St.Galler Quartiere Historisch
Ein grosses Dorf in der Stadt St.Gallen: Bruggen vor dem grossen Bauboom

Bis zur Stadtverschmelzung von 1918 war Bruggen der Hauptort einer eigenständigen politischen Gemeinde, von Straubenzell. Wer von Bruggen spricht, meint meist das Gebiet zwischen SOB-Linie und Sittertobel mit dem historischen Dorfzentrum rund um die Kirchen. Seit den 1960er-Jahren ist das «Dorf» aber massiv gewachsen.

Reto Voneschen/Oliver Ittensohn
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Das Dorf Bruggen 1937. Im Hintergrund Gaiserwald und rechts der Bodensee.

Das Dorf Bruggen 1937. Im Hintergrund Gaiserwald und rechts der Bodensee.

Bild: Stadtarchive SG/ Sammlung Foto Gross

Auf der colorierten Ansichtskarte unten ist in der Mitte die 1906 eingeweihte evangelische Kirche zu erkennen. Das rötliche Fabrikgebäude davor gehörte seit 1908 der Stickereifirma Zähner & Schiess & Co. Links davor liegt der Friedhof, rechts der Moosweier. Das lange Gebäude hinter der Kirche in der Engelwies ist die Kettenstichstickerei Pfund & Vallois.

Bruggen auf einer 1913 gelaufenen Ansichtskarte.

Bruggen auf einer 1913 gelaufenen Ansichtskarte.

Bild: Sammlung
Reto Voneschen

Den alten Dorfgeist gibt's noch immer

Bis zur Stadtverschmelzung von 1918 war Bruggen der Hauptort einer eigenständigen politischen Gemeinde, von Straubenzell. Wer von Bruggen spricht meint bis heute meist das Gebiet zwischen SOB-Linie und Sittertobel mit dem historischen Dorfzentrum rund um die Kirchen.

Durch die rege Bautätigkeit seit den 1960er-Jahren ist das «Dorf» aber massiv in alle Richtungen gewachsen. Damit ist viel vom einstigen Zusammenhalt der Brögglerinnen und Bröggler verloren gegangen. Auf den alten Dorfgeist trifft man aber beispielsweise immer noch im Quartierverein, der hier Einwohnerverein Bruggen (EVB) heisst.

Wie Bruggen zu seinem Namen kam

Der Name Bruggen wird zusammen mit Haggen und Chräzeren schon in einem Dokument aus dem Jahr 1219 erwähnt (gemäss Chartularium Sangallense als «ad Hacon et ad Bruccon et Chrazarun»). Der Propst und Dekan des Klosters St.Gallen stiftete Zinsen in Form von Wein, Fischen und Käse für kirchliche Feiern. In einem Dokument von 1282 werden «Bruccon» und «Altenwegin», in einer Urkunde um 1300 «Bruggon» genannt.

Wie Bruggen zu seinem Namen kam: Eine colorierte Ansichtskarte aus den frühen 1930er-Jahren zeigt die Eisenbahn- und Strassenbrücken über den Sittergraben westlich von Bruggen. Noch fehlt die 1941 eingeweihte Fürstenlandbrücke.

Wie Bruggen zu seinem Namen kam: Eine colorierte Ansichtskarte aus den frühen 1930er-Jahren zeigt die Eisenbahn- und Strassenbrücken über den Sittergraben westlich von Bruggen. Noch fehlt die 1941 eingeweihte Fürstenlandbrücke.

Bild: Sammlung
Reto Voneschen

Der Name geht gemäss dem Orts- und Flurnamenbuch von Martin Arnet auf die Bezeichnung «bei den Brücken» zurück. Traditionellerweise wird der Sittergraben nämlich nördlich, westlich und südlich von Bruggen überschritten. Hier gab's schon früh Furten und auch Brücken.

