Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Ein absoluter Kindergarten»: St.Galler Panettone-Bäcker ärgert sich über das Politchaos in Italien

Italien versinkt nach der gescheiterten Regierungsbildung im Politchaos. Der St.Galler Panettone-Bäcker Pietro Cappelli schämt sich für die Vorgänge in seinem Land. Er spricht von einem peinlichen Gewurstel, ja sogar von einem Staatsstreich.
Daniel Walt
«Die Frage ist, wie lange die EU diesem Treiben noch zuschaut»: Pietro Cappelli ärgert sich über die Zustände in seiner Heimat Italien.

«Die Frage ist, wie lange die EU diesem Treiben noch zuschaut»: Pietro Cappelli ärgert sich über die Zustände in seiner Heimat Italien.

Herr Cappelli, was lösen die jüngsten Entwicklungen in Italien in Ihnen aus?

Pietro Cappelli: Was jetzt passiert ist, macht mich wütend. Das kann es doch einfach nicht sein! Ich habe das Ganze aber irgendwie kommen sehen.

Der Konflikt hat sich am Euro- und deutschlandkritischen Paolo Savona entzündet, der Minister für Wirtschaft und Finanzen hätte werden sollen. Staatspräsident Sergio Mattarella hat gegen ihn aber sein Veto eingelegt, weil seiner Meinung nach mit Savona der Euro-Austritt Italiens wahrscheinlich geworden wäre.

Cappelli: Diese Begründung ist doch an den Haaren herbeigezogen! Wir hatten schon Minister, die wirklich Dreck am Stecken hatten. Paolo Savona ist 81 – so viel Schaden hätte er sicher nicht angerichtet. Nein, nein – man wollte einfach keine rechtspopulistische Regierung in Italien. Aus meiner Sicht kommt Mattarellas Vorgehen einem Staatsstreich gleich.

Dann hätten Sie es in Kauf genommen, dass ein Minister Savona Italien möglicherweise aus der Euro-Zone geführt hätte?

Cappelli: Ach, kommen Sie. Das würde nicht so rasch passieren – auch mit Savona nicht.

So oder so: Aufgrund der politischen Krise in Rom und der gigantischen Staatsschulden Italiens schwächelt der Euro wieder. Sie exportieren Ihre Panettoni auch ins grenznahe Ausland. Wie sehr würde Sie eine neuerliche Euro-Krise geschäftlich treffen?

Cappelli: Praktisch gar nicht. Ich verkaufe meine Produkte zum allergrössten Teil in der Schweiz – exportiert werden nur sehr wenige Exemplare. Aber generell wäre eine neue Euro-Krise natürlich schlecht.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat Italien schon weit über 60 Regierungen gehabt – eine Regierung hält im Schnitt etwas mehr als ein Jahr. Wie gehen Sie als Italiener mit diesem permanenten Politchaos um?

Cappelli: Ich schäme mich dafür. Wobei: Italien lebt politisch schon seit 2000 Jahren im Chaos…

Weshalb bringen es die Italiener einfach nicht auf die Reihe?

Cappelli: Viel zu viele Leute wollen an die Macht. Und die Verwaltung ist mächtiger als die Politiker. Solange das so ist, wird sich an den Zuständen in Italien nichts ändern, egal, welche Parteien bei den Wahlen gewinnen. Die Frage ist, wie lange die EU diesem Treiben noch zuschaut. Doch: Irgendwie geht es immer…

Dieses «Irgendwie geht es immer» sagt viel über die italienische Mentalität aus – die Italiener sind stark im Improvisieren, Lebenskünstler…

Cappelli: Ja. Aber das jetzt ist wirklich nur noch ein peinliches Gewurstel. Über 80 Tage haben sie an dieser Regierung gebastelt – erfolglos. Ein absoluter Kindergarten!

Sie haben in der Vergangenheit versucht, einen Sitz im italienischen Parlament zu ergattern. Haben Sie angesichts der aktuellen Ereignisse überhaupt noch Lust, sich nochmals für ein Amt in Ihrem Herkunftsland zu bewerben?

Cappelli: Nein. Für diesen Firlefanz ist mir meine Zeit zu schade.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.