St.Galler Stadtrat verzichtet vorläufig auf den Veloweg an der Ruckhalde: Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen

Der St.Galler Stadtrat will die Veloinfrastruktur mit sogenannten «Leuchtturmprojekten» verbessern. Am Freitag wurde über den Stand der Arbeiten informiert. Dabei gab's für Velofahrerinnen und Velofahrer gute und schlechte Neuigkeiten.

Reto Voneschen
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Auf das alte Trassee der Appenzeller Bahnen an der Ruckhalde wollte der Stadtrat eigentlich einen provisorischen Veloweg bauen. Auf diese Verbindung zwischen Oberstrasse und Riethüsli wird vorläufig verzichtet: Die Kosten dafür sind zu hoch, als dass man es für ein Provisorium ausgeben wollte. Der Veloweg bleibt für die Planung der Überbauung des Hanges aber ein Thema.

Auf das alte Trassee der Appenzeller Bahnen an der Ruckhalde wollte der Stadtrat eigentlich einen provisorischen Veloweg bauen. Auf diese Verbindung zwischen Oberstrasse und Riethüsli wird vorläufig verzichtet: Die Kosten dafür sind zu hoch, als dass man es für ein Provisorium ausgeben wollte. Der Veloweg bleibt für die Planung der Überbauung des Hanges aber ein Thema.

Bild: Benjamin Manser

Gute und schlechte Nachrichten hat es am Freitag an einer Orientierung der Baudirektion für Velofahrer gegeben: Die gute ist, dass St.Gallen weiterhin grössere Projekte zur Verbesserung der Veloinfrastruktur vorantreibt. Die schlechte ist, dass der Stadtrat auf den provisorischen Veloweg an der Ruckhalde verzichten will.

2020/2021 verwirklicht werden soll hingegen ein zweites spruchreifes Projekt: Die Vorlage für die Passerelle Oberstockenweg westlich des Bahnhofs Bruggen ist dem Stadtparlament am Donnerstag zugegangen. Auch sie ist mit guten und weniger guten Neugikeiten gekoppelt.

Grundsätze sind im Richtplan verankert

Doch der Reihe nach: Die Grundideen der städtischen Velopolitik sind im Richtplan verankert. Dort ist etwa ersichtlich, wie das Velowegnetz – mit einer durchgehenden Schnellroute in der Längsachse des städtischen Hochtals – aussehen soll. Eine Leitplanke steuert das Mobilitätskonzept 2040 bei: Der Anteil des Velos an den gesamthaft zurückgelegten Strecken soll von gut drei auf über sechs Prozent verdoppelt werden.

Die Veloinfrastruktur wird in der Stadt St.Gallen weiter gefördert.

Die Veloinfrastruktur wird in der Stadt St.Gallen weiter gefördert.

Bild: Yoshiko Kusano/KEY

Rückenwind erhält die städtische Velopolitik nicht zuletzt durchs Aggloprogramm des Bundes und dessen finanzielle Beiträge, wie Stadträtin Maria Pappa am Freitag vor den Medien ausführte. Die Stadt hat in der Vergangenheit entsprechend fleissig Projekte für die Programme eingereicht.

In den vergangenen Jahren wurden auf St.Galler Stadtgebiet über zwei Dutzend kleine bis mittelgrosse Projekte zu Gunsten des Velosverkehrs verwirklicht. Dazu zählen gemäss Stadtingenieur Beat Rietmann die Querung der Geltenwilenstrasse bei der Leonhardsbrücke oder die Velostationen am Hauptbahnhof. Weitere Schlüsselprojekte sind in Vorbereitung.

Verhältnis von Kosten und Nutzen stimmt für Stadtrat nicht

Fertig geplant ist der provisorische Veloweg auf dem alten Trassee der Appenzeller Bahnen an der Ruckhalde. Der Stadtrat will das Vorhaben vorläufig aber nicht verwirklichen. Das Provisorium würde einschliesslich Landerwerb gut drei Millionen Franken kosten. Das ist für den Stadtrat zu viel für ein Provisorium, das bei der Überbauung des Hangs in wenigen Jahren allenfalls wieder verlegt werden müsste.

