St.Galler Stadtratswahlen: So schlugen sich Pappa, Gabathuler und Cozzio am «Tagblatt»-Podium

Vor coronabedingt wenig Publikum kreuzten Maria Pappa (SP), Mathias Gabathuler (FDP) und Trudy Cozzio (CVP) am Montagabend im Hotel Einstein am «Tagblatt»-Podium die Klingen. Die Kandidaten für Stadtrat und Stadtpräsidium lieferten sich eine engagierte Diskussion mit einigen Nadelstichen.

Luca Ghiselli
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Das Podium im Hotel Einstein: Moderator Daniel Wirth, Maria Pappa (SP), Trudy Cozzio (CVP), Mathias Gabathuler (FDP) und Moderator Reto Voneschen. Die Diskussion wurde auf Tagblatt Online im Livestream übertragen.

Das Podium im Hotel Einstein: Moderator Daniel Wirth, Maria Pappa (SP), Trudy Cozzio (CVP), Mathias Gabathuler (FDP) und Moderator Reto Voneschen. Die Diskussion wurde auf Tagblatt Online im Livestream übertragen.

Bild: Arthur Gamsa (2. November 2020)

Dieser Wahlherbst ist anders. Das zeigte sich am Montagabend im Hotel Einstein am «Tagblatt»-Podium einerseits daran, dass maximal 50 Zuschauer zugelassen waren ‒ und die, die gekommen waren, Masken trugen. Es zeigt sich aber auch daran, dass dieses Aufeinandertreffen von Maria Pappa (SP), Mathias Gabathuler (FDP) und Trudy Cozzio (CVP) wohl das Einzige in diesem Wahlkampf bleiben wird.

Die Ausgangslage vor dem zweiten Wahlgang am 29. November könnte spannender kaum sein. Maria Pappa und Mathias Gabathuler machen sich gegenseitig das Stadtpräsidium streitig. Damit dieses aber in den Händen des Freisinns bleibt, muss Gabathuler nicht nur Pappa hinter sich lassen, sondern auch Trudy Cozzio schlagen und so in den Stadtrat einziehen.

Streitereien im bürgerlichen Lager hallen nach

Unter der Gesprächsleitung von Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion, und Stadtredaktor Reto Voneschen, lieferten sich die beiden Kandidatinnen und der Kandidat einen lebhaften Schlagabtausch. Gleich zu Beginn sprach das Moderatoren-Duo das parteipolitische Hickhack auf bürgerlicher Seite an: Die FDP reagierte Anfang Oktober pikiert, als die CVP das bürgerliche Bündnis mit der erneuten Kandidatur Trudy Cozzios sprengte. Dass die Wunden auch einen Monat später noch nicht verheilt sind, wurde schnell klar. Gabathuler sagte:

«Ich möchte mich nicht dazu äussern. Aber: Die CVP muss das mit ihrem eigenen Gewissen vereinbaren.»

Cozzio entgegnete, man habe im Vorfeld des ersten Wahlgangs vereinbart, sich auf bürgerlicher Seite gegen eine linksgrüne Kandidatur gegenseitig zu unterstützen. «Diese Kandidatur ist nicht erfolgt, und entsprechend haben wir entschieden, nochmals anzutreten.» Eine stille Wahl habe man nicht gewollt. Cozzio zeigte sich zuversichtlich, dass das Zerwürfnis nach dem Wahlkampf gekittet werden könne. «Dann arbeiten wir wieder zusammen.» Gabathuler relativierte: «So einfach wie die CVP sich das vorstellt, ist das nicht.»

Maria Pappa, die lachende Dritte im Bund, winkte auf die Frage, ob sie das Wahlfest vor dem Hintergrund dieser Querelen schon vorbereitet habe, ab: «Es ist noch nichts entschieden. Aber ich glaube, alle drei Kandidaten würden im Fall ihrer Wahl ein Fest feiern.»

Sparen ja, aber wie?

Sobald die Parteipolitik aus dem Weg geräumt war, stritten sich Pappa, Gabathuler und Cozzio in der Sache. Zum Beispiel bei den Finanzen. Zwar waren sich alle drei einig, dass man in der angespannten aktuellen Lage sparen müsse. Nur bei der Frage nach dem Wie wurden sie sich ‒ erwartungsgemäss ‒ nicht einig. Cozzio sieht Potenzial bei der Wohnsitzzulage für städtische Angestellte, bei Bauprojekten, «die man nicht vergolden sollte», und beim Personal. So sagte sie zum Beispiel, man solle prüfen, ob man freiwerdende Stellen statt wie bis anhin während sechs Monaten nicht für ein ganzes Jahr unbesetzt lassen könnte.

