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St.Galler Museumsdirektor knipst fürs Leben gern Schmetterlinge

Toni Bürgin lässt auch privat nicht von seinem Metier ab. Der Direktor des Naturmuseums fotografiert Schmetterlinge und dokumentiert die Artenvielfalt, seit er sich als 13-Jähriger die erste Kamera geleistet hat.
Seraina Hess
In Fotobüchern sammelt Museumsdirektor Toni Bürgin ausgewählte Aufnahmen der Tagfalter. (Bild: Ralph Ribi)

In Fotobüchern sammelt Museumsdirektor Toni Bürgin ausgewählte Aufnahmen der Tagfalter. (Bild: Ralph Ribi)

Toni Bürgin hat vergangene Woche sein liebstes Motiv vernachlässigt. Anstelle von Schmetterlingen kamen in den Ferien mit der Gattin Landschaften des südwestlichen Englands vor die Linse. Nicht, dass der Direktor des Naturmuseums St. Gallen das Tier aus den Augen verloren hätte. «Es ist besonders warm im Norden Europas, weshalb aussergewöhnlich viele Tagfalter unterwegs sind», beobachtete Bürgin. Wegen der Trockenheit würden aber Pflanzen verdorren, die den Raupen als Nahrung dienten.

Eine Stange Geld für die erste Spiegelreflex

Auch hier ist es trocken, doch gefährdet seien die einheimischen Tagfalter deshalb noch nicht – und denen gilt das Interesse des Museumsdirektors. Erwacht ist es, als er 13 oder 14 Jahre alt war. Gefördert durch die Naturverbundenheit der Familie, begünstigt durch den damaligen Wohnort im Grenzgebiet zwischen Baselland und Solothurn mit seinen zahlreichen Naturschutzgebieten. Eine Weile züchtete er Raupen auf Brennnesseln in Holzkästen, die ihm der Grossvater gefertigt hatte. Nur kurz ging er unter die Sammler, fing Schmetterlinge mit dem Kescher und schläferte sie in Gläsern ein, die einen mit Ether getränkten Wattebausch enthielten. Auf dem Spannbrett wurden sie fixiert und getrocknet. Wohl war ihm dabei nicht. «Heute ist das verboten, Tagfalter sind geschützt. Dient es nicht der Wissenschaft, ist auf das Fangen zu verzichten, zumal man mit der Kamera genug Eindrücke festhalten kann.» Das tat Bürgin kurz darauf auch. Durch Gartenarbeiten oder Einkäufe verdiente er etwas Geld und sparte so lange, bis es für die erste Spiegelreflex-Kamera reichte. Die Konica – damals die erste mit Blendenautomatik – kostete nicht nur eine Stange Geld. Sie war wegweisend für Toni Bürgins Bildersammlung der einheimischen Schmetterlinge. Obschon er sich im Zoologie-Studium mit Fischen auseinandersetzte, behielt er die Fotografie der Tagfalter bei. Bis heute zieht er los, wann immer er Zeit dazu findet. Er freut sich, wenn es ihm gelingt, den Apollofalter mit seinen roten Tupfen mindestens einmal pro Jahr zu sichten. Und noch mehr, wenn er einer Art begegnet, die ihm bisher noch nie vor die Linse geflogen ist – wie vor ein paar Wochen der Grosse Schillerfalter.

Über 10'000 Aufnahmen auf der Festplatte

Von den 200 in der Schweiz vorkommenden Schmetterlingen hat der Museumsdirektor inzwischen etwa einen Viertel festhalten können, insgesamt sind mehr als 10000 Aufnahmen entstanden. «Nur ein Bruchteil davon ist aber wirklich gelungen», ergänzt Bürgin. Einige Fotos schickt er jeweils dem «Tagblatt» als Leserbilder, andere verewigt er in Fotobüchern, die er interessierten Kollegen zeigt. Anderweitig ist es kaum möglich, sein Feuer für die Verwandlungskünstler zu teilen. «Es ist nicht gerade spannend für eine Begleitung, wenn ich eine halbe Stunde in einer Waldlichtung verharre.» Und je mehr Hektik verbreitet werde, desto eher bestehe die Gefahr, einen niedergelassenen Falter zu vertreiben.

Schmetterlinge zur Langzeitbeobachtung

Immerhin muss Toni Bürgin nicht in die Ferne schweifen. Die Motive findet er in der Region, in einem Waldstück ob Andwil beispielsweise, oder beim Wenigerweiher in St. Georgen. Auch auf kurzen «Streifzügen» – Spaziergängen mit seiner Frau – sei die Bridgekamera stets dabei. Sie hat das Modell aus der Jugendzeit längst ersetzt. Die Bilder zeugen von einem Auge für Gestaltung; bearbeitet sind sie aber nicht. «Ich habe nicht den Anspruch, professionell zu fotografieren. Ich bin ein Knipser, meine Kamera ist mein Notizbuch», sagt Bürgin. Ein Notizbuch, das inzwischen doch einem wissenschaftlichen Zweck dienen könnte. Wer Schmetterlinge über Jahre beobachtet, kann Rückschlüsse auf die Entwicklung ziehen. Etwa auf die Biodiversität der Schweizer Wiesen. In diesem Jahr seien wegen der hohen Temperaturen viele Tiere unterwegs – stellenweise wimmle es regelrecht davon. Für Bürgin eine glückliche Saison: Die Aufnahmen gelingen heuer beinahe en passant.

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