Stiftsbezirk
Mit Bär Adalbert durchs St.Galler Kloster: Ein neues Kindersachbuch erklärt das Mittelalter

Über 1000 Jahre alt ist die Geschichte des St.Galler Klosters. Doch ein Kindersachbuch dazu erscheint erst jetzt. Die Idee hatte eine Mitarbeiterin des Historischen und Völkerkundemuseums St.Gallen. Humorvoll und detailreich gezeichnet, erklärt das Buch kindgerecht die Klostergeschichte und das frühmittelalterliche Leben. Der Clou: Alle Fakten wurden wissenschaftlich gecheckt.

Julia Nehmiz
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Bär Adalbert erklärt jungen Leserinnen und Lesern den St.Galler Klosterplan.

Bär Adalbert erklärt jungen Leserinnen und Lesern den St.Galler Klosterplan.

Illustration: Bernard Reymond

Man mag es fast nicht glauben. 612 begegnete der Legende nach Gallus dem Bären, 719 gründete Otmar an dieser Stelle das Kloster. Doch ein Kindersachbuch, das die reichhaltige Geschichte erklärt, das erscheint erst im Jahr 2021.

Dass «Das St.Galler Klostergeheimnis» jetzt veröffentlicht wird, fusst auf ihrer Idee: Jolanda Schärli, Museumspädagogin des Historischen und Völkerkundemuseums St.Gallen HVM. Sie hatte im Museumsshop des Vindonissa Museums ein Buch über die Pfahlbauer aus der Reihe «Les Guides à pattes» entdeckt – Schärli war davon ausgegangen, dass sich die Buchreihe nur mit der Römerzeit befasst. Als sie sah, dass der Herausgeber offen war für anderes, fragte sie einfach an, ob man nicht etwas über das Frühmittelalter in St.Gallen machen könnte.

«Es gibt viel wissenschaftliche Literatur darüber, aber nichts für Kinder.»

«Les Guides à pattes» war interessiert. Die Buchreihe nimmt Kinder auf Entdeckungsreisen durch die Schweizer Archäologie, von Dinosauriern über Pfahlbauer in die Römerzeit und jetzt auch ins Mittelalter. Jeder Band entsteht in Zusammenarbeit mit einem Schweizer Museum.

Ein Klosterschüler zündete den Kreuzgang an

Bei «Les Guides à pattes» werden die jungen Leserinnen und Leser jeweils von einem Tier durch die Geschichte geführt. Klar, dass es im St.Galler Band ein Bär ist, der seine Bezeichnung auch im Namen trägt, zumindest, wenn man Adalbert französisch ausspricht.

Die Geschichte: Adalberts Cousin glaubt ihm nicht, dass Gallus einem Bär begegnete und aus dieser Begegnung das Kloster St.Gallen entstand, das sei alles Quatsch. Und so macht sich Bär Adalbert auf ins Kloster St.Gallen, um einen Beweis zu finden, dass diese Geschichte eben nicht Quatsch, sondern wahr ist.

Das Titelbild des Buches: Adalbert belauscht zwei Mönche.

Das Titelbild des Buches: Adalbert belauscht zwei Mönche.

Illustration: Bernard Reymond

Diese Suche nach dem Beweis ist der erste rote Faden des Buches. Der zweite: der Klosterplan. Die Leserinnen und Leser, die Adalbert direkt anspricht, erfahren viel: Keine trockenen Zahlen, sondern Geschichten und Anekdoten mit humorvollen Illustrationen vermitteln Historisches. So erzählt Adalbert, dass im Jahr 937 ein bestrafter Klosterschüler den Kreuzgang anzündete.

Jede Skizze wurde in St.Gallen überprüft

Autorin und Archäologin Lucile Tissot sowie Archäologe und wissenschaftlicher Illustrator Bernard Reymond erschufen das Buch. Sie hätten zuerst an eine faule Katze gedacht, die im Kloster wohnen würde, erzählt Reymond. Oder an einen Bücherwurm. Doch die St.Galler wollten einen Bären haben. Ein Bär im Kloster, viel zu gross, um diskret zu sein, das könnte lustige Situationen schaffen, fand Reymond. Er entwickelte den Charakter Adalberts, wirklichkeitsgetreu sollte er aussehen, naiv und freundlich.

Der Archäologe und Wissenschaftliche Illustrator Bernard Reymond erschuf die Bilder für das Kindersachbuch «Das St.Galler Klostergeheimnis».

Der Archäologe und Wissenschaftliche Illustrator Bernard Reymond erschuf die Bilder für das Kindersachbuch «Das St.Galler Klostergeheimnis».

Bild: Julia Nehmiz (St.Gallen, 27. Oktober 2021)

Für die Geschichte, die Reymond und Tissot entwickelten, war die wissenschaftliche Beratung elementar wichtig, erzählt er. Jede Skizze schickte er nach St.Gallen, damit alles auch wirklich historisch korrekt ist. Und ja, das sei es, sagt Stiftsbibliothekar Cornel Dora, der die Entstehung des Buches eng begleitete.

27'000 Franken kostete die Realisierung des Buches, mehrere Institutionen kamen für die Finanzierung auf. 4000 Exemplare wurden gedruckt, davon 2000 auf deutsch, 1000 auf englisch, 1000 auf französisch. Jolanda Schärli ist etwas enttäuscht, dass das St.Galler Volksschulamt kein Interesse am Buch hat, dabei ist die Klostergeschichte Schulstoff in der Primarschule. Man verwende eigene Publikationen, sei die Antwort gewesen.

Erhältlich ist das Buch in den Museumsshops von HVM und Stiftsbezirk sowie bei St.Gallen-Bodensee Tourismus. Empfohlen ist «Das St.Galler Klostergeheimnis» ab 8 Jahren. Und: Nach der Lektüre kann man im Stiftsbezirk und im Historischen und Völkerkundemuseum auf eigene Spurensuche gehen und schauen, ob man alle Exponate, die im Buch vorgestellt werden, selber entdeckt.

Lucile Tissot, «Das St.Galler Klostergeheimnis» (ab 8 Jahren), illustriert von Bernard Reymond, 2021, Infolio éditions, Gollion; 31 S., CHF 12.-; aus der Reihe «Les Guides à pattes»

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