«Früher war es für die Kunden besser»: Markthändler in St.Gallen vermissen die Parkplätze

Auch die Markthändler spüren die fehlende Parkiermöglichkeit am St.Galler Marktplatz. Allerdings kaum im Portemonnaie.

Roger Berhalter
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Untypisches Bild am Wochenmarkt: Mitten in den Sommerferien haben nur wenige Händler ihren Stand aufgestellt. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Untypisches Bild am Wochenmarkt: Mitten in den Sommerferien haben nur wenige Händler ihren Stand aufgestellt. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Die 38 Parkplätze am Marktplatz und am Blumenmarkt sind weg. Seit Ende März können Autofahrer nicht mehr parkieren, stattdessen steht die Fläche zwischen der Acrevis-Bank und den grünen Häuschen des ständigen Marktes auch für die Wochenmärkte und den Bauernmarkt zur Verfügung. Dass ihre Kunden nicht mehr bis vor ihre Haustür fahren können, spüren die Betreiber der umliegenden Geschäfte und Restaurants. Sie beklagen bis zu 20 Prozent weniger Umsatz.

Für die Markthändler ist die Situation offenbar weniger schlimm. In einer Umfrage will niemand etwas von Umsatzeinbussen wissen. Doch auch die Händler spüren die neue Situation. Einerseits deshalb, weil ihre Stände jetzt anders angeordnet sind. Manche sind mit dieser Zwischenlösung nicht glücklich und befürchten, «herumgeschoben» zu werden. Zum Beispiel dann, wenn sie wegen eines Anlasses ausweichen müssen, der den Marktplatz vorübergehend belegt. Anderseits vermissen manche die Parkplätze.

Für alle App-User: Klicken Sie auf «dieses Element anzeigen», um zur Umfrage zu gelangen.

Von vorbeifahrenden Lastwagen verschont

«Für die Kunden war es vorher sicher besser», sagt Anita Troxler vom gleichnamigen Schlossguet in Untereggen, das seit fast 30 Jahren am Bauernmarkt präsent ist. Die Parkplätze in unmittelbarer Nähe seien viel wert gewesen. Gerade für jene Kunden, die nicht mehr so gut zu Fuss seien. Sie wisse von ein paar, die nun nicht mehr so häufig kämen.

Viele seien auch unsicher, welche Verkehrsregeln nun gälten. Dabei ist das Regime gemäss Stadtpolizei klar: Parkieren ist auf dem Marktplatz verboten, das Befahren zum Güterumschlag aber nach wie vor erlaubt.

Markthändler Rolf Bischofberger (Bild: Reto Voneschen)

Markthändler Rolf Bischofberger (Bild: Reto Voneschen)

Wo früher Autos standen, werden jetzt freitags am Bauernmarkt Zucchetti, Tomatenpesto und Quittensaft verkauft. «Wir stehen nicht mehr an der Anlieferstrasse, das ist ein Vorteil», sagt Rolf Bischofberger vom Sunnehof in Büriswilen. Er stellt seinen Stand seit neustem auf den ehemaligen Parkfeldern auf und bleibt somit von vorbeifahrenden Lastwagen verschont. Dennoch ist Bischofberger nicht glücklich mit der aktuellen Anordnung der Stände. Für die Kunden sei nicht klar ersichtlich, was zum Bauernmarkt und was zum fixen Markt gehöre.

Die fehlenden Parkplätze betrachtet er mit gemischten Gefühlen: «Am schönsten wäre es natürlich ohne Autos.» Anderseits brächten Autofahrer eben auch Leben und Umsatz in die Stadt. Trotz allem zieht er eine positive Bilanz:

«Die Leute kommen, finden uns und sind zufrieden.»

Marktfahrer Rolf Sonderegger kann ebenfalls nicht klagen: «Der Umsatz stimmt.» Einige seiner Kunden würden zwar nicht mehr vorbei schauen, dafür habe er neue gewonnen, seit er sein Gemüse auf dem Ex-Parkplatz verkaufe.

Nicht nur der Bauernmarkt, auch der Wochenmarkt am Mittwoch und Samstag ist dank der frei gewordenen Parkflächen anders organisiert. An diesem Mittwoch mitten in den Sommerferien haben nur drei Händler ihren Stand aufgestellt.

Einer von ihnen ist Erwin Bläsi, der mit dem Olivenölgeschäft «Angeli» seit 20 Jahren am Markt präsent ist. Sein italienisches Dreirad steht dort, wo früher die Parkplätze waren. «Ich war gegen die Aufhebung, aber ich kann nicht sagen, dass ich sie im Umsatz spüre», sagt Bläsi. Er habe zu 80 Prozent Stammkunden, und diese würden sich daran stören, dass die Stadt das Parkieren begrenze. Die Parkgaragen seien ein ungenügender Ersatz.

Bläsi argumentiert grundsätzlich: Der Verkehr gehöre seit jeher zur Stadt als Begegnungs- und Handelsort. «Und jetzt will man ihn aus der Stadt verbannen?» Das geht für Bläsi nicht auf.

Grill und Bierzapfhahn könnten helfen

«Wenn Bauernmarkt ist, ist’s wunderschön», beschreibt Katrin Stedile vom Bio-Beck Lehmann die neue Situation am Marktplatz. Der fixe Stand der Bio-Bäckerei profitiere von den Passanten der Wochenmärkte, die sich nun in nächster Nähe befinden:

«Wir spüren das positiv und konnten uns einen neuen Kundenstamm aufbauen.»

Früher war der Bio-Beck Lehmann nur zweimal pro Woche präsent, seit Anfang Jahr hat er von Dienstag bis Samstag einen fixen Stand. Die fehlenden Parkplätze würden für ihr Geschäft keinen grossen Unterschied machen, sagt Stedile: «Wir spüren das kaum.»

Auch Thomas Lienhard von Papaya Dryfruits hat vom Wochenmarkt zum ständigen Markt gewechselt und verkauft seine Trockenfrüchte jetzt in einem Markthäuschen. Dass die Parkplätze weg sind, findet er gut:

«Ich betrachte das langfristig. Die Mobilität muss sich ändern.»

Lienhard kritisiert aber die Bänkli und Pflanzentöpfe, welche die Stadt aufgestellt hat; als Zwischenlösung, bis der Marktplatz neu gestaltet wird. Lienhard schüttelt den Kopf: «Da braucht’s einen Grill und einen Bierzapfhahn, dann kommen die Leute! Sonst gehen sie in die Badi.»

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