St.Galler Stadträtin zum Velo-Artikel: «Die Hügel in St.Gallen sind heute flacher als früher»

Das Schweizer Stimmvolk hat den Gegenvorschlag zur Velo-Initiative angenommen. Der St.Galler Stadtrat hofft jetzt auf mehr Schwung in der Veloförderung. Baudirektorin Maria Pappa sagt im Interview, was die Stadt fürs Nahverkehrsmittel Velo plant. Für sie ist das E-Bike eine Chance, um die St.Galler Hügel mit dem Velo besser zu erschliessen.

Reto Voneschen
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Die Veloförderung ist auch in der Stadt St.Gallen eine grosse Baustelle. Grössere Vorhaben zur Verbesserung der Infrastruktur sind in der Pipeline. Endziel sind durchgehende Velorouten auf der Ost-West-Achse der Stadt. (Bild: Christian Beutler/KEY)

Die Veloförderung ist auch in der Stadt St.Gallen eine grosse Baustelle. Grössere Vorhaben zur Verbesserung der Infrastruktur sind in der Pipeline. Endziel sind durchgehende Velorouten auf der Ost-West-Achse der Stadt. (Bild: Christian Beutler/KEY)

Maria Pappa, seit gestern Sonntag ist das Velo in der Bundesverfassung verankert. Was tut die Stadt jetzt rasch und konkret für dieses Verkehrsmittel?

Wir fahren mit der Umsetzung geplanter Verbesserungen fürs Velo fort. An solchen Massnahmen sind wir unabhängig vom Abstimmungssonntag schon lange dran. Im Rahmen des Agglomerationsprogramms werden solche Projekte vom Bund schon seit längerer Zeit finanziell unterstützt. Ebenso beteiligt sich der Kanton an den Kosten von Routen von regionaler und kantonaler Bedeutung.

Der Stadtrat hatte empfohlen, am Sonntag den Gegenvorschlag zur Velo-Initiative anzunehmen. Die Bauverwaltung macht weiter wie vorher. Spielt das Ja überhaupt eine Rolle?

Stadträtin Maria Pappa (SP) steht der Direktion Planung und Bau der Stadt St.Gallen seit 1. Januar 2017 vor. Ihrer Direktion untersteht auch die Verkehrsplanung fürs Velo. (Bild: Benjamin Manser - 8. März 2018)

Stadträtin Maria Pappa (SP) steht der Direktion Planung und Bau der Stadt St.Gallen seit 1. Januar 2017 vor. Ihrer Direktion untersteht auch die Verkehrsplanung fürs Velo. (Bild: Benjamin Manser - 8. März 2018)

Aber sicher tut es das! Dadurch, dass das Volk Ja zu dieser Vorlage gesagt hat, haben wir jetzt ein anderes, viel stärkeres Bekenntnis des Bundes zur Veloförderung. Diese wurde von ihm bisher stiefmütterlich behandelt. Das ändert sich jetzt. Und das wird auch auf den untergeordneten politischen Ebenen – etwa für die Stadt St.Gallen – einen ganz anderen Schwung geben. Das Velo bekommt auch von Bundesseite politisch als Nahverkehrsmittel einen ganz anderen Stellenwert als bisher.

Aber was hat das für konkrete Auswirkungen im Alltag der Velofahrerinnen und Velofahrer?

Wie schon gesagt, wir haben in der Stadt St. Gallen eine Velopolitik. Wir haben Grundsätze für die Veloplanung im Richtplan und im Mobilitätskonzept 2040. Wir haben mit dem Agglomerationsprogramm viele Projekte beim Bund angemeldet. Daran werden wir jetzt weiter arbeiten.

Es gibt Stimmen, die behaupten, St.Gallen sei nur schon von der Topografie her keine «Velo-Ville». Liegen diese Kritiker falsch?

Ja, spätestens seit dem Aufkommen der E-Bikes liegen diese Kritiker falsch. Die Hügel sind damit quasi flacher als noch vor ein paar Jahren. Mit dem E-Bike schafft man es auch als mittelmässig trainierte Person problemlos die St.Galler Hügel hinauf. Die Topografie kann also nicht mehr als politischer Vorwand für den Verzicht auf die Veloförderung herhalten. Aber schon mit dem normalen Velo kam und kommt man in St.Gallen weit.

Sie sind selber Velofahrerin und wissen aus persönlicher Erfahrung, wovon Sie reden?