Bilder aus der Fotosammlung Gross: Bruggen in den 1930er-Jahren

Das Zentrum von Bruggen 1937. Gut zu erkennen sind die neue katholische Kirche (Bildmitte links) und die evangelische Kirche (rechter Bildrand).

Das Zentrum von Bruggen 1937. Gut zu erkennen sind die neue katholische Kirche (Bildmitte links) und die evangelische Kirche (rechter Bildrand).

Bild: Stadtarchive SG/ Sammlung Foto Gross
1933 an der Verzweigung der Zürcher- mit der Fürstenlandstrasse.

1933 an der Verzweigung der Zürcher- mit der Fürstenlandstrasse.

Bild: Stadtarchive SG/ Sammlung Foto Gross

Der Blick geht nach Osten, also stadteinwärts. Gut zu erkennen sind vorne die alte katholische Kirche (gebaut 1783/84, abgebrochen 1936) und hinten rechts die evangelische Kirche (gebaut 1903 bis 1906). Direkt an der Verzweigung und vor der katholischen Kirche ist das alte Gemeindehaus Straubenzell zu erkennen; es wurde 1964 abgebrochen. Hier befindet sich heute die Post Bruggen. Wohn- und Geschäftshäuser an der Zürcher-, Blumen und Stationsstrasse runden das Bild ab.

1931 vor der Verzweigung Zürcher- und Fürstenlandstrasse.

1931 vor der Verzweigung Zürcher- und Fürstenlandstrasse.

Bild: Stadtarchive SG/ Sammlung Foto Gross

Bruggen, wie es nicht mehr steht: Der Blick auf der obenstehenden Fotografie zeigt stadteinwärts die alte katholische Kirche St.Martin (gebaut 1783/84, abgebrochen 1936), das ehemalige Gemeindehaus und das ehemalige Restaurant Löwen. Das Bild auf der Ansichtskarte unten datiert um 1900 und ist etwas weiter stadtauswärts entstanden. Darauf ist (das rötliche Haus links) die Speisewirtschaft Zum neuen Engel zu erkennen; sie wurde 1977 abgebrochen. Hier steht heute die Agrola-Tankstelle.

Um 1900 an der Zürcher Strasse in Bruggen.

Um 1900 an der Zürcher Strasse in Bruggen.

Bild: Sammlung
Reto Voneschen
1931 etwas weiter westlich an der Zürcher Strasse.

1931 etwas weiter westlich an der Zürcher Strasse.

Bild: Stadtarchive SG/ Sammlung Foto Gross

Bild oben: An erster Stelle links an der Strasse steht der Laden von «Ed. Honegger Gahlinger Konfektion- & Manufakturwaren». Gleich daneben im Haus Zürcher Strasse 276 befand sich damals die Schmiede von Wilhelm Koger-Egger. Rechts an der Zürcher Strasse stehen Arbeiterhäuser. Im Hintergrund sind die Türme der alten katholischen und der evangelischen Kirche zu erkennen.

1941 an der eben fertiggestellten Fürstenlandbrücke.

1941 an der eben fertiggestellten Fürstenlandbrücke.

Bild: Stadtarchive SG/ Sammlung Foto Gross

Das Bild oben wird natürlich von der eben erst eingeweihten, 1937 bis 1941 gebauten Strassenbrücke dominiert. Vor der Brücke gut zu erkennen ist die Brauerei Stocken (gebaut 1910/11) links neben ihrem Hochkamin. Links neben der Brauerei steht das Restaurant Stocken mit Baujahr 1834. In der Bildmitte ist zudem der Tramwendeplatz Stocken zu erkennen; das letzte St.Galler Tram verkehrte 1957.

Restaurant und Brauerei Stocken in einer Flugaufnahme vom Anfang der 1960er-Jahre.

Restaurant und Brauerei Stocken in einer Flugaufnahme vom Anfang der 1960er-Jahre.

Bild: Sammlung
Reto Voneschen
Blick auf die alte und die neue katholische Kirche 1936.

Blick auf die alte und die neue katholische Kirche 1936.

