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St.Galler Vogelspital: Katzen, Fenster, Findelkinder

Die Vogelpflegestation im Naturmuseum St.Gallen betreut verletzte und zu früh aus dem Nest gefallene Vögel aus der weiteren Region um die Gallusstadt. 2017 war ein Rekordjahr fürs Vogelspital. Es wurden so viele Tiere wie nie zuvor versorgt.
Reto Voneschen
Ein Waldkauz auf der Waage: Die Gewichtskontrolle gibt Hinweise auf den Gesundheitszustand des Vogels. Die streichelsüchtige Flauschkugel wird sich dank regelmässiger Fütterung und guter Pflege rasch zu einem stolzen Raubvogel entwickeln. (Bild: Voliere-Gesellschaft SG/Christian Müller - 19. Mai 2014)

Ein Waldkauz auf der Waage: Die Gewichtskontrolle gibt Hinweise auf den Gesundheitszustand des Vogels. Die streichelsüchtige Flauschkugel wird sich dank regelmässiger Fütterung und guter Pflege rasch zu einem stolzen Raubvogel entwickeln. (Bild: Voliere-Gesellschaft SG/Christian Müller - 19. Mai 2014)

Im vergangenen Jahr wurden 657 Wildvögel in die Vogelpflegestation St.Gallen aufgenommen und wieder aufgepäppelt. 84 Prozent dieser Patienten konnten danach wieder in die freie Natur entlassen werden. Dazu kamen 2017 als Patienten 20 Hausvögel, zwei Fledermäuse und zwölf Igel. Für die Betreuung all dieser Tiere fielen in der Voliere im Stadtpark, in der Vogelpflegestation im Naturmuseum und in der Greifvogelstation am Pfauengässlein 2500 Arbeitsstunden an.

Eine Aufgabe der Wildvogelpflegestation ist es, verlassene Jungtiere aufzuziehen und wieder auszuwildern. Aus dem kleinen Punk im Bild wird einmal ein stolzes Blesshuhn. (Bild: Christian Müller - 24. April 2016)
In der Wildvogelpflegestation werden zudem verletzte und kranke Tiere gepflegt und dann wieder ausgewildert. Im Bild ein ausgehungerter Turmfalke. (Bild: Christian Müller - 31. Juli 2013)
Durch ein Fenster können Besucherinnen und Besucher des Naturmuseums St.Gallen etwa bei der Vogelfütterung durch Dora Müller in der Wildvogelpflegestation zuschauen. (Bild: Michel Canonica - 10. Mai 2017)
Christian Müller mit einem Kauz in den neuen Räumen der Vogelpflegestation im Naturmuseum (Bild: Michel Canonica - 10. Mai 2017)
Die Räume der Wildvogelpflegestation im Naturmuseum St.Gallen. (Bild: Claudio Heller - 30. Januar 2017)
Die Voliere im St.Galler Stadtpark. Hier werden weiterhin Wasservögel aufgepäppelt. (Bild: Urs Bucher - 7. Oktober 2016)
Ein Falke bei Flugversuchen im Auswilderungsgehege. In dieser Phase sind solche Übungen wichtig, damit die Freilassung dann auch gelingt. (Bild: Christian Müller - 3. Januar 2013)
Fütterung eines Bussards. (Bild: Christian Müller - 31. Juli 2013)
Ein total durchnässter Schwarzmilan. (Bild: Christian Müller - 20. März 2017)
Christian Müller lässt einen gesund gepflegten Schwarzmilan im Gebiet, in dem er gefunden wurde, wieder frei. (Bild: Voliere-Gesellschaft St.Gallen - 3. Juni 2014)
Eine Wasserralle wird in der Vogelpflegestation gefüttert. (Bild: Christian Müller - 27. Februar 2013)
Auswilderung einer nicht wirklich kooperativen Wasserralle. (Bild: Christian Müller - 8. April 2017)
Ein kleines Blesshuhn wird gefüttert. (Bild: Christian Müller - 10. Mai 2016)
Ein kleiner Haubentaucher trainiert statt im Bodensee in einem Plastikbecken der Vogelpflegestation. (Bild: Christian Müller - 17. August 2011)
Eine kleine Blaumeise. Die Aufzucht so kleiner verlassener Nestlinge ist aufwendig und auch nicht immer von Erfolg gekrönt. (Bild: Voliere-Gesellschaft St.Gallen - 9. Mai 2012)
In der freien Natur inzwischen eine Rarität, im Bild ein Pflegefall für die Wildvogelpflegestation St.Gallen: der Kuckuck. (Bild: Christian Müller - 14. August 2013)
Ein kleiner Waldkauz auf der Waage. (Bild: Christian Müller - 19. Mai 2014)
Geschafft: Christian Müller entlässt einen Waldkauz in die Freiheit (Bild: Voliere-Gesellschaft St.Gallen - 22. März 2013)
Eine Waldohreule kurz vor der Auswilderung. (Bild: Voliere-Gesellschaft St.Gallen - 19. Mai 2008)
Ein kleiner Höckerschwan wird artgerecht gefüttert: Das verlassen aufgefundene Jungtier muss sich sein Futter selber aus dem Wasser fischen. (Bild: Voliere-Gesellschaft St.Gallen - 6. Juni 2011)
Waisen trösten sich gegenseitig: Ein Jungschwan und ein Entlein kuscheln sich unter der wärmenden Rotlichtlampe aneinander. (Bild: Christian Müller - 16. Mai 2012)
Ein verlassenes Jungschwan im Garten von Christian und Dora Müller in Wittenbach. (Bild: Christian Müller - 1. August 2011)
Ein aus dem Nest gefallener kleiner Mauersegler. Solche Tiere werden von der Vogelpflegestation in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzverein St.Gallen in der Seglerkolonie im Tröckneturm am Burgweier platziert. Mauersegler-Eltern akzeptieren im Gegensatz zu anderen Vogelarten fremde Mauersegler-Jungtiere. (Bild: Christian Müller - 10. Juni 2014)
Ein Mauersegler wird gefüttert. Der Nestling saugt gierig am Finger, auf dessen Spitze ein Fleischbröcklein liegt. (Bild: Christian Müller - 20. Juni 2017)
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Das St.Galler Vogelspital: Selber fressende Entlein und flauschige Käuze

