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«Haltlos und tatsachenwidrig»: St.Galler Parkhausbetreiberin wehrt sich gegen Kritik wegen zu hoher Parkgebühren

Weil die Parkgebühren in den Parkhäusern der St.Galler Innenstadt zu hoch sind, bleiben die Kunden weg. Dieser Ansicht sind elf Gewerbetreibende. Sie fordern, dass die Tarife der zentrumsnahen Parkhäuser an jene der Parkgaragen am Stadtrand angepasst werden. Bei der CityParking St.Gallen AG sorgt dieses Vorgehen und die im offenen Brief aufgeführten Vorwürfe für Kopfschütteln.
Das St.Galler Brühltor ist eines der Parkhäuser, das die CityParking St.Gallen AG betreibt. (Bild: Sandra D. Sutter)

Das St.Galler Brühltor ist eines der Parkhäuser, das die CityParking St.Gallen AG betreibt. (Bild: Sandra D. Sutter)

(stm) Die elf Einzelhändler und Unternehmer verweisen in ihrem offenen Brief auf eine aktuelle Untersuchung von Wüest Partner. Diese zeige, dass die Stadt St.Gallen eine überdurchschnittlich hohe Ladenfläche pro Einwohner habe – ein Überangebot. Laut den Unterzeichnenden liegt diesem Umstand eine einfache Erklärung zu Grunde: Die Stadt St.Gallen sei einst ein überregionales Zentrum gewesen, das Kunden aus dem Thurgau, aus dem Appenzellerland, dem Rheintal, dem Toggenburg und aus Vorarlberg angelockt habe. Diese Kunden habe man inzwischen zu einem grossen Teil verloren. In den Augen der Einzelhändler auch wegen der «verkehrten Verkehrspolitik». Im Schreiben heisst es:

«Unsere Innenstadt braucht Kunden und keine Parkhäuser mit einer unanständigen Rendite.»

Die Kunden von CityParking St.Gallen AG würden seit vielen Jahren einen Preis zahlen, den nicht betriebswirtschaftlich, sondern politisch motiviert sei. Heute mache sie bei einem Umsatz von 5,5 Millionen Franken einen Gewinn von 4,1 Millionen Franken, was einer Umsatzrendite von 75 Prozent entspreche.

Ein Dorn im Auge ist den Unterzeichnenden auch, dass sich die gleichen Behörden, die das Stadtzentrum seit Jahren in den «verkehspolitischen Würgegriff» nehmen würden, am Stadtrand einen anderen, grosszügigeren Kurs fahren würden. Die von der öffentlichen Hand mitfinanzierte Shopping Arena konkurrenziere heute die Innenstadt mit Parkgebühren, die deutlich weniger als die Hälfte der Gebühren der Brühltor-Garage ausmachen würden. Die Unterzeichnenden betonen: «Preiswerte Parkplätze machen einen wichtigen Teil der Attraktivität eines Einkaufsortes aus.»

Im Vergleich: Die Gebühren in St.Galler Parkhäusern

Angaben in Franken
Stunde Brühltor Brühltor (Samstag und Abendverkauf) Shopping Arena Gallusmarkt
0,5 2 2,4 1 0
1 2 2,4 1 0
2 4 4,8 2 0,5
3 6 7,2 3 1,5

Verkehrspolitik soll diskutiert werden

Mit dem von der Stadt und den St.Galler Wirtschaftsverbänden ins Leben gerufene Projekt «Zukunft St.Galler Innenstadt» sollen Massnahmen entwickelt werden, die wieder zu florierenden Geschäften und Restaurants im Stadtzentrum führen. Die Unterzeichnenden weisen in ihrem offenen Brief darauf hin, dass auch die Verkehrspolitik diskutiert werden müsse – und in diesem Zusammenhang die hohen Parkplatzgebühren. Die elf Unterzeichnenden schliessen ihre Forderung mit einer Metapher ab: «Mit Blick auf die Zukunft der Innenstadt St.Gallen als überregionales Einkaufszentrum ist es unerlässlich, dass sich die CityParking AG und die Stadtregierung als dominierende Mehrheitsaktionäre nicht länger als aktive Sterbebegleiter einer Innenstadt auf der Intensivstation verstehen.»

Unterschrieben haben den offenen Brief neben Kontaktperson Rico Baettig von Baettig Intercoiffure Parfumerie folgende zehn Einzelhändler und Unternehmer: Baumgartner und Co. AG, Bürowelt Schiff AG, Confiserie Roggwiler, Gschwend Bäckerei und Café, Jäckli und Seitz AG, Mode Weber, Olibell AG, Restaurant Bierfalken, Restaurant National zum Goldenen Leuen, Studer & Hänni.

Erstaunen und Unverständnis bei der CityParking St.Gallen AG

Bei der CityParking St.Gallen AG stossen die Vorwürfe der Gewerbetreibenden auf Unverständnis. Verwaltungsratspräsident Elmar Jud zeigt sich erstaunt darüber, dass sich die Unterzeichnenden lediglich über die Parkhaustarife bei der CityParking St.Gallen AG beschweren würden.

«Die anderen dem Parkleitsystem angeschlossenen Parkhäuser verfügen über gleich hohe oder teilweise höhere Parkgebühren.»

Weiter schreibt er in seiner Antwort auf den offenen Brief, dass es unzulässig sei, dass ausschliesslich die Parkgebühren von Einkaufszentren mit ihren lediglich am Donnerstagabend und am Samstag geltenden Spezialtarifen verglichen würden. «So bleibt unberücksichtigt, dass unser Parkhaus Stadtpark/AZSG als günstigstes Parkhaus der Stadt St.Gallen lediglich einen Parkgebührentarif von 1.60 Fr./Std. aufweist und unsere Normaltarife (2.00 Fr./Std.) in den Parkhäusern Brühltor und Burggraben denjenigen in den andern Parkhäusern entsprechen», hält Jud fest.

Auch die Unterstellung, dass die Parkgebühren nicht betriebswirtschaftlich, sondern politisch motiviert seien, weist Jud zurück. Man habe nicht 4,1 Millionen Franken Gewinn erwirtschaftet, da seit 2017 fast 2,9 Millionen Franken Abschreibungen auf den Parkhäusern hätten vorgenommen werden müssen. Nach Finanzaufwand und Steuern sei ein Jahresgewinn von 698‘000 Franken übrig geblieben. Trotzdem habe man eine «sehr hohe Dividende» von über einer Million Franken ausgeschüttet, schreibt Jud und ergänzt:

«Interessant ist dabei, dass einzelne der Mitunterzeichner des offenen Briefes von dieser grosszügigen Dividendenauszahlung als Aktionäre selber profitieren.»

Weiter wolle er sich zu den «ebenso haltlosen wie tatsachenwidrigen Ausführungen» nicht äussern – dafür fehle ihm heute die Zeit. An die Adresse von Kontaktperson Rico Baettig schreibt Jud abschliessend: «Sollten Sie Interesse an einem Dialog haben, stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.»

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