St.Galler sammeln immer mehr Grüngut: Jetzt will die Stadt ein zweites, teureres Abfuhrfahrzeug beschaffen

Die Stadt will für die Grüngutsammlung ein Abfuhrfahrzeug mit Elektromotor beschaffen. Das wäre ein Novum.

Sandro Büchler
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Das neue Grüngutfahrzeug kostet 938'000 Franken.

Das neue Grüngutfahrzeug kostet 938'000 Franken.

Bild: Ralph Ribi (27. Juli 2017)

Die Stadtsanktgallerinnen und -sanktgaller sammeln fleissig Grüngut: Essensreste, Kaffeesatz, Gartenabfälle und Kleintiermist. Das alles sammelt Entsorgung St.Gallen seit der Einführung der Grünabfuhr vor dreieinhalb Jahren jede Woche ein. Im vergangenen Jahr brachte das Abfuhrfahrzeug 1550 Tonnen Grüngut in die Vergärungsanlage nach Niederuzwil.

Auch die Zahl der Grüngut­abonnements nimmt stetig zu. Die Stadt zählt aktuell 2170 Abfuhrabos. 9830 Haushalte sind angeschlossen, sagt Christian Helbig, der bei Entsorgung St.Gallen für die Grünabfuhr zuständig ist. In Winkeln und Haggen seien etwa dieses Jahr wegen Neuüberbauungen auf einen Schlag knapp 300 Haushalte hinzugekommen.

An 238 Tagen im Jahr im Einsatz

Da die gesammelten Mengen steigen, gerät auch das jetzige Abfuhrfahrzeug für Grüngut an den Anschlag. Im vergangenen Jahr war der mit Diesel angetriebene Lastwagen an 238 Tagen unterwegs. 2006 Stunden kurvte der Chauffeur durch die Stadt. Insbesondere die Touren am Dienstag und Mittwoch werden immer länger. Im Schnitt dauern sie neun bis elf Stunden.

Spätestens in einem Jahr sollen die Abfuhrtouren auf zwei Fahrzeuge aufgeteilt werden. Deshalb will die Stadt ein zweites Fahrzeug beschaffen und beantragt dem Stadtparlament einen Zusatzkredit über 294000 Franken. Vor rund fünf Jahren hatte das Stadtparlament bereits einen Verpflichtungskredit von 1,1 Millionen Franken für die Grünabfuhr beschlossen. Aus diesem Topf sollten gestaffelt zwei Abfuhrfahrzeuge fürs Grüngut angeschafft werden.

Wieso nun Extrakosten? Der Grund: Der neue Lastwagen soll mit einem Elektromotor fahren. Das wäre ein Novum in St.Gallen. Helbig sagt:

«Denn das neue Fahrzeug für die Grüngutabfuhr wäre das erste E-Fahrzeug bei der Abfallentsorgung der Stadt.»

Insgesamt 975'000 Franken kostet der Elektrolastwagen inklusive Schnellladegerät und Warmwasseranschluss. Finanziert wird es zur Hälfte aus dem Restbetrag des vor fünf Jahren gesprochenen Kredits. 150'000 Franken trägt der städtische Energiefonds bei. Übrig bleiben 294'000 Franken.

In der Beschaffung rund 27 Prozent teurer

Zu den Zusatzkosten sagt Helbig:

«Zwar kostet der Elektrolastwagen in der Beschaffung mehr, ist aber dann im Betrieb markant günstiger.»

Über den gesamten Lebenszyklus gesehen, seien E-Fahrzeuge derzeit noch rund 27 Prozent teurer als herkömmliche Lastwagen, schreibt der Stadtrat in der Vorlage zuhanden des Parlaments. In den Unterlagen steht zudem, dass die Beschaffung eines Fahrzeugs mit Elektroantrieb bei der Einführung der Grünabfuhr 2017 nicht vorgesehen und nicht budgetiert worden war.

Die Stadt will aber im Rahmen des städtischen Energiekonzepts 2050 die Fahrzeugflotte der Verwaltung weiter elektrifizieren. Auch die Nutzfahrzeuge sollen nun, nach den Personenwagen, schrittweise abgasfrei und leiser werden. «Das Spezialfahrzeug, das eine Winterthurer Firma herstellt, ist auf einem hohen technischen Niveau.» Das hätten die Erfahrungen in anderen Städten gezeigt, wo das Fahrzeug bereits im Einsatz steht.

Spricht sich das Stadtparlament am 30. Juni für den Zusatzkredit aus, wird das neue E-Fahrzeug beschafft. Dies dauert aber ein wenig. «Wir hoffen, dass wir das zweite Grüngutfahrzeug am 1. Juli 2021 in Betrieb nehmen können.» Denn an diesem Tag startet jeweils der neue Abfallkalender.