Kommentar

St.Galler Kulturkonzept 2020: Es ist höchste Zeit für eine Kulturdebatte

Alles in allem ist der Entwurf fürs Kulturkonzept 2020 gelungen, findet «Tagblatt»-Stadtredaktor Reto Voneschen. Umso wichtiger sei es jetzt, das Konzept nicht im stillen Kämmerlein weiterzuentwickeln, sondern es auf den Prüfstand einer parlamentarischen Kulturdebatte zu stellen.

Reto Voneschen
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«Tagblatt»-Stadtredaktor Reto Voneschen.

«Tagblatt»-Stadtredaktor Reto Voneschen.

Nach der Präsentation des Entwurfs ist der Weg frei fürs neue Kulturkonzept der Stadt St.Gallen. Im nächsten Schritt überarbeitet die Kulturförderung das Papier: Es fliesst das Feedback jener ein, die am partizipativen Prozess teilgenommen haben. Viel Arbeit ist auch noch zur Konkretisierung von Details nötig. Erlassen wird das Kulturkonzept erst 2020 vom Stadtrat. Er entscheidet auch, wie es danach weitergehen soll.

Am Stadtkulturgespräch vom Montagabend war seitens der städtischen Verantwortlichen oft die Rede von Transparenz bei Entwicklung und Umsetzung des neuen Konzepts. Wenn dem Stadtrat wirklich an Transparenz gelegen ist, beschliesst er das Kulturkonzept jetzt nicht im stillen Kämmerlein. Es ist höchste Zeit für eine kulturpolitische Auslegeordnung im Stadtparlament. Dessen Meinung ist nämlich alles andere als unwichtig: Es wird, wenn’s um die Finanzen für die Kultur geht, ein gewichtiges Wörtchen mitreden – sei’s im Rahmen des Budgets, sei’s bei Einzelvorlagen.

Falsch wäre, wenn der Stadtrat das neue Kulturkonzept beschliesst und es nach dem Zufallsprinzip dem Parlament zur Kenntnisnahme zuleitet – zusammen mit der erstbesten, möglichst auch noch kontroversen Kulturvorlage. Das würde eine Grundsatzdebatte stark erschweren; im schlimmsten Fall könnte das Konzept selber durch eine Schlammschlacht über eine Detailvorlage ins Zwielicht geraten. Und damit wäre dann auch eine wunderbare Chance vertan, mit positiver Aussenwirkung über die Zukunft der Kulturstadt St.Gallen zu reden.