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St.Galler Stadtgeschichte einmal anders erzählt: 50 Kurzgeschichten über historische Relikte

Ab Montag ist ein neues Buch über St.Gallen im Verkauf. Es führt zu kulturhistorischen Überbleibseln und Fragezeichen im Stadtbild. Der Band wartet so mit 50 lokalen Kurzgeschichten auf. Er ist ein vielfältiges, kurzweiliges und allgemein verständlich geschriebenes Lesebuch für alle, die sich für die Gallusstadt interessieren.
Reto Voneschen
Geheimnis 1: Schiedmauer. Der Rest der Mauer steht beim Restaurant Zeughaus. Sie trennte ab dem 16. Jahrhundert zwei Streithähne, nämlich die reformierte Stadt und das katholische Kloster mit seinem Fürstabt. (Bild: Urs Bucher - 8. April 2010)

Geheimnis 1: Schiedmauer. Der Rest der Mauer steht beim Restaurant Zeughaus. Sie trennte ab dem 16. Jahrhundert zwei Streithähne, nämlich die reformierte Stadt und das katholische Kloster mit seinem Fürstabt. (Bild: Urs Bucher - 8. April 2010)

Der eine oder andere aus der verschworenen Gilde der städtischen Historiker wird die neuste Publikation über die Stadt eher misstrauisch beäugen. «St.Galler Geheimnisse – Spannendes aus dem Kulturzentrum der Ostschweiz» geht nämlich bei der Vermittlung von Stadtgeschichte einen unkonventionellen Weg.

Der 192 Seiten starke Band im Format A5 präsentiert sie nicht in einer langen chronologischen Darstellung, sondern in 50 kleinen Lesehäppchen. Jeder der Kurztexte geht von einem Relikt im Stadtbild aus, das Laien Rätsel aufgibt oder das sich eignet eine Episode aus der Vergangenheit zu erzählen.

Vom Adventskalender zur beliebten Buchreihe

Die St.Galler Geheimnisse erscheinen im Verlag «Bast Medien» im deutschen Überlingen. Das Buch gehört zu einer Reihe. Sie umfasst Bände zu inzwischen 55 Städten, Städtchen und Regionen in Deutschland. Mit der Publikation zur Gallusstadt springt sie erstmals über die Landesgrenze.

Geheimnis 8: die Haggen- oder Ganggelibrogg. Während dem Bau 1936/37 hatte ein junger Arbeiter einen ganz speziellen Schutzengel. Ernst Buob stürzte aus einer Höhe von 36 Metern ab, landete in einer vom Blitz beschädigten Tanne und verfehlte bei der unsanften Landung in der Schlucht auch noch das Betonfundament eines Brückenpfeilers.

Geheimnis 8: die Haggen- oder Ganggelibrogg. Während dem Bau 1936/37 hatte ein junger Arbeiter einen ganz speziellen Schutzengel. Ernst Buob stürzte aus einer Höhe von 36 Metern ab, landete in einer vom Blitz beschädigten Tanne und verfehlte bei der unsanften Landung in der Schlucht auch noch das Betonfundament eines Brückenpfeilers.

Im Dezember 2010 hatte die Journalistin Eva-Maria Bast die Idee, historische Relikte aufzu­spüren, die Geschichten dahinter mit Hilfe von Fachleuten zu recherchieren und sie der Leserschaft einer Lokalzeitung in Form von täglichen Beiträgen in einem Adventskalender zu erzählen.

Die Idee kam überaus gut an. Ein Jahr später wurde daher aus der Zeitungs- eine Buchserie. Bis heute verfasst Eva-Ma­ria Bast diese Bücher zusammen mit Co-Autoren. Am St.Galler Band haben gleich zwei mitgearbeitet, nämlich die Journalistin Mirjam Bächtold sowie der pensionierte und journalistisch tätige Oberstufenlehrer Markus Wigert.

Übersichtlich gegliedert, populär geschrieben

Der St.Galler Geheimnis-Band ist solide gestaltet. Die Gliederung ist übersichtlich, das Layout gefällig und klar. Jedes der 50 Kapitel wird mit einem grossen Bild eingeleitet, auf dem die Fachleute vor oder mit dem Objekt gezeigt werden, über das sie Auskunft geben. In die Texte sind kleine Detailfotos eingestreut. Solche hätte man sich im einen oder anderen Text vielleicht sogar noch vermehrt gewünscht.