Freilaufende Katzen bleiben ein Problem

Die Ursachen der Einlieferungen ins Vogelspital machen deutlich, mit welchen Risiken Vögel heute bei uns leben. Am häufigsten waren auch 2017 Verletzungen durch Katzen: 31 Prozent der in die Vogelpflegestation St.Gallen eingelieferten Vögel wiesen solche auf. Darunter waren viele noch nicht flugfähige Jungvögel, die ihr Nest verlassen hatten.

Wenn er das Haus verlässt, verwandelt sich der verschmuste Stubentiger in einen effizienten Jäger. (Leserbild: Robert Scherrer - 7. Februar 2017)

Wenn er das Haus verlässt, verwandelt sich der verschmuste Stubentiger in einen effizienten Jäger. (Leserbild: Robert Scherrer - 7. Februar 2017)

In unseren Siedlungsgebieten gebe es halt immer noch zu viele freilaufende Katzen, kritisierte deshalb Präsident Christian Müller am Mittwochabend an der Hauptversammlung der Voliere-Gesellschaft St.Gallen. Gerade junge Amseln, die gerne in Gärten auf dem Boden hockten und noch von ihren Eltern gefüttert würden, hätten wegen der jagenden Stubentiger kaum eine Überlebenschance. Das Thema sei für viele Katzenhalter und Vogelschützer sehr emotional besetzt, hielt Müller fest.

Mit 24 Prozent der Fälle auf dem zweiten Platz der Verletzungsursachen bei Pfleglingen des Vogelspitals lagen 2017 Kollisionen mit Fenstern, verglasten Flächen und – vor allem bei Greifvögeln – mit Fahrzeugen. Hier dürfte die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle hoch sein: Viele Vögel sterben bei Kollisionen, werden damit also nicht mehr in der Pflegestation abgeliefert und von deren Statistik erfasst.

Verletzungen durch illegale Schüsse

Mit 19 Prozent der Fälle auf dem dritten Platz lagen im vergangenen Jahr Jungtiere, die zu früh aus dem Nest gefallen waren oder die ihre Eltern verloren hatten. Weitere Ursachen für Einlieferungen waren Vergiftungen durch Spritzmittel, Mäusegift oder Gülle (elf Prozent) und Nahrungsmangel (acht Prozent). Sieben Prozent der Tiere wurden in der Rubrik «Andere Ursachen» registriert. Darunter waren auch immer noch Tiere, auf die illegal geschossen worden war.

