St.Galler Krawalle
650 statt 500: Stadtpolizei korrigiert Zahl der Kontrollen – und hebt erste Wegweisungen auf

Am Ostersonntagabend hat die Stadtpolizei St.Gallen 650 Wegweisungen ausgestellt – 150 mehr als ursprünglich kommuniziert. Wer seine Wegweisung für ungerechtfertigt hält, kann sich nun bei der Polizei melden. Knapp 30 Personen haben das bis am Mittwochabend bereits getan, bei deren neun wurde die Wegweisung aufgehoben.

Perrine Woodtli
Merken
Drucken
Teilen
Die Polizei führte am vergangenen Osterwochenende zahlreiche Personenkontrollen am Bahnhof St.Gallen und in der Innenstadt durch.

Die Polizei führte am vergangenen Osterwochenende zahlreiche Personenkontrollen am Bahnhof St.Gallen und in der Innenstadt durch.

Raphael Rohner

650. So viele Wegweisungen für 30 Tage hat die Stadtpolizei St.Gallen am Ostersonntagabend ausgesprochen, wie diese am Mittwoch mitgeteilt hat. Das sind 150 mehr als ursprünglich gemeldet. Wie ist das möglich? Hat sich die Polizei verschätzt? Roman Kohler, Leiter Kommunikation Stadtpolizei St.Gallen, verneint. «Wir haben uns nicht verschätzt. Bei so vielen Wegweisungen dauert es einfach entsprechend, bis alle erfasst sind», sagt er und ergänzt:

Roman Kohler, Leiter Kommunikation Stadtpolizei St.Gallen.

Roman Kohler, Leiter Kommunikation Stadtpolizei St.Gallen.

PD
«Es war uns wichtig, direkt nach dem Einsatz zu informieren, damit Transparenz bezüglich des Vorgehens herrscht.»

Nun, da alle Wegweisungen bekannt seien, kommuniziere die Polizei diese ebenfalls im Sinne der Transparenz.

Mehr Zeit als am Sonntagabend

Die zahlreichen Wegweisungen haben bei den Betroffenen teilweise Unmut ausgelöst. Wie es in der Mitteilung der Stadtpolizei nun heisst, sei sie gesprächsbereit. Personen, die der Auffassung sind, sie seien zu Unrecht weggewiesen worden, können sich bei der Stadtpolizei melden (mailbox.polizei@stadt.sg.ch). Persönliche Gespräche sind laut Kohler nicht vorgesehen. Bei Bedarf sei ein Telefongespräch möglich.

Doch wie genau will die Polizei im Nachhinein verifizieren, ob die Wegweisung gerechtfertigt war oder nicht? Kohler sagt:

«Anders als am Sonntagabend haben wir nun mehr Zeit, um zu prüfen, ob jemand glaubhaft erläutern kann, ob er wegen der Gewaltaufrufe in der Stadt war oder nicht.»

Im Weiteren bestehe die Möglichkeit, offene Fragen zu klären. Beispielsweise, dass man sich trotz Wegweisung in der Stadt St.Gallen aufhalten darf, um zur Schule oder zur Arbeit zu gehen.

Am Ostersonntagabend griff die Polizei rigoros durch: Insgesamt 650 Wegweisungen hat sie ausgestellt.

Am Ostersonntagabend griff die Polizei rigoros durch: Insgesamt 650 Wegweisungen hat sie ausgestellt.

Bild: Raphael Rohner

Betroffene haben auch die Möglichkeit, gegen die Verfügung Rekurs beim Kanton einzureichen. «Wir empfehlen aber, sich bei uns zu melden. In berechtigten Fällen können wir eine Wegweisung aufheben. Mit einem Rekurs dauert das sicher länger», sagt Kohler.

Bis am Mittwochabend haben sich laut dem Polizeisprecher 29 Personen bei der Polizei gemeldet. Neun Wegweisungen seien aufgehoben worden, an vier Wegweisungen habe die Polizei festgehalten. Drei Personen hätten zudem nur Fragen gehabt, womit sich derzeit noch 13 Anfragen in Abklärung befänden. Man rechne damit, dass sich noch weitere Personen melden. Insbesondere Personen, die in St.Gallen wohnen. Wie viele das sein werden, könne man aktuell noch nicht abschätzen.

Unverständnis bei Betroffenen und in der Bevölkerung

Die vielen Wegweisungen führten nicht nur bei vielen Betroffenen zu Unverständnis, sondern auch in Teilen der Bevölkerung. Will die Polizei mit ihrem Entgegenkommen nun etwas die Wogen glätten? Man sei sich bewusst gewesen, dass die vielen Wegweisungen Fragen aufwerfen, sagt Roman Kohler. Von der grossen Zahl sei auch die Polizei «durchaus überrascht»:

«Wir haben an einem Sonntag normalerweise gar nicht so viele junge Menschen in der Stadt. Insbesondere jetzt, wo grundsätzlich nichts offen ist.»

Mit den Wegweisungen habe die Polizei erneute Ausschreitungen mit Verletzten und Sachschaden verhindern können. Für Ostersonntag musste mit einer dritten Krawallnacht innert weniger Tage gerechnet werden. «Dass wir nun im Nachgang das Gespräch anbieten, war geplant und wurde auch so kommuniziert.»

Derweil kursiert im Netz bereits ein erneuter Aufruf für diesen Freitagabend. Droht jenen Personen, die am Freitag in die Stadt wollen, Ähnliches, wie jenen am Sonntagabend? Man habe Kenntnis vom Aufruf, aber noch nicht festgelegt, wie man mit diesem umgehe, sagt Kohler. Die Polizei werde aber wieder kommunizieren, wie sie vorgehe. «Zudem gehen wir davon aus, dass weggewiesene Personen diesem Aufruf nicht folgen, da sie sonst eine Strafanzeige in Kauf nehmen.»