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St.Galler Künstlerin Lika Nüssli als Nomadin unterwegs: Farbige Tücher und ein alter Bus

Lika Nüssli reist in einem umgebauten Postauto einmal quer durch die Schweiz. Die St.Galler Künstlerin nutzt das Gefährt als Atelier und Wohnmobil und zeigt ab Samstag Performances im öffentlichen Raum.
Reto Voneschen
Lika Nüssli schwenkt eines ihrer farbigen Leintücher vor dem Lattich-Bau im alten St.Galler Güterbahnhof. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo - 13. Juni 2019)

Lika Nüssli schwenkt eines ihrer farbigen Leintücher vor dem Lattich-Bau im alten St.Galler Güterbahnhof. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo - 13. Juni 2019)

Noch ist das Postauto nicht da. Erst am Samstag wird es in St.Gallen ankommen. «Ein riesiges, schönes, altes Postauto», sagt Lika Nüssli. Elf Meter lang, drei Meter hoch, zehn Tonnen schwer. Die St.Galler Künstlerin wird das Gefährt zwei Wochen lang als fahrendes Atelier und Wohnmobil nutzen. Sie reist dabei einmal quer durch die Schweiz, bis nach Genf.

Start im Lattich und im Frauenpavillon

Los geht es mit zwei St.Galler Plätzen: Am Samstag, 14 Uhr, wird das Postauto vor dem Lattich-Bau im alten Güterbahnhof stehen. Am Sonntag wird Lika Nüssli dann beim Frauenpavillon im Stadtpark anzutreffen sein. «Man kann kommen und dabei sein, und ich schwatze auch gerne mit den Leuten», sagt die 45-Jährige.

«NomadLab», nomadisches Labor, nennt sich das alte Postauto. Hinter dem Projekt steckt der gleichnamige Verein, der das Fahrzeug verschiedenen Künstlern zur Verfügung stellt. «Ein umgebautes Postauto bietet Raum und Rahmen für Ausstellungen, Workshops, Veranstaltungen oder Interventionen», heisst es im Projektbeschrieb. «NomadLab» soll professionelles Kulturschaffen öffentlich sichtbar machen. Das Postauto soll gleichzeitig «soziale Skulptur, Wandermuseum und Projektraum» sein.

Begehbare Installationen entstehen vor Ort

Lika Nüssli nimmt einiges Gepäck mit auf ihre Reise. Zum einen Mätteli und Schlafsack für die Nacht. Vor allem aber Farben, Leintücher und grossflächige Papierbögen. «Und Holzlatten, damit ich meine Gebilde machen kann.» Die Künstlerin wird vor Ort nämlich nicht im traditionellen Sinn zeichnen und malen, sondern auch Tücher färben und diese zusammen mit Holzlatten zu begehbaren Installationen montieren.

«Action dehors» nennt Nüssli ihre Art des Kunstschaffens im öffentlichen Raum. Dieses Performance-Zeichnen habe sie in den vergangenen Jahren für sich entdeckt und weiterentwickelt. «Es macht mir Spass, die Atmosphäre eines Orts aufzunehmen und mit den Menschen in Kontakt zu treten.»

Malen in der illegalen Zeltstadt

Sie tut dies regelmässig, an den unterschiedlichsten Orten und unter verschiedensten Bedingungen, sei es auf Club- und Theaterbühnen, in Kunsträumen oder auf der Strasse. Im vergangenen Jahr hat sie ihre Tücher zum Beispiel am Canal Saint-Martin in Paris ausgebreitet, wo Flüchtlinge eine illegale Zeltstadt errichtet hatten. Dort redete sie, den Pinsel in der Hand, mit Migranten. Dort malte sie weiter, nachdem Polizei und Hilfsorganisationen das Camp geräumt hatten.

Künstlerin Lika Nüssli vor dem Lattich-Neubau in St.Gallen.

Künstlerin Lika Nüssli vor dem Lattich-Neubau in St.Gallen.

Anschliessend hängte sie die Tücher im Kunstraum in Dornbirn auf. Diese Installation «Drawinghell 7» war so gross und raumgreifend, dass Nüssli zum Malen eine Hebebühne benutzen musste. Vor kurzem ist die St.Gallerin von einer zweiwöchigen Reise nach Palästina zurückgekehrt. Sie hatte dort ihre Schwester begleitet und konnte dank deren Kontakten auch den Gazastreifen besuchen.

Im Gepäck hatte die Künstlerin ein farbiges Tuch, das sie während der Reise so lange waschen wollte, bis es zur weissen Friedensfahne würde. «Magic Peace Ritual», magisches Friedensritual, nannte Nüssli ihr künstlerisches Unterfangen, das sie schnell mit der Bevölkerung vor Ort in Kontakt brachte. «Die Leute waren berührt, viele halfen mir beim Waschen.» Ganz weiss sei das Tuch aber nicht geworden – immerhin hellblau.

Das Wetter zeichnet mit

Solche Begegnungen schätzt Nüssli an ihren Zeichnungsperformances. «Den direkten Kontakt mit allem», wie sie sagt. Mit den Menschen, dem Standort und auch dem Wetter:

«Ich arbeite mit Wasserfarben. Wenn es regnet, verändern sich die Bilder deshalb stark.»

Diese Unwägbarkeiten seien ebenfalls Teil ihrer Performance-Kunst: «Ich finde es aufregend, nicht alles im Griff zu haben.»

Von St.Gallen bis Genf: Der Tourplan

Lika Nüssli macht zuerst in St.Gallen Halt und bricht danach zu ihrer Tour auf. Zwei Gastmusiker begleiten sie: Roland Bucher mit der Klanginstallation «Noise Table» und der St.Galler Marc Jenny mit dem Kontrabass.

Die einzelnen Stationen.
Samstag, 15. Juni: Lattich, Güterbahnhof, St.Gallen (Performance 21 Uhr).
Sonntag, 16. Juni: Frauenpavillon im Stadtpark, St.Gallen (Lesung 19 Uhr).
17.–19. Juni: Park-Platz Letten, Zürich.
20.–22. Juni: NF49 Seetalplatz, Luzern.
24.–25. Juni: Terrain Gurzelen, Biel.
27.–30. Juni: BIG Biennale, Genf.
4.–12. Juli: Schützenmatte, Bern.

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