Der Aufwand, um verletzte Vögel «durchzubringen», sei oft sehr hoch, sagte Präsident Christian Müller an der Hauptversammlung der Voliere-Gesellschaft. Er erledigt zusammen mit seiner Ehefrau Dora sowie fünf ehrenamtlichen Pflegerinnen und Pflegern einen Grossteil der praktischen Arbeiten in Voliere, Greifvogelstation und Wildvogelpflegestation.

Selber fressende Entlein, streichelsüchtige Käuze

Viel Aufwand fällt dort auch durch «Findelkinder» an. Wenigstens bei der Fütterung keine Probleme machen etwa junge Enten: Als Nestflüchter fressen sie von klein auf selber. Bei ihnen ist die Menge zeitweise ein Prob­lem: Derzeit werden in der Voliere rund 70 Entenküken betreut.

Ein kleines Blesshühn paddelt in der Spüle der Voliere. (Bild: Voliere-Gesellschaft SG/ Christian Müller - 15. Juli 2012)

Ein kleines Blesshühn paddelt in der Spüle der Voliere. (Bild: Voliere-Gesellschaft SG/ Christian Müller - 15. Juli 2012)

Speziell aufwendig sind Küken jener Vogelarten, die alle dreissig bis sechzig Minuten von Hand gefüttert werden müssen. Ebenfalls aufwendig könnten junge Käuze sein, die von Streicheleinheiten ihrer Betreuerinnen und Betreuter fast nie genug kriegten, schmunzelte Christian Müller bei der Präsentation der Vogelpflege-Statistik.

Grünfüssige Teichhühner und angefrorene Schwäne

Unter den Patienten des St.Galler Vogelspitals waren im vergangenen Jahren auch Arten, die Laien selten bis nie zu Gesicht bekommen. Dazu gehörten etwa die Bekassine, der Eisvogel, das Grünfüssige Teichhuhn oder das Sommer- und das Wintergoldhähnchen.

Ein Rotmilan kurz vor der Auswilderung. (Bild: Voliere-Gesellschaft SG/Christian Müller - 2. Juni 2008)

Ein Rotmilan kurz vor der Auswilderung. (Bild: Voliere-Gesellschaft SG/Christian Müller - 2. Juni 2008)

Auffällig ist in der Pflegestatistik 2017 die grosse Zahl Greifvögel: 18 Mäusebussarde und 16 Turmfalken wurden eingeliefert; von diesen 34 Tieren konnten 28 wieder in die freie Wildbahn entlassen werden. 21 davon brauchten alleine im eisigen Januar 2017 Unterstützung: Sie fanden unter Eis und Schnee kein Futter mehr und waren am Verhungern.

Ganz andere Wetterprobleme hatten ganz andere Vögel Anfang dieses Jahres: An verschiedenen Orten im grossen Einzugsgebiet der Vogelpflegestation St.Gallen mussten Schwäne, die auf Wasserflächen angefroren waren, teils in aufwendigen Aktionen durch Feuerwehr oder Polizei gerettet und dann aufgepäppelt werden.

Voliere wird bis 2023 saniert

Die Stadt St.Gallen plant definitiv, die Voliere im Stadtpark in den Jahren 2021/22 zu sanieren. Abgeschlossen sein sollen die Arbeiten 2023. Planung und politischer Entscheidungsprozess sind für 2020 vorgesehen. Der detaillierte Zeitplan wurde an der Hauptversammlung der Voliere-Gesellschaft vom Mittwochabend bekannt. Das Projekt wird gemäss Jahresbericht von Voliere-Präsident Christian Müller die Aussenanlage für Enten und Gänse, ein unterirdisches Lager mit Personal-WC sowie die Renovation des Voliere-Gebäudes umfassen. Als städtische Vorbedingung für dieses Projekt hat die Voliere-Gesellschaft inzwischen ihren Tierbestand in Zusammenarbeit mit einem Fachmann angepasst.

Die Voliere im Stadtpark existiert seit 1879. Die erste, auf unzähligen Ansichtskarten abgebildete Anlage wurde 1938 durch einen Flachdachbau des damaligen Stadtbaumeisters Paul Trüdinger ersetzt. Diese Anlage wurde letztmals 1991 saniert. Wer sich selber ein Bild vom aktuellen Zustand des Vogelparks machen will, kann dies heute Freitag, 17 Uhr, auf einer Führung mit anschliessendem Apéro tun. (vre)

www.voliere-sg.ch

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