Bild: Stadtarchive SG/ Sammlung Foto Gross

Aus zwei mach' eins: Das Bild oben zeigt links die alte katholische Kirche St.Martin (gebaut 1783/84, abgebrochen 1936) und rechts die neue katholische Kirche St. Martin (gebaut 1935/36). Vor dem Abbruch des alten Gotteshauses standen die beiden Kirchen noch kurze Zeit miteinander an der Verzweigung der Zürcher- und Fürstenlandstrasse.

Die alte Kirche St.Martin um 1900.

Die alte Kirche St.Martin um 1900.

Bild: Sammlung
Reto Voneschen
1933 zurück an der Fürstenlandstrasse.

1933 zurück an der Fürstenlandstrasse.

Bild: Stadtarchive SG/ Sammlung Foto Gross

Bruggen als Wohnquartier: Zu erkennen sind auf dem Bild oben die Wohnhäuser an der Fürstenland-, Haggen-, Blumen-, Disteli- und Rittmeyerstrasse; die damalige Haggenstrasse heisst heute Straubenzellerstrasse. Im Hintergrund vor den Hügeln ist der Bahnhof Haggen, eine Lagerhalle der Debrunner & Cie sowie die Mosterei Haggen zu erkennen.

Ländliches Idyll und Industriequartier 1931 an der Alpsteinstrasse.

Ländliches Idyll und Industriequartier 1931 an der Alpsteinstrasse.

Bild: Stadtarchive SG/ Sammlung Foto Gross

Die Aufnahme oben zeigt Bruggen in den 1930er-Jahren als Wohn- und Arbeiterquartier. Rechts steht das Fabrikgebäude Alpsteinstrasse 8 (gebaut 1912 von Curjel & Moser). Dahinter sind zwei Wohnhäuser aus den 1910er-Jahren und ein Geschäftshaus von 1903 zu erkennen. Die Strasse ist noch nicht asphaltiert und dient als Park- wie als Spielplatz.

1932 an der Distelistrasse.

1932 an der Distelistrasse.

Bild: Stadtarchive SG/ Sammlung Foto Gross

Das Bild oben wird vom imposanten Wohn- und Geschäftshaus der Spenglerei Wiget an der Distelistrasse 8 dominiert. Gebaut um die Jahrhundertwende wird es ergänzt durch die Wohnhäuser der Nachbarschaft (von vorne nach hinten sind es die Distelistrasse 6, 4 und 2).

1932 an der Verzweigung Stockberg- und Haggenstrasse.

1932 an der Verzweigung Stockberg- und Haggenstrasse.

Bild: Stadtarchive SG/ Sammlung Foto Gross

In der Bildmitte ragt in der Aufnahme oben das Jugendstilgebäude des Restaurants Ricken an der Haggenstrasse 32 (heute Walserstrasse 2) in die Höhe. Gesäumt sind die Strassen von Wohnhäusern mit Baujahr um 1900. Ganz rechts ist das Restaurant Schöneck und die Bäckerei Ulrich Kürsteiner zu erkennen.

1954 an der SBB-Linie durchs Quartier.

1954 an der SBB-Linie durchs Quartier.

Bild: Stadtarchive SG/ Sammlung Foto Gross

Der Blick im Bild oben geht die Stationsstrasse entlang in Richtung Westen, also in Richtung Bahnhof. Rechts ist die Metzgerei Niedermann zu erkennen.

Der Bahnhof Bruggen um 1904.

Der Bahnhof Bruggen um 1904.

Bild: Sammlung
Reto Voneschen

Das Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen erschliesst zusammen mit dem Stadtarchiv der Politischen Gemeinde Fotografien zur Stadt St.Gallen. Sowohl Sammlungen von Privaten als auch Gesamtnachlässe von Fotounternehmen lagern in den Archivräumen. Seit 2007 werden die Bestände systematisch digitalisiert und online zur Verfügung gestellt. Der Zugang dazu findet sich im Internet.