Mathias Gabathuler sagte, man müsse bei Grossprojekten wie der geplanten Sanierung und Erweiterung des Hallenbads Blumenwies genau hinschauen. «Es braucht den Sport, aber braucht es auch diese nicht-kostendeckende Luxuslösung?», fragte er rhetorisch. Nicht sparen sollte die Stadt hingegen bei Grossprojekten mit wertschöpfender Wirkung wie der Arealentwicklung in St.Fiden oder beim Unterhalt städtischer Liegenschaften. «Das gibt sonst einen Stau.»

Maria Pappa gab zu bedenken, man habe im Sommer bemerkt, dass massive Ausfälle drohten. «So schnell kann man aber nicht sparen.» Sonst hätten Entlassungen gedroht. Deshalb geht der Stadtrat bald noch einmal über die Bücher und präsentiert nach den Sofortmassnahmen dieses Sommers unter dem Titel «Fokus 25» ein umfassendes Sparpaket.

Gabathuler kritisiert städtische Wohnraumstrategie

Auch an der kürzlich veröffentlichten Wohnraumstrategie der Stadt schieden sich die Geister der Kandidierenden. Gabathuler griff das Papier frontal an, wie es vergangene Woche bereits der Hauseigentümerverband tat. «Es ist eine Regulierungsidee, die zu einem Gestrüpp von Beratungsbeamten führt.» Stattdessen solle die Stadt Anreize für Investoren schaffen, wie es etwa die Stadt Basel mache. «Sie schreibt vor, dass ein Drittel gemeinnütziger Wohnungsbau sein muss, und damit hat es sich.» Pappa wehrte sich gegen die Kritik und sagte, die Kritik der Hauseigentümer fusse auf der Angst, dass es für sie weniger vom Immobilienkuchen gebe. «Wir sind aber weit weg von den kommunistischen Zuständen, die uns unterstellt wurden.» Trudy Cozzio bekräftigte, sie unterstütze die Strategie der Stadt. «Sie muss aktiver werden.»

Dammanns Äusserungen und Führungsstärke in Coronazeiten

Auch die Coronakrise gab zu reden. So thematisierten die Moderatoren die jüngsten Äusserungen des St.Galler Gesundheitsdirektors Bruno Damann, die zu empörten Reaktionen geführt hatten und am Wochenende in Rücktrittsforderungen gipfelten. Trudy Cozzio sagte, sie sei von Damanns Äusserungen überrascht gewesen. «Er hat seine Aussagen inzwischen aber relativiert.» Jedes Leben sei schützenswert.

Auch Maria Pappa sagte, der Schutz der Bevölkerung stehe derzeit im Zentrum. Aber: «Man darf die Verhältnismässigkeit nicht aus den Augen verlieren.» Und Mathias Gabathuler wiederholte seine Kritik aus dem ersten Wahlgang, dass der St.Galler Stadtrat in der Krise zu wenig proaktiv kommuniziere. Es braucht ein Zeichen der Regierung, damit die Stadtbevölkerung wahrnimmt: «Die sind da.» Pappa fragte daraufhin, was sich Gabathuler denn konkret wünsche, worauf der FDP-Kandidat lediglich sagte: «Das habe ich gerade formuliert.»

Gabathuler angriffig, Pappa souverän, Cozzio vage

Dieser Schlagabtausch war emblematisch für die Duelle, die sich auf der Bühne im «Einstein» abspielten. Gabathuler zeigte sich in Angriffslaune, suchte die Auseinandersetzung aber eher mit Maria Pappa als mit Trudy Cozzio, obwohl ihre Kandidatur genug Angriffsfläche geboten hätte. Pappa konterte die Nadelstiche Gabathulers gekonnt. Sie trat souverän, ruhig und dossiersicher auf. Trudy Cozzio vermochte zwar einige Akzente zu setzen. In vielen Fragen blieb sie hingegen vage, griff oft auf Formulierungen wie «Muss man im Auge behalten» oder «Muss man anschauen» zurück.