St.Galler Stimmberechtigte entscheiden über Kredit von 47,8 Millionen Franken: Neues Schulhaus im Riethüsli vor letzter Hürde

Ende November muss das Projekt fürs neue Schulhaus Riethüsli die letzte politische Hürde, die Volksabstimmung, nehmen. Organisierte Opposition gegen die Vorlage ist - trotz des hohen damit verbundenen Preises nicht in Sicht. Ein Ja scheint eine Formsache zu sein.

Reto Voneschen
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Die heutige Schulanlage im Riethüsli ist auf sechs Gebäude verteilt, die zwischen 1966 und 1981 in Betrieb genommen wurden.

Die heutige Schulanlage im Riethüsli ist auf sechs Gebäude verteilt, die zwischen 1966 und 1981 in Betrieb genommen wurden.

Bild: Ralph Ribi
(7.3.2020)

Die Erneuerung des Primarschulhauses Riethüsli ist überfällig und hat eine lange Geschichte zurück bis 2007. Die Stadt will diese jetzt bis Herbst 2025 zu einem glücklichen Ende bringen. Ob das gelingt, zeigt sich am kommenden 29. November. Dann nämlich entscheidet das städtische Stimmvolk über den Kredit von 47,8 Millionen Franken, der nötig ist, um im Riethüsli ein neues Schulhaus zu bauen.

Gestern Donnerstag haben Stadträtin Maria Pappa und Stadtrat Markus Bu­schor an einer Medienkonferenz im St.Galler Rathaus erläutert, wieso es das Projekt trotz der hohen Kosten «unbedingt» braucht. Die alte Schulanlage sei baulich marode. Sie entspreche von ihren Strukturen her nicht mehr den Anforderungen des heutigen Schulunterrichts. Und sie sei angesichts des Generationenwechsels wie auch der Wohnbautätigkeit im Quartier in absehbarer Zeit zu klein.

Baulich marode, strukturell veraltet und auch noch zu klein

Die Gebäude der heutigen Schulanlage im Riethüsli.

Die Gebäude der heutigen Schulanlage im Riethüsli.

Illustration: Stadt SG

Die heutige Schulanlage im Riethüsli besteht aus sechs Gebäuden, die von 1966 bis 1981 in Betrieb genommen wurden. Das Schulhaus «Nest 1» mit der Einfach-Turnhalle sowie Kindergarten und Abwartwohnung wurde 1966 eingeweiht. 1974 folgte das Schulhaus «Nest 2». 1981 wurde die Anlage um eine zweite Turnhalle des bekannten Architekten Ernest Brantschen ergänzt. Schon 1972 war ein Holzpavillon als zweiter Kindergarten gebaut und zuletzt vom Hort genutzt worden.

Die neue Schulanlage im Riethüsli mit einem zentralen Schulgebäude. Darunter liegt die dreiteilige Doppel-Turnhalle.

Die neue Schulanlage im Riethüsli mit einem zentralen Schulgebäude. Darunter liegt die dreiteilige Doppel-Turnhalle.

Illustration: Stadt SG

Ursprünglich war eigentlich die Sanierung der Schulanlage im Riethüsli geplant. Ihren planerischen Vorlauf hatte der Stadtrat 2007 in die Wege geleitet. Schliesslich zeigte eine Machbarkeitsstudie aber, dass ohne markante Mehrkosten gegenüber einer Sanierung auch ein Ersatzneubau erstellt werden kann. Dieser bietet im Urteil der Fachleute gegenüber der sanierten Altanlage wesentliche Betriebsvorteile.

Denkpause aus Rücksicht auf die Stadtkasse

2010 wurde ein offener Projektwettbewerb für den Neubau der Primarschule Riethüsli ausgeschrieben. Im Juni 2012 kürte eine Jury aus 71 Projekten den Wettbewerbsbeitrag «Punkt» der Architekten Ebinger und Kuwatsch aus Zürich zum Sieger. 2013 wurde das Projekt gemäss den Empfehlungen der Jury überarbeitet - und dann aus Rücksicht auf die Stadtkasse schubladisiert. Im Zuge des Sparprogramms «Fit13plus» wurde diese Investition um fünf Jahre verschoben.

Die heutige Schulanlage Riethüsli von der Teufener Strasse her. Genau wie beim geplanten Neubau prägt hier die Turnhalle die Szenerie.

