Kommentar

Kampfwahl ums St.Galler Stadtpräsidium: Für einmal startet die SP-Frau als Favoritin

Die Ausgangslage für die Wahlen ins St.Galler Stadtpräsidium sind nach dem Rücktritt von Thomas Scheitlin spannend. Den Zug, den die SP mit der Nominierung von Maria Pappa macht, ist geschickt. Als Bisherige wie als Frau hat sie Startvorteile gegenüber FDP-Konkurrent Mathias Gabathuler, glaubt Stadtredaktor Reto Voneschen.

Reto Voneschen
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Mit den Bisherigen Maria Pappa und Peter Jans kann die SP im Herbst ein erprobtes Duo ins Wahlrennen schicken. Ihre Wiederwahl als Stadtratsmitglieder haben beide auf sicher. Und als Kandidatin fürs Stadtpräsidium hat Maria Pappa ebenfalls eine gute Ausgangsposition.

Mit den Bisherigen Maria Pappa und Peter Jans kann die SP im Herbst ein erprobtes Duo ins Wahlrennen schicken. Ihre Wiederwahl als Stadtratsmitglieder haben beide auf sicher. Und als Kandidatin fürs Stadtpräsidium hat Maria Pappa ebenfalls eine gute Ausgangsposition.

Bild: Ralph Ribi (19.5.2020)

«Es ist Zeit für eine Stadtpräsidentin!» Dass die SP mit diesem Slogan und einer passenden Kandidatin in den St.Galler Stadtratswahlkampf steigt, ist keine Überraschung. Und die Chancen von Maria Pappa sind tatsächlich intakt, erste Stadtpräsidentin von St.Gallen zu werden.

Tagblatt-Stadtredaktor Reto Voneschen.

Tagblatt-Stadtredaktor Reto Voneschen.

Bild: Hanspeter Schiess (5.12.2019)

Gegenüber dem FDP-Kandidaten Mathias Gabathuler hat Pappa denn auch zwei Startvorteile, die ihr Konkurrent schwer wettmachen kann: Sie steigt als Bisherige ins Rennen. Und Frauen zu wählen, liegt derzeit in der Stadt im Trend. Die Ersatzwahl von 2017 mit Sonja Lüthi (GLP) und Boris Tschirky (CVP) lässt grüssen.

Jeder Kandidierende bietet Angriffsflächen

Pappa ist als Kandidatin fürs Stadtpräsidium natürlich nicht perfekt. Keine Kandidatin, kein Kandidat ist das je. Auch die Baudirektorin bietet Angriffsflächen: Eine dürfte die relativ kurze Zeit sein, die sie in der Stadtpolitik aktiv ist. Eine andere ist die fehlende Führungserfahrung fürs Präsidium. Wer so argumentiert, muss allerdings vorsichtig sein: Das kann rasch zum Bumerang werden, wenn man selber diesbezüglich nicht erheblich besser dasteht.

Natürlich ist das Wahlrennen nicht gelaufen: Mit einem guten Wahlkampf kann jeder Kandidierende Boden gutmachen. In Sicht ist so eine profilierte Kampagne bisher nicht – weder beim FDP-Verteidiger mit einem braven ersten Auftritt noch bei der SP-Anwärterin bei der Vorstellung. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Kein bürgerlicher Schulterschluss in Sicht

Was sich derzeit überhaupt nicht abzeichnet, ist aber ein bürgerlicher Schulterschluss, der im Herbst die Mitte-Links-­Stadtregierung aus den Angeln heben könnte. Alles deutet aufs bekannte Jekami-Prinzip hin: FDP, CVP und SVP treten zum ersten Wahlgang mit je einer Kandidatur an. Für den zweiten Wahlgang «schaut man dann», wer aufgrund der Resultate des ersten Durchgangs das bürgerliche Fähnlein hochhalten darf.

So lässt sich vermutlich der Stadtratssitz von Thomas Scheitlin (FDP) für die Bürgerlichen retten. Fürs Stadtpräsidium oder gar einen zweiten bürgerlichen Stadtratssitz braucht es mit Sicherheit mehr.

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