Spruchreif ist ein zweites Schlüsselprojekt für die städtische Veloinfrastruktur: der Ersatz der Passerelle Oberstockenweg über die SBB-Linie beim Bahnhof Bruggen. Die Fussgängerpasserelle muss ersetzt werden. Dabei wird sie velotauglich gemacht. Der Neu- und Ausbau wird über vier Millionen kosten. Davon übernehmen Bund und Kanton den Löwenanteil; die Stadtkasse wird durch eine knappe Million belastet. Das sind gute News.

Ein Wermutstropen ist die relativ lange Bauzeit

Auf weniger Gegenliebe könnte in Bruggen der Fahrplan der Bauarbeiten stossen: Die heutige Passerelle ist in schlechtem Zustand. Sie soll Ende April 2020 demontiert werden. Baubeginn an der neuen Passerelle ist aber erst im September 2020. Die Fertigstellung ist für Juni 2021 geplant. Womit der direkteste Weg vom Hinterberg über die SBB-Gleise relativ lange unterbrochen sein wird.

St.Galler Zukunftsprojekte fürs Velo

Wo die Vorhaben stehen

(vre) Verschiedene Vorhaben zur Verbesserung der Veloinfrastruktur sind in Vorbereitung. Andere Projekte sind angedacht. Hier eine Übersicht mit den wichtigsten dieser Massnahmen.

  • Das Pilotprojekt der Velostrasse ist abgeschlossen. Die Resultate mit dem Versuch auf der Lindenstrasse – und damit der Ball – liegen jetzt beim Bund, der rechtliche Voraussetzungen für Velostrassen schaffen will. Die Lindenstrasse bleibt vorerst als Velobahn markiert. Ob dereinst in der Stadt St.Gallen weitere Quartier- in Velostrassen umgewandelt werden, ist völlig offen.
  • Die Vorlage für Neu- und Ausbau der Passerelle Oberstockenweg in Bruggen liegt beim Stadtparlament. Siehe Haupttext.
  • Die Projektierung der Verbreiterung der Brücke St.Leonhard mit einer Velopas­serelle ist angelaufen. Bis dieses Projekt spruchreif ist, dürften nochmals zwei bis drei Jahre vergehen.
  • Der Fussgängersteg entlang der SBB-Sitterbrücke soll für Ve­lofahrer von zwei auf vier Meter verbreitert werden. Für die Montage des neuen Stegs braucht’s Eingriffe in die Eisenbahnbrücke. Dafür ist ein eisenbahnrechtliches Plangenehmigungsverfahren nötig. Es ist eingeleitet.
  • Ein Tunnel für den Langsamverkehr von der Reithalle zur Lokremise ist ein altes Anliegen. Die Stadt prüft seit Jahren verschiedene Aspekte dieses Vorhabens. Ein Thema ist etwa, wie man Tageslicht in den Tunnel bringen könnte. In Prüfung sind aber auch Standort und Ausgestaltung des westlichen Zugangs bei der Reithalle. Hier sind denkmalpflegerische Aspekte zu berücksichtigen.
  • Unter dem Sitterviadukt der Stadtautobahn hängt als Direktverbindung zwischen dem Stadtzentrum und Abtwil ein Steg für den Langsamverkehr. Vom Steg Richtung Stadt führt der Gaiserwaldweg durch den Wald hinauf zum Sömmerli. Dieser Fuss- und Veloweg soll entlang der St.-Josefen-Strasse in die Stadt hinein verlängert werden.
  • Beim Autobahnanschluss Neudorf soll die Querverbindung für Velos vom Oberzil ins Gebiet Wilen verbessert werden. Geplant ist ein Fuss-/Veloweg von der Zil- über die Schönbüel- zur Martins­bruggstrasse.
  • Ideen für weitere Zukunftsprojekte sind unter anderem: Entlang der SBB-Linie soll zwischen St.Otmar (Zschokkestrasse) und Bruggen (Haggenstrasse) ein neues Velotrassee entstehen. Hier wird die Linienführung studiert.
    In Prüfung ist auch eine Passerelle vom Museumsquartier zum Kantonsspital, vom Athletik-Zentrum über die Steinachstrasse ins Spitalareal.