Ja, das bin ich. Ich besitze zwar ein Auto und etwa bei Schnee bin ich auch mit dem Bus unterwegs. Mehrheitlich fahre ich im Alltag aber mit dem Velo. Ich lege etwa 80 Prozent meiner Wege auf zwei Rädern zurück. Und ich komme auch mit meinem «Normalvelo» durchaus auf die St.Galler Hügel – etwa für Besprechungen an der Universität.

Man hat aber den Eindruck, dass das Velo in der städtischen Verkehrspolitik keinen hohen Stellenwert hat.

Dieser Eindruck ist stark subjektiv gefärbt. Zugegeben, wir haben Lücken in unserer Infrastruktur fürs Velo, wir sind aber seit Jahren aktiv daran, diese zu schliessen…

Man hat als Velofahrer im Alltag oft das Gefühl hat, die Stadt mache auf einen Schritt fürs Velo vorwärts, oft wieder einen zurück. An einem Ort wird etwas gemacht, am anderen Ort eine ältere Massnahme wieder abgebaut. Nehmen Politik und Verwaltung das Velo immer noch zu wenig ernst?

Ich weiss nicht, wieso diese Kritik immer noch im Raum steht. Vielleicht war es vor Jahren einmal so, heute stimmen diese Behauptungen schlicht nicht mehr. Seit der Fuss- und Veloverkehr im Richtplan verankert ist, ist er bei jedem Projekt ein Thema. Und wir sind auch aktiv daran, Projekte zur Verbesserung der Situation für Fussgänger und Velofahrer umzusetzen.

«Ich weiss nicht, wieso sich die Kritik an unserer Velopolitik so hartnäckig hält. Wir fördern das Velo als Nahverkehrsmittel seit Jahren aktiv.» - Stadträtin Maria Pappa

Das Agglo-Programm des Bundes gibt uns Fristen vor, in denen wir Vorhaben verwirklichen müssen, damit wir Bundesgelder erhalten. Das erzeugt Termindruck und gibt der Velopolitik viel Schwung. Und wir haben in der städtischen Direktion Planung und Bau im vergangenen Jahr eine zusätzliche Stelle zur Bearbeitung von Projekten des Langsamverkehrs erhalten. Das zeigt für mich klar, dass wir Velo-Anliegen ernst nehmen. Da hat sich im vergangenen Jahrzehnt definitiv etwas verändert!

Welche Projekte finanziert der Bund denn mit?

Ganz allgemein werden Verbesserungen für Velofahrer mitfinanziert, und zwar bezahlt der Bund bis zu 40 Prozent der Kosten eines Vorhabens. Von den verbleibenden Kosten übernimmt der Kanton auf Kantonsstrassen nochmals bis zu 65 Prozent. Es ist also auch im Sinn der Stadtkasse, wenn wir Veloprojekte, die wir sowieso erstellen müssen, über das Aggloprogramm abwickeln können. Dies auch wenn das bedeutet, dass wir dafür zügig vorwärts machen müssen.

Im Vergleich zu anderen Städten ist die Velo-Infrastruktur in St.Gallen aber immer noch nicht wirklich überzeugend. Punktuell gibt es gute bauliche Lösungen, es fehlt aber ein durchgehendes Velowegnetz.

Velospuren entlang von Hauptachsen sind Teil der Velo-Schnellroute «direkt». (Bild: Christian Beutler/KEY)

Velospuren entlang von Hauptachsen sind Teil der Velo-Schnellroute «direkt». (Bild: Christian Beutler/KEY)

Genau daran arbeiten wir ja. Wir wollen durchgehende Schnellrouten fürs Velo erstellen. Das ist aber nicht so einfach. Die Stadt St. Gallen ist gebaut. Für eine neue Verbindung ausschliesslich für Velos muss man also jemand anderem etwas wegnehmen – sei das Boden, auf dem Bäume stehen, sei das, dass man andere Lösung für ein Trottoir oder den Bus suchen muss. Das macht Planung und Umsetzung von Veloprojekten schwierig. Daher müssen wir Velorouten Schritt um Schritt erstellen. Das geht nicht von einem Tag auf den anderen.

Angesichts des Gegrummels vieler Velofahrerinnen und Velofahrer, spürt man offenbar wenig von den schrittweisen Verbesserungen.

