St.Galler Schnitzelbänkler sollen nicht mehr anstehen müssen: App könnte künftig Auftritte koordinieren

Eine App soll verhindern, dass St.Galler Schnitzelbänkler lange auf eine freie Bühne warten müssen.

Rafael Hug
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Der Schnitzelbankabend im Restaurant National Naz. Die Auftritte sollten mit der App koordiniert werden.

Der Schnitzelbankabend im Restaurant National Naz. Die Auftritte sollten mit der App koordiniert werden. 

Bild: Urs Bucher (27. Februar 2017)

Die St.Galler Fasnacht und ihre Schnitzelbänkler haben eine lange Tradition. Jeden Februar ziehen die Schnitzelbänkler von Beiz zu Beiz und zeigen ihre sozial und politisch kritischen Darbietungen. Verkleidet mit Masken und Kostümen wollen sie mit ihren pointierten Reden auf aktuelle Probleme aufmerksam machen. Dies geschieht jeweils dort, wo eine Bühne frei ist.

Die Aufführungen der spitzen Zungen erfreuen sich hoher Beliebtheit. So kommt es, dass die Schnitzelbänkler und Guggen ein Koordinations- und Platzproblem haben. Schnitzelbänkler Urs Welter sagt:

«Wenn wir auf der Suche nach Bühnen sind, sind diese oft schon besetzt und wir müssen warten.»

Deshalb hat er eine App konzipiert. «Die App ist für Schnitzelbänkler, aber auch für Zuschauer.» Der sogenannte Schnitzelbank-Guide zeigt an, wo Bühnen frei sind und wo bereits eine Formation auftritt. «Die Schnitzelbänke und Guggen müssen nicht umherirren, um irgendwo einen freien Auftrittsort zu finden», erklärt der 75-Jährige seine Idee. Stattdessen könnten Sie sich per App für den nächsten Auftritt anmelden. Derweilen hat er ein Konzept ausgearbeitet. Endgültig programmiert ist die Smartphone-App bislang noch nicht.

«Zeigen, dass sich die Fasnacht weiterentwickelt»

Welter will mit der App zeigen, dass Fasnacht und Schnitzelbänke auch mit modernen Konzepten zusammenpassen. Schnitzelbank-Auftritte seien eine Form der Satire, zu vergleichen mit Poetry-Slam. «Die Schnitzelbanktradition ist lebendig wie nie zuvor.» Das zeige schon allein das Koordinationsproblem der vielen Schnitzelbänkler.

Für die definitive Entwicklung hat Welter ein Crowdfunding gestartet. Mit dem Geld soll die Programmierung der App bezahlt werden. «Da wir unsere Auftritte optimieren können, profitiert letztendlich das Publikum», sagt Welter, der unter dem Künstlernamen «Narr von St.Gallen» auftritt.

Das Finanzierungsziel der Sammelaktion liegt bei 5000 Franken. Damit kann die App mit allen Funktionen und optisch ansprechend umgesetzt werden. Die Realisierungsschwelle liegt bei 2700 Franken. Das Geld ist nötig, um die App mit dem Nötigsten auszustatten – «ohne Reserve, Schnickschnack und Design», heisst es auf der Website.

Bis Sonntag haben Gönner bereits gut 4200 Franken zusammengebracht. Dies entspricht dem 1,5-fachen des Mindestbetrags. Das Crowd­funding läuft bis Mittwoch. Bis zum 7. Februar soll die App auf dem Markt sein – rechtzeitig, um den Schnitzelbänkler bei der diesjährigen Fasnacht den Weg zu weisen.

«Keine Veränderungen für Besucher»

Bruno Bischof, Präsident der St.Galler Fasnacht, sieht eine Chance im Projekt. «Da die Guggen und Schnitzelbänkler stets ad hoc auftreten, ist ein solches Koordinations- und Hilfsinstrument sicher sinnvoll.» Er sei guter Dinge, dass sich die App bewähren werde. «Für Besucherinnen und Besucher wird es keine Veränderungen geben – und wenn, dann nur positive.» So hätten auch sie den Überblick und könnten zudem mehr Auftritte besuchen.

Dass die App ein Eingriff in Traditionen sein könnte, darüber ist Bischof nicht besorgt. «Natürlich müssen Fasnachtstraditionen gewahrt werden.» Doch diese App sei nur eine sinnvolle Hilfestellung. «Eine Guggenmusik bleibt eine Guggenmusik, und eine Schnitzelbank bleibt eine Schnitzelbank.» Daran ändere eine Smartphone-App nichts.