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St.Galler Stickereipalast kommt unter den Hammer

Der Verein für soziale Notfallhilfe in St.Gallen, Sono, wird nach einem Gerichtsbeschluss aufgelöst. Allerdings gehört ihm noch eine imposante Liegenschaft an der Davidstrasse 25. Sie wird versteigert.
Andreas Kneubühler, SDA
Dieses prachtvolle Haus wird am Dienstagmorgen versteigert. Geschätzter Marktwert: 6,85 Millionen Franken. Wohin der Erlös fliessen wird, ist offen. (Bild: Urs Bucher)

Dieses prachtvolle Haus wird am Dienstagmorgen versteigert. Geschätzter Marktwert: 6,85 Millionen Franken. Wohin der Erlös fliessen wird, ist offen. (Bild: Urs Bucher)

Das repräsentative Gebäude an der Davidstrasse mit der Nummer 25 ist einer der Standorte des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums des Kantons St.Gallen (GBS). Die Besitzerin des ehemaligen Stickerei-Geschäftshauses heisst Sono, Verein für soziale Notfallhilfe.

Am kommenden Dienstag wird die Liegenschaft vom Konkursamt versteigert. Der geschätzte Marktwert liegt bei rund 6,85 Millionen Franken. Die Gant findet im Zimmer 122 im ersten Stock des Hauptbahnhofs statt, wie das Konkursamt des Kantons St.Gallen im Internet in einer Mitteilung mit dem Titel «Geschäftshaus an zentraler Lage zu versteigern» bekannt gab. Beginn der Versteigerung ist um 10 Uhr.

Der karitative Verein hat in den letzten Jahren vor allem noch Spuren im Handelsregister hinterlassen. Dort ist nachzulesen, dass er nach einem Entscheid des Kreisgerichts St.Gallen liquidiert werden muss. Namen von Verantwortlichen waren schon lange keine mehr eingetragen. Zeitweise stand der Verein sogar unter einer Beistandsschaft, verfügt von der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) der Region St.Gallen.

Entstanden in der Wirtschaftskrise

In Medienarchiven lassen sich Berichte über Sono aus dem Jahr 2002 finden. Damals hatte der Verein dem Sozialamt der Stadt St.Gallen 75'000 Franken gespendet. Damit wurden Bedürftigen Feriengutscheine finanziert. 2003 wurde die Aktion fortgesetzt und der Betrag sogar erhöht. Später lassen sich dazu aber keine Meldungen mehr finden in den Archiven. Die Geschichte des Vereins geht allerdings noch viel weiter zurück, bis in die Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre.

Damals wurden in verschiedenen Städten, darunter in St.Gallen, Schreibstuben von Stellenlosen gegründet. Daraus entwickelte sich später die Adressen- und Werbezentrale AWZ. Das Unternehmen war lange an der Davidstrasse 25 untergebracht. Später trennten sich der Verein und das Unternehmen: 1991 sei die Adressen- und Werbezentrale St.Gallen in die kommerziell tätige AWZ und in den sozialen Verein für Arbeitsbeschaffung aufgesplittet worden, heisst es in der auf der AWZ-Homepage veröffentlichten Firmengeschichte.

Jahrelang hohe Mieteinnahmen

Nach dem Auszug der AWZ konnte die Gewerbeschule im Jahr 2003 als neue Mieterin des Gebäudes gefunden werden. Wieso der karitative Verein, der seither jährliche Mieteinnahmen von 300'000 Franken erhielt, irgendwann keine Personen mehr fand, die sich engagieren wollten, ist unklar.

Der zeitweise als Beistand tätige Anwalt Thomas Eisenring aus Flawil verweist auf das Amtsgeheimnis und gibt keine Auskünfte. Bei der AWZ, die wegen ihrer Geschichte früher enge Verbindungen zu Sono hatte, erklärte Geschäftsleiter Martin Fürer gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, er sei nie in den Verein involviert gewesen und könne dazu nichts sagen.

Keine zusätzlichen Informationen gibt es vom Konkursamt St.Gallen. Es sei ein laufendes Verfahren, wehrt der zuständige Konkursverwalter Daniel Wild entsprechende Fragen ab.

Offen bleibt deshalb, wohin die Erträge aus der Versteigerung fliessen werden. Bei einem Verein, der liquidiert wird, sind dafür die Statuten entscheidend. Den Inhalt der Vereinsstatuten scheint momentan nur das Konkursamt zu kennen, und dieses gibt keine Auskünfte.

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