St.Galler Stadtverwaltung von der Aussenwelt abgeschnitten: Am Montag funktionierten weder E-Mail noch Telefone 

Die Stadt St.Gallen war am Montag weder per Telefon noch per E-Mail erreichbar. Der Grund: eine IT-Panne.

Marlen Hämmerli
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Eine Frau am Computer: Die Stadtverwaltung war am Montag nicht erreichbar. Wer etwas wollte, musste persönlich vorbei.

Eine Frau am Computer: Die Stadtverwaltung war am Montag nicht erreichbar. Wer etwas wollte, musste persönlich vorbei.

Bild: Stefan Kaiser 

Während der Arbeitszeit mit dem Handy telefonieren und niemand sagt etwas: Das erlebten am Montag die städtischen Angestellten, denn bei der Stadtverwaltung funktionierten praktisch den ganzen Tag über die Telefone und E-Mail-Konten nicht. Zudem war es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern teilweise nicht möglich, auf ihre Dateien zuzugreifen. Christian Niederer, stellvertretender Leiter der Informatikdienste St.Gallen, sagt:

«Wir hatten seit über zehn Jahren keine annähernd so starke Störung.»

Grund für den Ausfall war der Softwarefehler eines Herstellers. Auch die Stadtpolizei und die Berufsfeuerwehr waren betroffen. Die Notrufnummern waren aber trotzdem erreichbar. Als der Fehler auftrat, seien diese sofort umgeleitet worden, sagt Christian Niederer.

Die Software wurde zu stark beansprucht

Der Softwarefehler ist um 9.11 Uhr aufgetreten. Auslöser waren laut Niederer «grössere Auslastungen der ICT-Systeme, also der Informatik-Systeme». Die Software wurde also besonders stark beansprucht. Der externe Fehler habe eine zentrale ICT-Basisinfrastruktur beeinträchtigt, sagt Niederer.

Bei der Stadt sind zwar alle wesentlichen Dienste «redundant» vorhanden. Die Systeme sind also mehrfach an verschiedenen Orten vorhanden. Sollte ein System ausfallen, kann sein «Zwilling» einspringen. Weil aber eine zentrale Komponente vom Softwarefehler des Herstellers betroffen war, fielen die Telefon- und E-Mail-Dienste trotz dieser Absicherung aus.

Die Informatikdienste nahmen laut Niederer sofort Kontakt mit dem Hersteller der betroffenen Software auf. Dieser habe das betroffene System analysiert. Dem Hersteller sei der Fehler bekannt gewesen, da dieser jüngst bei einem anderen Unternehmen aufgetreten ist. Deshalb stand laut Niederer relativ rasch fest, wo die Ursache lag und wie die Informatikdienste dieses beheben konnten.

Damit waren die städtischen Informatikerinnen und Informatiker den ganzen Nachmittag beschäftigt. Im Laufe des Abends standen alle ICT­Services wieder vollumfänglich zur Verfügung.

Informatikdienste proben regelmässig den Notfall

Grundsätzlich seien die Informatikdienste für solche Zwischenfälle gerüstet, sagt Niederer. Dies seien nun einmal «ungeplante Beeinträchtigungen», wie sie überall auftreten. In solchen Fällen analysieren die internen ICT-Fachspezialisten mit den Herstellern, was Auslöser für die Beeinträchtigung war und wie sie zu beheben ist.

Ausserdem führen die Informatikdienste – wie die Feuerwehr – regelmässig Notfallübungen durch. So haben sie schon ein Blackout-Szenario geübt und einen Virenbefall inszeniert. «Wir prüfen damit stetig unsere Prozesse und Kommunikationswege. Es gibt jedes Mal Erkenntnisse, die wir verbessern können», sagt Niederer. «Der Ernstfall ist eben immer eine Stufe extremer.»