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Stimmen zum Abschied des Gossauer Stadtpräsidenten: Kaum Kritik an Alex Brühwiler

Dossiersicher, umgänglich und ein guter Sänger: Zum Abschied gibt es für Alex Brühwiler fast nur lobende Worte. Kritiker schweigen – mit einer Ausnahme.
Johannes Wey
Stadtpräsident Alex Brühwiler räumt schon bald sein Büro im Gossauer Rathaus. (Bild: Mareycke Frehner)

Stadtpräsident Alex Brühwiler räumt schon bald sein Büro im Gossauer Rathaus. (Bild: Mareycke Frehner)

Er hat seinen Rücktritt von langer Hand geplant. Alex Brühwiler tritt Ende Monat zurück. Der erste Gossauer Stadtpräsident war über 17 Jahre lang im Amt. Verabschieden will er sich mit einer Feier kommenden Dienstag. Bis dahin will er sich nicht zu seiner Laufbahn äussern.

Anders hält es Stadtparlamentarier Alfred Zahner. Als «letzter Dinosaurier» sitzt er seit der Gründung im Parlament und damit seit Brühwilers Amtsantritt. «Er kann gut auf Leute zugehen und ist wohl mit 80 Prozent der Gossauer per Du.» Mit den Parteien habe er einen respektvollen Umgang gepflegt. «Mit Alex Brühwiler ging es gleichmässig vorwärts. Und damit können wir zufrieden sein», sagt Zahner.

Alex Brühwiler im Jahr 2005 vor dem Rathaus. (Bild: Ralph Ribi)

Alex Brühwiler im Jahr 2005 vor dem Rathaus. (Bild: Ralph Ribi)

Er spricht damit eine Kritik an Brühwiler an, mit der er als Ur-Rorschacher immer wieder konfrontiert wird: Dort sei der Stadtpräsident ein Visionär und habe viel erreicht. Doch Brühwilers Aufgabe sei eben weniger dankbar gewesen: «Rorschach lag bei Thomas Müllers Amtsantritt am Boden. Gossau ging es hingegen gut. Dass das noch immer so ist, ist auch Brühwilers Verdienst», sagt Zahner. Finanziell stehe die Gemeinde solide da, das Industriegebiet im Osten habe sich gut entwickelt, infrastrukturmässig habe die Stadt mit Markthalle und Schulhäusern einen Schritt vorwärts gemacht.

«Nur das Verkehrsproblem konnte er nicht lösen. Aber das ist unlösbar.»

Allerdings gebe es Situationen, in denen sich Zahner bei Brühwiler etwas mehr Kampfgeist gewünscht hätte, etwa was den Lärmschutz beim Autobahnzubringer an der Bischofszellerstrasse angeht.

Auch die Nachbarn loben

Bevor Dominik Gemperli Stadtpräsident in Goldach wurde, hatte er als Andwiler Gemeindepräsident oft mit Brühwiler zu tun. «Wir pflegen heute noch einen freundschaftlichen Kontakt», sagt er. Brühwilers Dossierkenntnis habe ihn beeindruckt. Die beiden hätten viele Berührungspunkte gehabt aufgrund der räumlichen Nähe, der verschiedenen Zweckverbände und der KESB. Und natürlich im Rahmen der angepeilten Gemeindefusion: «Obwohl am Schluss ein Nein resultierte: Die Zusammenarbeit mit Gossau war immer sehr fair», sagt Gemperli.

Auch Franz Müller, der 26 Jahre lang Gemeindepräsident in Waldkirch war, lobt die Zusammenarbeit mit Brühwiler. Bei regionalen Themen habe der Gossauer immer auch die Anliegen der anderen Gemeinden ernst genommen. Brühwiler sei immer gut für eine neue Idee gewesen. «Für die anderen Gemeindepräsidenten war das zum Teil eine Herausforderung.»

Lob bekommt Alex Brühwiler auch für seine Sangeskünste. «Er ist sehr musikalisch», sagt Rolf Hefti, Präsident des Männerchors Gossau, in dem Brühwiler Mitglied ist. Als Sängerkamerad sei er gesellig und unterhaltsam. Brühwiler sei bestens vernetzt und verfüge über viel Führungserfahrung. Deswegen sei er auch der ideale OK-Präsident für das Schweizer Gesangsfest 2022 in Gossau. Politisch habe der Verein aber nie von der Mitgliedschaft des Stadtpräsidenten profitieren können. «Da war er immer absolut neutral.»

Die Kritiker schweigen

War Brühwiler als Stadtpräsident also allseits beliebt? Nach 17 Jahren eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Trotzdem werden gegenüber dem «Tagblatt» kaum kritische Stimmen laut.

Brühwilers Vorgänger Johann C. Krapf will sich nicht äussern: «Ich habe mich nach meinem Rücktritt nicht mehr in die Politik eingemischt», begründet er. Ähnlich halten es ehemalige Parlamentarier und weitere Persönlichkeiten des gesellschaftlichen und politischen Lebens in Gossau.

Weniger zurückhaltend ist Regierungsrat Bruno Damann, der bis 2016 mit Brühwiler im Stadtrat zusammenarbeitete. Zwar attestiert Damann dem scheidenden Stadtpräsidenten ein Schnelldenker und guter Rhetoriker zu sein. Doch: «Was ich bei ihm manchmal vermisst habe, ist der Mut, auch einmal etwas durchzusetzen.»

Als Beispiele nennt Damann die alternative Zentrumsquerung, die vom Parlament gebodigte Verselbständigung der Stadtwerke oder der Neubau des Heims der Sana Fürstenland AG, der noch immer blockiert sei. «Ich bin der Meinung, dass man sich als Stadtpräsident bei solchen Themen voll engagieren müsste», sagt Damann. Brühwiler habe das anders gesehen. Jedenfalls habe Brühwiler die Finanzen im Griff gehabt.

«Er hat halt mehr verwaltet als regiert»

Alex Brühwilers Abschiedsfeier findet am Dienstag, 18.30 Uhr, im Fürstenlandsaal in Gossau statt. Das Programm beginnt um 19.30 Uhr.

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