Insgesamt haben wir in den vergangenen Jahren für den Langsam- und insbesondere den Veloverkehr viele Verbesserungen erreicht. Das ist nicht immer einfach. Zum einen gibt es viele Vorschriften etwa aus dem Strassenverkehrsgesetz einzuhalten. Zum anderen gibt es technische Gegebenheiten zu beachten. Drittens müssen wir auch das grosse Ganze im Auge behalten. Da kann es schon einmal vorkommen, dass wir eine bisherige Velomassnahme mit Rücksicht auf eine übergeordnete Zielsetzung rückgängig machen müssen. Das ist ein Abwägen.

Mit der Einführung von Tempo 30 entfiel auf der Vadianstrasse der Vortritt für die Veloroute und an zwei Kreuzungen wurden die roten Sicherheitsstreifen wieder entfernt. Dafür gab's im Herbst 2017 teils heftige Kritik von Velofahrerinnen und Velofahrern. (Bild: Reto Voneschen - 12. Juli 2017)

Mit der Einführung von Tempo 30 entfiel auf der Vadianstrasse der Vortritt für die Veloroute und an zwei Kreuzungen wurden die roten Sicherheitsstreifen wieder entfernt. Dafür gab's im Herbst 2017 teils heftige Kritik von Velofahrerinnen und Velofahrern. (Bild: Reto Voneschen - 12. Juli 2017)

Die Verschlechterung der Situation entlang der Veloroute auf der Vadianstrasse gehört in dieses Kapitel?

Ja, das ist ein Beispiel. Wir wollten für das Gebiet zwischen Schulhaus St.Leonhard und Neumarkt eine Verkehrsberuhigung erreichen. Dafür haben wir eine Tempo-30-Zone eingeführt. In einer solchen Zone gilt heute aber überall Rechtsvortritt. Es ist nicht möglich, einbiegenden Strassen diesen Vortritt zugunsten der Veloroute zu nehmen. Was fürs Velo eine Verschlechterung ist. Wir haben diese in Kauf genommen, weil wir das Ziel der Verkehrsberuhigung, von der letztlich auch das Velo profitiert, höher gewichtet haben. Nebenbei: Wir wollen auf der Vadianstrasse die die Verkehrssicherheit mittels neuer Bodenmarkierungen auf den Kreuzungen verbessern.

Was für Verbesserungen wurden denn in den vergangenen Jahren für Velos umgesetzt?

Allgemeine Fahrverbote werden teilweise zu Gunsten der Velofahrer aufgehoben. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Allgemeine Fahrverbote werden teilweise zu Gunsten der Velofahrer aufgehoben. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Wir haben beispielsweise viele Einbahnstrassen für Velofahrerinnen und Velofahrer geöffnet. Wir haben zudem zur Schaffung direkter Verbindungen allgemeine Fahrverbote für Velofahrer aufgehoben. Die Öffnung weiterer solcher Strassen ist in Prüfung. Wo es verkehrlich geht, haben wir Busspuren fürs Velo geöffnet. Und wir haben insbesondere auch grosse Fortschritte beim Bau von Radstreifen auf der Ost-West-Achse gemacht: 2013 waren rund sechs Kilometer Hauptstrasse von Radspuren begleitet, Ende 2016 waren es bereits über elf Kilometer (oder rund 74 Prozent der Ost-West-Hauptachse).

Apropos Öffnung von Einbahnstrassen: Neuerdings darf man als Velofahrer auch durch die Multergasse fahren. Das löst bei Fussgängern und Ladenbetreibern nicht nur Freude aus.

Ja, wir haben die Multergasse fürs Velo in beide Fahrtrichtungen geöffnet. Dass es dort gehäuft Probleme gäbe, ist mir aber nicht bekannt. Strassen und Gassen, die wir fürs Velo öffnen, behalten wir speziell im Auge, damit wir intervenieren können, wenn etwas nicht so klappt, wie wir uns das vorgestellt haben. Dafür sind wir ständig mit der Stadtpolizei in Kontakt. Gibt‘s unerwartete Probleme, korrigieren wir eine Massnahme auch einmal. Das kommt aber selten vor.

In der Multergasse gibt‘s offenbar manchmal Konflikte zwischen Fussgängern und Velofahrern.

