St.Galler Kulturkonzept 2020 auf der Zielgeraden: Ein Haus für die freie Szene bleibt ein Thema

Der Entwurf fürs neue Kulturkonzept steht. Am Montagabend wurde er Kulturschaffenden und Politikern vorgestellt. Die Reaktionen darauf waren mehrheitlich positiv. Die Stadt hat sich für die kommenden Jahre aber auch einiges vorgenommen.

Reto Voneschen
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An zwei Forumsveranstaltungen im August und Dezember 2018 konnten Kulturschaffende ihre Wünsche ans neue Kulturkonzept einbringen. Im Bild: Gruppenarbeit in der Lokremise. (Bild: Simon Netzle - 15. August 2018)

An zwei Forumsveranstaltungen im August und Dezember 2018 konnten Kulturschaffende ihre Wünsche ans neue Kulturkonzept einbringen. Im Bild: Gruppenarbeit in der Lokremise. (Bild: Simon Netzle - 15. August 2018)

Das Kulturkonzept soll die Richtung vorgeben, in die sich die Kulturstadt St.Gallen im nächsten Jahrzehnt entwickelt. In seiner Endfassung finden sich idealerweise die grossen Linien der Kulturpolitik genauso wie die vielen kleinen Details, die eine lebendige und vielfältige Kulturszene ausmachen.

Auf dem Weg zum Kulturkonzept 2020 sind seine Macherinnen und Macher am Montagabend auf die Zielgerade eingebogen. Am diesjährigen Stadtkulturgespräch präsentierten Stadtpräsident Thomas Scheitlin sowie Barbara Affolter und Kristin Schmidt von der Kulturför­derung den Entwurf des neuen Kulturkonzeptes.

Ins Papier sind unter anderem die Resultate von zwei Forumsveranstaltungen im August und Dezember 2018 eingeflossen. Und der Stadtrat hat es in einer ersten Lesung gutgeheissen. Die Reaktionen auf den Entwurf waren am Montagabend mehrheitlich positiv.

Das Feedback vom Stadtkulturgespräch wird nun ebenfalls ins Papier einfliessen. Zudem wird er durch die Kulturförderung weiter konkretisiert und bis ins Detail ausgearbeitet. Das Resultat wird der Stadtrat in der zweiten Jahreshälfte erneut begutachten und mit allfälligen politisch motivierten Korrekturen als Kulturkonzept 2020 in Kraft setzen.

Interessante Ideen zur Förderung der Vielfalt

Dieses Kulturkonzept sieht Massnahmen in sechs Handlungsfeldern vor. Diese sind «Vielfalt pflegen», «Verbindungen stärken», «Teilhabe stärken», «Neues ermöglichen», «Kultur kommunizieren» und «Schnittstellen etablieren».

Was gefällt? Was missfällt? Arbeiten mit Postit-Zettelchen am zweiten Forum zum Kulturkonzept 2020 Anfang Dezember 2018. (Bild: Simon Netzle - 4. Dezember 2018)

Was gefällt? Was missfällt? Arbeiten mit Postit-Zettelchen am zweiten Forum zum Kulturkonzept 2020 Anfang Dezember 2018. (Bild: Simon Netzle - 4. Dezember 2018)

Mit die interessantesten Neuerungen sieht der Entwurf fürs Kulturkonzept im ersten Handlungsfeld vor: Eine Massnahme zur Pflege der kulturellen Vielfalt ist die Schaffung eines professionell geführten Hauses mit Arbeitsräumen sowie Aufführungs-, Ausstellungs- und Koproduktionsräumen für die freie Szene.

Es soll zudem Gastspiele auswärtiger Gruppen ermöglichen. Die Schaffung dieses Hauses, das in den beiden Foren des Partizipationsverfahrens immer wieder als Bedürfnis genannt wurde, soll ausdrücklich nicht auf Kosten bestehender Atelier- und Proberäume gehen.

Planungssicherheit für freie Gruppen

Erheblich weniger spektakulär, aber für die Betroffenen nicht minder wichtig ist eine zweite Massnahme, nämlich der Abschluss mehrjähriger Fördervereinbarungen mit wichtigen und kontinuierlich arbeitenden Gruppen der freien Szene. Weil so die Fördermittel über mehrere Jahre garantiert sind, wird diese Massnahme den davon Betroffenen mehr Planungssicherheit geben.

Der Start zum Partizipationsverfahren im August 2018 in der Lokremise. (Bild: Simon Netzle - 15. August 2018)

Der Start zum Partizipationsverfahren im August 2018 in der Lokremise. (Bild: Simon Netzle - 15. August 2018)

Aus den Perspektiven bis 2030 des Stadtrats leitet sich die Massnahme ab, künftig gezielt Kulturveranstaltungen mit Potenzial zu nationaler und internationaler Ausstrahlung zu fördern. Dafür wird die Kulturförderung Mittel brauchen; diese sollen nach Auskunft in der Fragerunde vom Montagabend aber nicht durch Einsparungen bei der Förderung der «Kleinen» gewonnen werden.

Neu entwickelt werden sollen Förderkriterien für die Kulturvermittlung sowie für soziokulturelle Veranstaltungen und Angebote. Konkret könnten aus einem dieser Töpfe, so sie denn wirklich geschaffen werden, Beiträge für Angebote wie das Musical-Kinder-Theater Storchen kommen. Darüber, dass dieses heute bei der Förderung leer ausgeht, wurde in den vergangenen Wochen und Monaten politisch diskutiert.

«Mut zum Scheitern» bei Kulturschaffenden fördern

Neues ermöglichen möchte der Entwurf des Kulturkonzepts 2020 durch zusätzliche Werkbeiträge. Heute werden jährlich sechs von ihnen verliehen. Neu soll zudem die Möglichkeit geschaffen werden, dass bei einem selber geplanten, mit einem Werkbeitrag finanzierten Auslandaufenthalt ein zusätzlicher Beitrag an die Lebenshaltungskosten ausgerichtet werden kann.

Mit Werkbeiträgen, so hiess es am Stadtkulturgespräch vom Montagabend, könne der Mut zum Scheitern, also die Risikobereitschaft und die Bereitschaft von Kulturschaffenden, sich auf Experimente einzulassen, gefördert werden.

Ein Veranstaltungskalender mit Buchungssystem

Im Handlungsfeld «Kultur kommunizieren» ist eine Massnahme bereits in der Umsetzung. Es handelt sich um eine Veranstaltungsagenda verbunden mit einem Buchungssystem für die darin aufgeführten Anlässe. Auf Nachfrage bestätigte Barbara Affolter von der Kulturförderung, dass dafür konkrete Ideen vorhanden sind und dass am Projekt auf Seiten der Stadt wie von interessierten Dritten gearbeitet wird.

Weiter sieht der Entwurf des Kulturkonzeptes 2020 vor, Kunst im öffentlichen Raum und Baukultur sichtbarer zu machen. Ebenfalls angedacht ist eine «Kulturanzeige» im Hauptbahnhof. Sie soll für die breite Öffentlichkeit sichtbar machen, welche Kulturangebote gerade aktuell sind.

Stadt St.Gallen will ihre Kulturförderung umbauen

Am Montagabend hat in der Lokremise das zweite öffentliche Forum zur Entwicklung eines neuen Stadtsanktgaller Kulturkonzepts stattgefunden. Die dort erarbeiteten konkreten Massnahmen für die Kulturförderung sollen in einen Konzeptentwurf einfliessen, der Anfang Juni 2019 vorliegen soll.
Reto Voneschen