St.Galler Vermieter sperren Mieter in Schuppen ein – und werden trotzdem vom Kreisgericht freigesprochen

Ein Mieterehepaar warf seinen Vermietern vor, sie in einem Schuppen eingesperrt zu haben. Das Kreisgericht glaubt den Angeklagten, die versicherten, es habe sich um ein Versehen gehandelt.

Claudia Schmid
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Das Kreisgericht hat das Vermieterehepaar freigesprochen.

Das Kreisgericht hat das Vermieterehepaar freigesprochen.

Bild: Hanspeter Schiess

Ein Streit zwischen zwei benachbarten Ehepaaren ist vor Gericht geendet. Das eine Ehepaar hatte dem anderen einen Schuppen vermietet. Das ging offenbar jahrelang gut, bis es wegen des Mietverhältnisses zu Unstimmigkeiten kam. Das Mieterehepaar warf schliesslich dem Vermieterpaar vor, von diesem willentlich im Schuppen eingeschlossen worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft klagte das Vermieterpaar – eine 77-jährige Frau und einen 88-jährigen Mann – wegen mehrfacher Freiheitsberaubung oder mehrfacher versuchter Nötigung an.

Sie beantragte dem Kreisgericht St. Gallen, den Mann mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 60 Franken und einer Busse von 960 Franken zu bestrafen, die Frau mit 10 Tagessätzen à 100 Franken und einer Busse von 200 Franken.

Vermieter liess sich viel Zeit beim Aufschliessen

Dem Beschuldigten warf die Anklage vor, er habe an einem späten Nachmittag den Schuppen abgeschlossen, obwohl er gewusst habe, dass sich darin das benachbarte Ehepaar befand.

Weitere Ausgänge seien verschlossen oder schwer erreichbar gewesen, weshalb die Eingeschlossenen den Schuppen nicht hätten verlassen können. Eine Frau, welche den Vorfall mitverfolgt hatte, klingelte beim Vermieterpaar. Dieses habe sich viel Zeit gelassen, bis es den Schuppen wieder aufgeschlossen habe, heisst es in der Anklageschrift. Zwei Tage später beschloss die Frau des Mieters nochmals in den offenstehenden Schuppen zu gehen, um Gartengeräte zu holen. Dabei kam es zu einem verbalen Streit.

Da die Frau auf Aufforderung den Schuppen nicht verliess, wurde sie erneut für zehn Minuten eingesperrt. Sie könnten all diese Vorwürfe nicht verstehen, erklärten die beiden Beschuldigten an der Gerichtsverhandlung.

Das Verhältnis war einst gut

Lange Zeit hätten sie ein gutnachbarschaftliches Verhältnis gepflegt. Bei Abwesenheit habe man sich gegenseitig den Garten gepflegt. Dann aber sei plötzlich der Mietzins ausgeblieben und das Gelände rund um den Schuppen völlig verwahrlost gewesen.

Es sei nichts anderes übrig geblieben, als das Mietverhältnis zu kündigen. Man habe das Gericht und die Gemeinde einschalten müssen, um die Räumung zu organisieren. Beim ersten Vorfall habe er nicht gewusst, dass sich das Ehepaar in dem Schuppen befand, als er das Tor abgeschlossen habe, beteuerte der Mann. Beim zweiten Vorfall hätten er und seine Frau die Nachbarin darauf aufmerksam gemacht, dass sie nichts mehr im Schuppen verloren habe und sie aufgefordert zu gehen, was sie aber verweigert habe.

Es entspreche weiter nicht der Tatsache, dass man das Gebäude von innen nicht verlassen könne. Es gebe Fenster und weitere Türen, die sich von der Innenseite öffnen liessen.

Gericht fällt einen Freispruch

Der Einzelrichter am Kreisgericht St.Gallen sprach das Ehepaar von den Vorwürfen frei. Es sei erwiesen, dass das Mieterpaar beim ersten Vorfall im Schuppen eingeschlossen gewesen sei. Das Gericht gehe jedoch davon aus, dass der Beschuldigte tatsächlich nichts von der Anwesenheit der beiden gewusst habe und damit kein böser Wille im Spiel gewesen sei, als er das Tor verriegelt habe.

Zudem könne man den Schuppen über andere Ausgänge verlassen. Beim zweiten Vorfall sei zu berücksichtigen, dass sich die Frau nicht mehr im Schuppen habe aufhalten dürfen. Ausserdem habe ihr der Beschuldigte gesagt, sie solle herauskommen, da er jetzt die Türe abschliesse. Der Tatbestand der Freiheitsberaubung oder versuchten Nötigung sei damit nicht gegeben. Da ein Freispruch erfolgte, zahlt der Staat die Verfahrenskosten von rund 1400 Franken.