Stillstand am Spisertor in St.Gallen: Haltekante wird noch nicht erhöht

Die Erhöhung der Haltekanten am Spisertor zieht sich weiter hin. Die Appenzeller Bahnen warten auf den Einspracheentscheid aus Bern.

David Gadze
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Die Parkplätze vor der Weinhandlung von Philipp Schwander müssten bei einer Perronerhöhung weichen.

Die Parkplätze vor der Weinhandlung von Philipp Schwander müssten bei einer Perronerhöhung weichen.

Bild: Urs Bucher (14. September 2018)

Die Neugestaltung der Haltestelle Spisertor ist blockiert. Die Appenzeller Bahnen (AB) möchten die Perrons behindertengerecht umbauen. Oder besser gesagt: sie müssen. Das fordert das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG). Dafür sollen die Haltekanten beidseits des Burggrabens in einem Teil auf 32 Zentimeter angehoben und im anderen bei der heutigen Höhe von 22 Zentimetern belassen werden. Die unterschiedlichen Niveaus würden sowohl bei Bussen als auch bei Zügen einen hindernisfreien Ein- und Ausstieg ermöglichen.

Gegen dieses Vorhaben gibt es jedoch Widerstand. Knackpunkt ist die Haltestelle stadtauswärts. Denn bei einer Perronerhöhung müssten die neun Parkplätze vor der Weinhandlung von Philipp Schwander weichen. Dagegen haben der Stadtrat, der Besitzer der Liegenschaft und Philipp Schwander selbst Einsprache erhoben. Das ist nun fast eineinhalb Jahre her. Der Entscheid dazu steht jedoch weiterhin aus.

Der Kanton begrüsst die Erhöhung der Perrons

Der Kanton habe seine Stellungnahme zur Perronerhöhung im November 2018 beim Bundesamt für Verkehr (BAV) eingereicht, sagt Renato Lenherr, stellvertretender Leiter Ortsplanung beim Amt für Raumentwicklung und Geoinformation. Der Kanton werde von verfahrensleitenden Bundesamt für Verkehr als Verfahrensbeteiligter jeweils zur Stellungnahme zum Bauvorhaben und den allfälligen Einsprachen eingeladen.

«Wir können nichts entscheiden, das ist Aufgabe des BAV. Unsere Stellungnahme ist bloss ein Puzzlestück im ganzen Verfahren.»

Darin seien sämtliche betroffenen Amtsstellen zu Wort gekommen, namentlich das Amt für öffentlichen Verkehr und das Tiefbauamt.

Das Amt für öffentlichen Verkehr befürworte die Erhöhung der Perronkanten, um die Umsetzung des BehiG zu gewährleisten, sagt Lenherr. Die gewählte Abstufung der Perronhöhen sei dabei eine gute Lösung, um sowohl bei Bussen als auch bei Zügen den hindernisfreien Zugang sicherzustellen. Das Tiefbauamt habe einzelne Verbesserungen für Velofahrende gewünscht, etwa bezüglich der Signalisation oder der Sicherheit. So habe es angeregt, die Zwischenräume der Schienen zu verschliessen. Auch der Lärmschutz beziehungsweise das Quietschen der Züge in den Kurven sei ein Thema gewesen.

«Der Ball liegt nun beim Bundesamt für Verkehr.»

Wann dieses den Ball wieder aufnimmt, steht indes in den Sternen. Auf Anfrage gibt es kaum Informationen zum Stand der Dinge preis. «Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, dürfen wir keine Details bekannt geben», sagt Florence Pictet von der Pressestelle des BAV. Wann das BAV eine Verfügung – also eine Plangenehmigung beziehungsweise Baubewilligung – erlassen und wie der Entscheid ausfallen werde, sei offen.

Dach und Billettautomat beim Kantiheim

Konkreter äussert sich AB-Direktor Thomas Baumgartner. Von den sechs Einsprachen gegen das Gesamtprojekt, das auch einen Gleisersatz vom Spisertor bis zum Waaghaus beinhaltet, habe man inzwischen drei bereinigen können. Dies habe zu drei kleineren Projektanpassungen geführt, welche die AB diesen Monat beim BAV zur Genehmigung einreichen werden. Eine davon betrifft die Haltestelle stadteinwärts. Sie erhält – wie vom Quartierverein Südost in der Einsprache gefordert – einen Unterstand. Und zwar nicht ein halbrundes Dächli wie auf der anderen Strassenseite, das nach der Erstellung 2014 wegen ungenügenden Wetterschutzes Kritik ausgelöst hatte, sondern «ein rechteckiges Dach», wie Baumgartner sagt.

Thomas Baumgartner, Direktor Appenzeller Bahnen.

Thomas Baumgartner, Direktor Appenzeller Bahnen.

Bild: Ralph Ribi

Dieses sei mit dem Kantiheim, das unter nationalem Denkmalschutz steht, vereinbar. Auch der vom Quartierverein gewünschte Billettautomat wird auf jener Strassenseite installiert. Eine weitere Anpassung gibt es bei der Lage der Mittelinsel beim Fussgängerübergang zwischen der Kantonsschule und der Glockengasse. Dadurch verbessere sich die Zufahrt in den Burggraben und in die Tiefgarage.

Bezüglich der drei Einsprachen gegen die Perronerhöhungen sei man hingegen noch keinen Schritt weiter, sagt Baumgartner. Der Fall liege immer noch beim BAV. Eine Begehung habe bisher nicht stattgefunden, ob sie geplant sei, wisse er nicht.

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David Gadze

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