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St.Gallerin Bigna Fischer gewinnt an den World Transplant Games zwei Medaillen – fast ohne Training

Bigna Fischer hat an den World Transplant Games zwei Medaillen gewonnen – obwohl sie kaum trainiert hatte.
Marlen Hämmerli
Bigna Fischer hat in der Disziplin Laufen eine Silber- und im Golf eine Bronzemedaille geholt. (Bild: Ralph Ribi)

Bigna Fischer hat in der Disziplin Laufen eine Silber- und im Golf eine Bronzemedaille geholt. (Bild: Ralph Ribi)

Der Entscheid ist typisch für Bigna Fischer: kurz entschlossen, aber klar. Sie würde an den World Transplant Games (WTG) teilnehmen (siehe Kasten). Seit 20 Jahren lebt die 29-Jährige mit einer fremden Leber. Ende April meldete sie sich für Golf Einzel und Team, Gehen über drei Kilometer, Rennen über fünf Kilometer und 100-Meter-Sprint an. Bigna Fischer blieben 14 Wochen fürs Training.

Golf hatte Fischer zuletzt vor sieben Jahren gespielt. Damals wohnte sie in Chur, dann in Brigels und nahm fast jedes Wochenende an einem Turnier teil. Dann begann sie in St.Gallen die Ausbildung zur diplomierten Pflegefachfrau. Fischer zog zurück in die Gallusstadt, wo sie einen Grossteil der Kindheit verbracht hatte.

Fürs Training ging Fischer nur drei Mal golfen

Kaum hatte sich Fischer für die WTG angemeldet, kontaktierte sie deshalb zwei Personen: ihre Mutter und ihre Physiotherapeutin. Die Mutter kramte die alte Golfausrüstung hervor, die Therapeutin entwarf einen Trainingsplan. Als Training für die Weltspiele für Organtransplanierte besuchte die Hobbysportlerin drei Mal einen Golfplatz. Zwei Mal schulterte sie den Rucksack und marschierte vom Bundesverwaltungsgericht zum «Peter und Paul». Das Lauftraining zog die 29-Jährige auch in den zweiwöchigen Ferien in der Karibik durch: Tagsüber ging sie tauchen, abends joggte sie den Strand entlang. Tauchen ist neben Basteln und Reisen Fischers drittes Hobby.

«Für mich ist es wie Meditation. Im Wasser kann ich komplett abschalten, dem Alltag entfliehen.»

Anfangs war unklar, ob Fischers Gesundheit das Tauchen zulässt. Mit drei Monaten war sie an Langerhans Zellhistiozytose erkrankt, einem Vorläufer von Krebs. Nach fünf Jahren Chemotherapie war die Krankheit besiegt – und die Leber zerstört. Fischer litt an Gelbsucht, Infekten und Atemnot. Am Hals prangten lebensbedrohliche Krampfadern. Weil diese platzten, wurde Fischer elfmal notoperiert. Als Kind durfte sie nicht umherrennen, nicht herumtoben, keinen Sport treiben – bis sie mit neun Jahren eine neue Leber erhielt.

«Sport ist auch heute noch nicht mein grösstes Hobby.»

Und das, obwohl Fischer sportlich ist. Eine Zeit lang joggte sie drei- bis viermal die Woche zehn Kilometer. Doch als Fischer angefragt wurde, ob sie an den WTG teilnehmen möchte, sagte sie ab: «Ich bin keine Spitzensportlerin.» Erst zwei Tage vor Anmeldeschluss entschied sie sich um. «Es geht schliesslich in erster Linie um den Spass und den Austausch.»

«Wenn ich etwas will, ­schaffe ich es auch»

So reiste Fischer Ende August mit 17 Schweizerinnen und Schweizer an die Games in Newcastle. «Ich fühle mich schon geehrt, einen Championship-Golfplatz zu betreten.» Mit dieser Lockerheit gewann sie eine Bronzemedaille. In der Disziplin Gehen gar eine Silbermedaille.

Anders war die Situation beim 100-Meter-Sprint: Vor dem Start wartete Fischer mit der Konkurrenz im Startraum – gemeinsam mit einer Reihe sichtbar trainierter Frauen: «Als ich die sah, dachte ich: Da hab ich keine Chance.»

Was Fischer beeindruckte, war der Teamgeist, der trotz der Konkurrenzsituation herrschte. Noch im Startraum erhielt sie Tipps. Im Ziel warteten ihre Gegnerinnen auf sie, bis sie als letzte eintraf, klatschten, feuerten sie an und umarmten sie schliesslich. «Das war so schön. Wir waren eine Einheit», sagt Fischer und strahlt. An den Sommerspielen in zwei Jahren möchte sie nun auch teilnehmen. Doch noch ist offen, ob das klappt. In zwei Wochen beginnt Fischer in Basel ein Masterstudium in Pflegewissenschaft. Die Prüfungen finden Anfang Sommer statt. «Aber wenn ich etwas will, schaffe ich es auch.»

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