Die Multergasse dürfen Velofahrer neu in beide Richtungen durchfahren. Im Bild ein Zweiradfahrer am Bärenplatz. (Bild: Reto Voneschen - 11. September 2018)

Die Multergasse dürfen Velofahrer neu in beide Richtungen durchfahren. Im Bild ein Zweiradfahrer am Bärenplatz. (Bild: Reto Voneschen - 11. September 2018)

Als Velofahrerin weiss ich für den konkreten Fall der Multergasse doch genau, dass es in Zeiten, in denen viele Fussgänger unterwegs sind, keinen Sinn macht dort durchzufahren. Da bin ich auf der Veloroute über den Grüningerplatz wesentlich schneller. Wir gehen natürlich schon davon aus, dass sich die Verkehrsteilnehmer vernünftig verhalten, dass sie die Rechte der Anderen respektieren und aufeinander Rücksicht nehmen.

Verbesserungen fallen offenbar vielen Velofahrerinnen und Velofahrern nicht wirklich auf. Wie erklären Sie sich das?

Viel von dem, was wir in den vergangenen Jahren umgesetzt haben, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Man fährt, geniesst es und die getroffenen Massnahmen fallen einem als solche gar nicht mehr auf. Dazu kommt, dass die meisten Verkehrsteilnehmer nur die regelmässig von ihnen befahrenen Routen kennen, Verbesserungen an anderen Orten auf dem Strassen- oder Velowegnetz werden von ihnen damit weniger zur Kenntnis genommen.

Und Engpässe oder Behinderungen merkt jeder und regt sich auch darüber auf?

Solange der Verkehr rollt, wird das als selbstverständlich angesehen. Wenn es an einer Stelle ein Hindernis gibt, wegen einer Baustelle oder weil ein Nadelöhr nur schwer zu beseitigen ist, weckt das Emotionen und löst Kritik aus. Das kennen wir von allen Verkehrsteilnehmern; Velofahrer reagieren da genau gleich wie jene, die in einem Auto sitzen.

Die Velospur ins nirgendwo: Da der Platz fehlt, hört die Velospur vom Blumenbergplatz her vor dem Unteren Graben einfach auf. Das ist auch für die Velofachleute der Stadt ärgerlich, das Problem ist aber mangels Platz derzeit nicht lösbar. (Bild: Reto Voneschen - 4. Juni 2018)

Die Velospur ins nirgendwo: Da der Platz fehlt, hört die Velospur vom Blumenbergplatz her vor dem Unteren Graben einfach auf. Das ist auch für die Velofachleute der Stadt ärgerlich, das Problem ist aber mangels Platz derzeit nicht lösbar. (Bild: Reto Voneschen - 4. Juni 2018)

Gibt‘s tatsächlich Probleme auf Velowegen, die nicht lösbar sind?

Es gibt Einzelfälle, bei denen wir auf Schwierigkeiten stossen. Der klassische, oft zitierte Fall ist die Fortsetzung der Velospur vom Blumenbergplatz auf dem Unteren Graben in Richtung Platztor. Diese Velospur hört heute vor der Einmündung der Metzgergasse auf. Für eine Fortsetzung auf dem Unteren Graben fehlt zwischen den Autospuren schlicht der Platz. Das ist unbefriedigend, wir haben dafür im Moment aber keine Lösung.

Als grosse Vision will die Verkehrsplanung eine durchgehende Schnellroute fürs Velo zwischen dem Osten und Westen der Stadt verwirklichen. Es dürfte Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, sie umzusetzen.

Wir hoffen schon, dass das schneller geht. Natürlich gibt es Stellen auf den beiden Primärrouten, die schwierig zu lösen sind, für die es Geld und Zeit braucht…

...zwei Routen?

Ja, die Stadt plant mit zwei parallelen Routen. Einmal ist das die Variante «direkt» für schnelle Velofahrer, denen es nichts ausmacht, auf Velospuren neben dichtem Autoverkehr auf Hauptachsen unterwegs zu sein. Die parallel dazu verlaufende Route «sicher» ist für Velofahrerinnen und Velofahrer gedacht, die gemächlicher, dafür ohne viel Autoverkehr – also etwa über Quartierstrassen – unterwegs sein wollen. Das Bedürfnis nach beiden Formen ist ausgewiesen.

Wann starten denn die Arbeiten an diesen Routen?

Die Signalisation der Velostrasse auf der Lindenstrasse. (Bild: Urs Bucher - 21. Oktober 2016)

Die Signalisation der Velostrasse auf der Lindenstrasse. (Bild: Urs Bucher - 21. Oktober 2016)

Da sind wir schon seit Jahren dran. Dazu gehören beispielsweise Velospuren entlang von Hauptachsen. Dazu gehört aber auch der laufende Versuch mit einer Velostrasse auf der Lindenstrasse. An vielen Stellen auf den beiden Routen waren und sind Verbesserungen mit einfachen Mitteln möglich. Andere Stellen sind aufwendiger. Aber auch da sind verschiedene Projekte in der Pipeline.