Geheimnis 29: die Balken in der Auskragung des Tröckneturms im Areal der Burgweier. Sie dienten einst dazu, frisch eingefärbte Stoffbahnen aussen am Turm zum Trocknen aufzuhängen. (Bild: Hanspeter Schiess - 28. September 2016)

Geheimnis 29: die Balken in der Auskragung des Tröckneturms im Areal der Burgweier. Sie dienten einst dazu, frisch eingefärbte Stoffbahnen aussen am Turm zum Trocknen aufzuhängen. (Bild: Hanspeter Schiess - 28. September 2016)

Entstanden ist mit dem Band über «St.Galler Geheimnisse» kein konventionelles Geschichtsbuch. Wer sich vertieft für die St.Galler Stadtgeschichte interessiert, wird weiterhin nicht darum herum kommen, einen Griff in die reichhaltige Sammlung von Geschichtsbüchern mit wissenschaftlichem Anspruch zu tun.

Geheimnis 32: Monatsköpfe. Das Haus Bankgasse 9, in dem heute im Erdgeschoss die Tourist-Information untergebracht ist. Im Bild sind vier von zwölf Köpfen zu sehen, die jeder einen Monat darstellt. (Bild: Hanspeter Schiess - 31. Oktober 2017)

Geheimnis 32: Monatsköpfe. Das Haus Bankgasse 9, in dem heute im Erdgeschoss die Tourist-Information untergebracht ist. Im Bild sind vier von zwölf Köpfen zu sehen, die jeder einen Monat darstellt. (Bild: Hanspeter Schiess - 31. Oktober 2017)

Der Geheimnis-Band eignet sich aber ausgezeichnet als Einstieg oder auch als populäre Ergänzung dieses Buchbestands. Vorgelegt wird damit nämlich eine vielfältige Sammlung von Kurzgeschichten, ein Lesebuch, das sich auch als Stadtführer verwenden lässt. Dies, weil bei jedem der historischen Relikte genau beschrieben wird, wo man es findet.

Beliebte Landmarken, unbekannte Details

Die Auswahl der Geschichten in der Neuerscheinung ist gut getroffen. Die Themenbreite ist überraschend gross: So wird natürlich auch die – weitgehend bekannte – Geschichte von städtischen Landmarken erzählt. Beispiele sind die Schiedmauer zwischen Stadt und Kloster, das Waaghaus, das Restaurant «Zum Goldenen Schäfli» oder der Broderbrunnen.

Beachtung finden aber auch historische Überbleibsel, die der Normalbürger ohne Hinweise durch Spezialisten kaum je entdecken würde. Beispiele für solche nicht minder interessanten Details sind das Steinmännchen am Karlstor, die Steinmetz-Zeichen an historischen Gebäuden, die Freiheitsstatue auf der UBS, die Gräben auf der Bernegg oder die Zahlenmystik in der Kathedrale.

Geheimnis 49: die Heiligen Desiderius und Mauritius. Sie bewachen in Form von Riesenstatuen den Eingang zur Galluskapelle im inneren Klosterhof. (Bild: Urs Bucher - 10. April 2014)

Geheimnis 49: die Heiligen Desiderius und Mauritius. Sie bewachen in Form von Riesenstatuen den Eingang zur Galluskapelle im inneren Klosterhof. (Bild: Urs Bucher - 10. April 2014)

Wermutstropfen im empfehlenswerten und auch vom Preis her unschlagbar günstigen Band sind einige sachliche Fehler. So stehen etwa die Heiligen Mauritius und Desiderius nicht vor der Schutzengel-, sondern vor der Galluskapelle. Das innerstädtische Tor in der Schiedmauer befand sich nicht bei der Glocken-, sondern bei der Kugelgasse. Und der junge Maurer, der beim Bau der Haggenbrücke 1936/37 einen Sturz aus 36 Metern Höhe überlebte, kann nicht wirklich 1946 geboren worden sein - er hatte Jahrgang 1926. Aber das kann man ja bei der zweiten Auflage ausbügeln.

Im Buchhandel oder direkt beim Verlag

Der Band «St.Galler Geheimnisse - Spannendes aus dem Kulturzentrum der Ostschweiz mit Kennern der Stadtgeschichte» ist ab Montag im Buchhandel erhältlich. Bestellen kann man ihn aber auch direkt im Onlineshop des Verlags für 16.90 Euro. (vre)

Zum Verlag «Bast Medien».

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