Die heutige Schulanlage Riethüsli von der Teufener Strasse her. Genau wie beim geplanten Neubau prägt hier die Turnhalle die Szenerie.

Bild: Ralph Ribi
(7.3.2020)

Diese «Denkpause» wurde von vielen im Quartier nicht goutiert und harsch kritisiert. 2018 wurden die Arbeiten am Projekt aber wie versprochen wieder aufgenommen. Es wurde an neue Anforderungen insbesondere bei der Tagesbetreuung angepasst und zum heute vorliegenden Neubauprojekt weiterentwickelt. Am 28. April dieses Jahres hiess das Stadtparlament die Vorlage dafür gut. Am 29. November haben nun die städtischen Stimmberechtigten das letzte Wort.

Aus sechs mach' eins

Mit dem Neubau werden die heute sechs Gebäude im Riethüsli in einem Schulhaus zusammengefasst, das der prognostizierten Zunahme der Zahl der Schulkinder in den kommenden Jahren Rechnung trägt. Der Neubau bietet Platz für zwölf Klassen und eine Tagesbetreuung für bis zu 111 Kinder. Er werde im Betrieb effizient und flexibel sein, aber auch Raum für neue pädagogische Methoden bieten, hielt Schuldirektor Bu­schor vor den Medien fest.

So soll sich ab Herbst 2025 der Neubau der Schulanlage Riethüsli von der Teufener Strasse her präsentieren. Geplant ist hier auch ein Lift, der die Strasse mit dem Gebhardtweg verbindet.

So soll sich ab Herbst 2025 der Neubau der Schulanlage Riethüsli von der Teufener Strasse her präsentieren. Geplant ist hier auch ein Lift, der die Strasse mit dem Gebhardtweg verbindet.

Illustration: Stadt SG

Das Projekt fürs neue Schulhaus Riethüsli sieht einen kompakten Neubau vor. Der Entwurf überzeugte seinerzeit nicht zuletzt dadurch, wie er mit dem Gefälle des Baugeländes spielt: Vom Niveau der Teufener Strasse bis zum Gerhardtweg sind rund zehn Höhenmeter zu überwinden. Der Neubau überwindet diesen Unterschied, indem er die Nutzungen in Schichten gliedert.

Doppel-Turnhalle mit dreigeschossigem Schulhaus

Die Stadtsanktgaller Baudirektorin Maria Pappa.

Die Stadtsanktgaller Baudirektorin Maria Pappa.

Bild: Gian Ehrenzeller/KEY

Auf Höhe der Teufener Strasse liegt die neue Doppel-Turnhalle, die in drei Räume aufgeteilt werden kann. Darüber steht auf dem Niveau des Gerhardtwegs das eigentliche, dreigeschossige Schulhaus. Es bietet im Erdgeschoss Platz für die Tagesbetreuung. Darüber liegen die Räume für Spezialunterricht etwa in Werken und Handarbeit. Und wiederum darüber liegen die Klassenzimmer für den Normalunterricht.

Der Stadtsanktgaller Schuldirektor Markus Buschor.

Der Stadtsanktgaller Schuldirektor Markus Buschor.

Bild: Gian Ehrenzeller/KEY

Sagt das städtische Stimmvolk am 29. November Ja zum Neubau, können die Bauarbeiten im Idealfall Ende 2022 starten. Damit wäre der Neubau im Herbst 2025 bezugsbereit, während die Umgebungsarbeiten Mitte 2026 abgeschlossen werden könnten. Spezielles Provisorium ist für die Bauphase keines nötig: Eines der alten Schulgebäude wird dafür hergerichtet. Es werde von den räumlichen Verhältnissen her in etwa einem der üblichen Bauprovisorien entsprechen. Das sei zu verantworten, sagten Maria Pappa und Markus Buschor am Donnerstag.

Grossmehrheitlich Zustimmung, nur leise Kritik an den Kosten

Die Chancen stehen gut, dass der Fahrplan der Stadt eingehalten werden kann; mindestens hat sich bisher keine organisierte Opposition zu dieser Vorlage öffentlich zu Wort gemeldet. Einzelstimmen, die die hohen Kosten der Vorlage kritisieren, gibt's zwar, mehrheitlich und gerade auch im betroffenen Quartier wird aber begrüsst, dass es mit dem Schulhaus Riethüsli «endlich» vorwärts geht.