Das sind etwa die Velopasserellen an der St.Leonhardsbrücke und beim Bahnhof Bruggen?

Genau. Die technischen Lösungen haben wir in Studienaufträgen ermittelt; die Siegerprojekte haben wir diesen Sommer präsentiert. Jetzt geht es um die Detailprojektierung Und im Fall der St.Leonhardsbrücke sind wir auch schon mit betroffenen Grundeigentümern im Gespräch.

Ebenfalls in Planung ist eine Verbesserung der Veloverbindung zwischen Bruggen und Winkeln. Hier möchten wir den Fussgänger- und Velosteg entlang dem SBB-Viadukt verbreitern. Da klären wir derzeit – unter anderem unter Beizug von Natur- und Veloverbänden – ab, was für Lösungen in Frage kommen.

An anderen Stellen wissen wir, dass bauliche Massnahmen nötig sind, damit wir eine durchgehende Veloroute erstellen können. Dafür gibt es auch Ideen, die wir nach und nach entwickeln und umsetzen wollen.

Es gibt oft Klagen, dass sich Velofahrer nicht an die Verkehrsregeln halten. Was sagen Sie als städtische «Veloministerin» dazu?

Velofahrer, die Verkehrsregeln nicht einhalten, also bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs sind, sind für Maria Pappa ein Fall für die Polizei. (Bild: Hannes Thalmann - 30. Juni 2005)

Velofahrer, die Verkehrsregeln nicht einhalten, also bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs sind, sind für Maria Pappa ein Fall für die Polizei. (Bild: Hannes Thalmann - 30. Juni 2005)

Wenn wir Massnahmen ergreifen, wie etwa die Öffnung einer Einbahnstrasse für Velofahrer, erwarten wir von den Verkehrsteilnehmern gegenseitige Rücksichtnahme, Respekt und Toleranz. Wir trauen den Verkehrsteilnehmern zu, richtig damit umzugehen. Wir konzentrieren uns auf die vielen Verkehrsteilnehmer, bei denen das stimmt, und nicht auf die wenigen, die das nicht können. Letztere sind ein Fall für die Polizei. Wichtig ist es, dass wir dem Veloverkehr zu seiner Förderung Freiheiten einräumen. Wenn das wirklich nicht klappt, wenn wir eine Häufung von Problemen haben, würden wir so eine Massnahme aber natürlich wieder korrigieren.

Also haben wir kein Velorowdy-Problem: Die Mehrheit der Velofahrerinnen und Velofahrer kann es?

Definitiv! Wir haben kein überbordendes Problem mit Velorowdies. Einzelne, die sich nicht benehmen können und die Verkehrsregeln nicht einhalten, sind – wie gesagt – ein Fall für die Polizei.

E-Bikes haben Hochkonjunktur. Das ist fürs Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung erfreulich. Anderseits ist das Verhältnis von Velos und E-Bikes nicht nur spannungsfrei.

Velos und E-Bikes sind mit stark unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs. Das löst bei Velofahrern teils Unsicherheit aus. Und das kann etwa beim Überholen auf Velowegen tatsächlich ein Problem sein. Noch grösser sind die Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den Fussgängerinnen und Fussgängern sowie den E-Bikes.

Wir haben auf Stadtgebiet bisher ab er keine wirklich neuralgischen Stellen mit vielen Problemen zwischen E-Bikes und dem übrigen Langsamverkehr. Wir wissen aber, dass wir da ein Thema haben, das wir im Auge behalten müssen. Wir müssen uns immer wieder fragen, ob es punktuell auch bauliche Massnahmen braucht.

Ältere E-Bikerinnen und E-Biker sind manchmal unsicher unterwegs. Kann man dieses Problem mit baulichen Massnahmen entschärfen?

Ältere E-Bike-Fahrerin im Strassenverkehr. (Bild: Walter Bieri/KEY)

Ältere E-Bike-Fahrerin im Strassenverkehr. (Bild: Walter Bieri/KEY)

An unseren regelmässigen Koordinationssitzungen mit der Polizei war dies noch kein Thema. Sollte die Polizei bemerken, dass sich diese Problematik tatsächlich akzentuiert, wird sie es sicher einbringen. Dann wird überprüft, ob dafür verkehrsplanerische oder andere Massnahmen nötig sind.