stadt hat nun zwei Parkingapps. Parkuhr mit Aufklebern von Parkingpay und Easypark auf beiden Seiten und Twint auf der Frontseite.

Die Stadt hat nun zwei Parkingapps. Parkuhr mit Aufklebern von Parkingpay und Easypark auf beiden Seiten und Twint auf der Frontseite.

Münz oder App? Vor dieser Frage stehen Autofahrer, die ihren Wagen in der Stadt abstellen. Sie müssen nicht mehr nach passenden Geldstücken kramen, um die Parkgebühr zu bezahlen. Der Betrag kann seit 2014 auch mit der App Parkingpay beglichen werden.

Nun stellt sich vor der Parkuhr eine weitere Frage: Mit welcher App bezahlen? Die Stadt arbeitet neu auch mit dem Anbieter Easypark zusammen. Stadträtin Sonja Lüthi beschreibt:

«Wir können diese App ohne zusätzlichen Aufwand anbieten. Parkingpay und Easypark sind eine Partnerschaft eingegangen, die das ermöglicht.»

Die Kontrolle und Abrechnung erfolge weiterhin über Parkingpay. Diese App ist vor allem in der Schweiz weit verbreitet, Easypark hingegen in Europa führend. «Wir können dadurch unseren ausländischen Kunden eine digitale Plattform bieten, um die Parkgebühren zu bezahlen», sagt die Direktorin für Soziales und Sicherheit weiter. Touristen, die St.Gallen nur für ein paar Tage besuchen, müssen folglich nicht mehr extra eine andere App herunterladen.

Verlängern erlaubt, nachbezahlen aber nicht

Beide Apps vereinfachen das Bezahlen der Parkgebühr. Und doch unterscheiden sie sich in einigen Punkten. Bei Parkingpay gibt der Nutzer einen Zonencode ein und stellt im Voraus ein Guthaben bereit, bei Easypark verortet er sein Auto auf einer Karte und bezahlt per Kreditkarte. Dann das Ticket per Fingertipp lösen und den Parkvorgang ebenso wieder beenden, sobald Einkaufsbummel oder Geschäftstreffen vorbei sind. «So bezahlt man für den Parkplatz keinen Rappen zu viel», sagt Bernhard Kobel, Mediensprecher von Easypark Schweiz. Studien würden zeigen, dass Autofahrer, die Münzen verwenden, bis zu 30 Prozent zu viel Geld in die Parkuhr einwerfen.

Überzieht man bei der Shoppingtour oder Sitzung, lässt sich die Parkzeit mühelos per Handy verlängern. Das macht im ersten Moment stutzig: Schliesslich ist auf den Parkuhren vermerkt, dass Nachzahlen verboten ist. «Nachbezahlen wäre, nach der maximal vorgegebenen Parkdauer erneut einen Parkvorgang zu starten. Das ist nicht erlaubt», sagt Stadträtin Lüthi. Innerhalb der maximalen Parkdauer dürfe der Parkvorgang jedoch angepasst werden.

«Das ist halt der Vorteil der Digitalisierung.»

Nicht nur das Bezahlen erfolgt digital, sondern auch die Überprüfung. «Eine App auf den Smartphones der Stadtpolizei ermöglicht die unkomplizierte Kontrolle», erklärt Roman Kohler, Sprecher der Stadtpolizei St.Gallen. Die Mitarbeiter scannen das Nummernschild des Autos und sehen sofort, ob die Parkgebühr bezahlt ist oder nicht. «Wir erhalten aber keine Informationen über den Kontoinhaber», betont Lüthi.

Erteilt die Polizei weniger Bussen?

Erteilt die Stadtpolizei wegen der Möglichkeit die Parkdauer digital zu verlängern weniger Bussen? «Ein Vergleich ist schwierig. Es gibt neben der Bezahlart viele weitere Faktoren wie zum Beispiel die sich ändernde Anzahl gebührenpflichtiger Parkplätze», sagt Kohler. Klar sei nur, dass die Parkgebühr immer häufiger per App bezahlt werde. Eine Statistik dazu soll Anfang 2020 vorliegen.

Zehn Prozent der Parkierer bezahlen per App

Parkingpay liefert schon Zahlen. 2018 zählte das Unternehmen Digitalparking, das die App betreibt, in St.Gallen noch 13000 Parkvorgänge monatlich. 2019 sind es 25000. «In der Stadt bezahlen unterdessen über zehn Prozent der Parkierer mit unserer App», sagt Reto Schläpfer von Digitalparking. Für den Nutzer fallen bei Parkingpay keine Extrakosten an. Die Stadt gibt 4,5 Prozent ihres Umsatzes durch die App an Digitalparking weiter. «In diesen Kommissionen sind die Betriebs- und Wartungskosten enthalten», sagt Lüthi. Easypark hingegen bittet den Nutzer selber zur Kasse. In St.Gallen koste der Service 0,19 Franken pro Stunde, sagt Mediensprecher Bernhard Kobel. «Dafür bekommt man zum Beispiel per SMS eine Erinnerung, dass die Parkzeit in 15 Minuten abläuft.»

Die App, die auch eine Parklücke sucht

Das Unternehmen mit Sitz in Schweden wirbt auch mit der neuen Funktion «Find&Park». Sie soll ersichtlich machen, wo in der Stadt ein Parkplatz frei ist. Zuerst will Easypark diese Dienstleistung in Zürich testen, den Service dann auf die ganze Schweiz ausweiten. «Überall dort, wo die gängige Parkplatzproblematik besteht. Das schliesst St.Gallen vermutlich mit ein.» Die Stadt arbeitet derweil an einer eigenen Lösung mit Radar- und Bodensensoren, um den Verkehrsteilnehmern die Parkplatzbelegung anzuzeigen. Voraussichtlich im Frühjahr 2020 kann das konkrete Projekt gemäss Lüthi in Auftrag gegeben werden.

Auch wenn Easypark und Parkingpay zusammenspannen. Sie bleiben eigenständige Unternehmer und somit Mitbewerber. «Wenn St.Gallen die Bewirtschaftungsausgaben senken will, muss sie mehrere Systeme anbieten», sagt Reto Schläpfer von Digitalparking. Je öfter Parkgebühren per App bezahlt würden, desto weniger Parkuhren seien nötig. «Deren Anschaffung, Unterhalt und Leerung kostet viel Geld. Da lässt sich sparen.» In Schweden würden bereits über 70 Prozent der Parkgebühren per App eingehen. Und das nicht nur, weil das Land das Bargeld bis 2030 abschaffen will. «Unsere Branche wächst rasant», sagt Schläpfer.

Stirbt die Parkuhr bald aus? «Ob es soweit kommt, entscheidet der Konsument mit seinem Verhalten. Noch aber zahlen viele Parkierer mit Münzgeld», sagt Lüthi. Tönt irgendwie nach Abschied.

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