Ohne Parkplätze bricht der Umsatz ein: Wirte ärgern sich über neues Parkplatzregime auf dem St.Galler Marktplatz

Wirte und Unternehmer spüren die Parkplatzaufhebung am Marktplatz negativ. Die Anzahl Kunden und Gäste ist gesunken.

Christoph Renn
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Seit die Parkplätze auf dem Marktplatz fehlen, verzeichnen die umliegenden Restaurants weniger Gäste. (Bild: Michel Canonica)

Seit die Parkplätze auf dem Marktplatz fehlen, verzeichnen die umliegenden Restaurants weniger Gäste. (Bild: Michel Canonica)

Parkieren darf man auf dem St. Galler Marktplatz seit Ende März nicht mehr. Stolz präsentierte die Stadt anstelle von Abstellplätzen für Autos Sitzbänke für Fussgänger. Statt Parkfelder zeichnen farbige Symbole den Boden. Was den einen freut, ist aber auch in diesem Fall des anderen Leid. Die Rede ist von den Gastronomen und Unternehmern in direkter Nähe zum Marktplatz. Die Zahl der Gäste und Kunden sei seit dem neuen Parkplatzregime gesunken. «Unser Umsatz ist um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen», sagt Roland Wagner, Inhaber der Alpstein Drogerie. Auch Gastrounternehmer Peter Schildknecht spürt das neue Parkplatzregime. «Das Restaurant Marktplatz erwirtschaftet seit Ende März 20 Prozent weniger.»

Sowohl für Peter Schildknecht als auch für Roland Wagner ist die Sachlage klar: Schuld am Umsatzeinbruch sind die fehlenden Parkfelder. «Je näher das Geschäft am Marktplatz liegt, desto schlimmer die Situation», sagt Wagner. Ein Problem für sein Geschäft sei unter anderem, dass viele Kunden seines Kosmetikstudios zu spät kämen, weil die Parkhäuser in der Nähe schon am frühen Morgen überfüllt seien. Zudem würden einige den Weg in die Stadt ohne Auto schon gar nicht mehr auf sich nehmen. Sein Urteil ist deshalb vernichtend: «Die Parkplatzaufhebung war ein unüberlegter Blödsinn.»

Weniger Gäste besuchen ein Restaurant

Von einer desolaten Situation am Marktplatz spricht ein hörbar aufgebrachter Peter Schildknecht. «Tatsache ist, dass seit der Parkplatzaufhebung weniger Leute einkehren, vor allem am Abend.» Ihn störe, dass von dieser Massnahme der Stadt ältere Menschen am stärksten betroffen seien. Für viele sei es schwierig, ohne Auto ins Stadtzentrum zu gelangen. «Mit dem neuen Parkplatzregime wurde einigen das soziale Netzwerk zerstört», sagt Schildknecht. Es könne doch nicht sein, dass ältere Menschen an die Peripherie der Stadt verdrängt würden.

Schwierig ist das neue Parkplatzregime auch für den Imbissstand «Chez Fritz», der seit 45 Jahren auf Platz ist. «Ich habe viele treue Kunden verloren», sagt Inhaber Ameti Fazli. Früher hätten viele kurz parkiert, eine Wurst oder einen Hamburger gekauft und seien weitergefahren. Sein Vorschlag zur Verbesserung der Situation: «Es müsste zumindest möglich sein, kurz auf dem Marktplatz sein Auto abstellen zu dürfen.»

Den Marktplatz
wieder beleben

Etwas zurückhaltender äussern sich Ruedi Gamper vom Café Süd und Iseni Dzeki von der Pizzeria Da Giuseppe, ehemals «Hörnli», zum Parkverbot. «Wir merken, dass seit Ende März weniger Gäste in unsere Pizzeria kommen», sagt Dzeki. Er lebe nun aber seit 30 Jahren in der Schweiz und darum sei er sich sicher, dass am Ende am Marktplatz etwas Schönes entstehen werde. Ob dann die Gäste zurückkehren, könne er nur hoffen.

Ruedi Gamper hingegen sieht in der Parkplatzaufhebung positive Aspekte, aber auch negative: «Der Marktplatz ist für Anwohner und Fussgänger sicherlich attraktiver geworden. Die Situation für die Gastronomen und Unternehmer hat sich aber erschwert.» Schwierig sei es auch für Handwerker und Zulieferer geworden, einen geeigneten Platz zu finden. Wirtschaftlich spürt Gamper nur einen minimem Rückgang. Er sei auch ein Befürworter einer autofreien Innenstadt. Ihm fehle bei der Aufhebung der Parkplätze am Marktplatz aber ein gutes Konzept. «Das wäre die Gelegenheit gewesen, den Platz zu beleben», sagt Gamper. Und er liefert gleich einen möglichen Vorschlag zur Verbesserung: «Eine Möglichkeit wäre gewesen, den Markt bis zum Haus Union zu verlängern.»

Wirten fehlt
das Konzept

«Die Konzeptlosigkeit» des neuen Parkplatzregimes auf dem Marktplatz bemängelt auch Peter Schildknecht. «Mit dem Aufstellen von drei Bänken und etwas Farbe auf den Boden zu malen ist das Problem nicht gelöst.» Die Stadt hätte mit der Parkplatzaufhebung warten sollen, bis die Neugestaltung des Marktplatzes umgesetzt werde. «Auch die versprochene Kompensation der aufgelösten Parkfelder gibt es nicht.»

Der Umsatzrückgang für die anliegenden Gastronomen wiegt laut Schildknecht schwer. «Ich bin mir sicher, dass dies Folgen haben wird.» Im Gegenteil zu Iseni Dzeki setzt er auch wenig Hoffnung in die Marktplatzneugestaltung. «Der Schaden ist bereits angerichtet.»

Seit die Parkplätze auf dem Marktplatz fehlen, verzeichnen die umliegenden Restaurants weniger Gäste.