St.Galler Kinderbetreuung: Neue Kitas eröffnen, alte bauen ihr Angebot aus

Weil der kostendeckende Tagessatz für Krippenplätze die anfallenden Ausgaben schon lange nicht mehr zu decken vermag, schreiben viele Kitas rote Zahlen. Trotzdem wird das Angebot in St.Gallen fortlaufend erweitert.

Seraina Hess
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Kitas sind gefragt, der Tarif kann aber nicht immer alle Kosten decken. Die Anforderungen an die Betreuung sind gestiegen. (Bild: Michel Canonica)

Kitas sind gefragt, der Tarif kann aber nicht immer alle Kosten decken. Die Anforderungen an die Betreuung sind gestiegen. (Bild: Michel Canonica)

Ein Blick in die Jahresrechnungen der städtisch subventionierten Krippen zeigt: Mit einem Gewinn konnte 2017 nur noch die Hälfte aufwarten. Gemäss Bericht des Stadtrates kämpften Betriebe, die Verluste verzeichnen mussten, vorwiegend mit einer zu tiefen Auslastung. Trotz dieser Entwicklung entstehen in St.Gallen immer wieder neue Krippen, andere bauen ihr Angebot aus.

Darauf verzichten jene, die rote Zahlen geschrieben haben – so wie die Kinderkrippe Tutti Frutti. Um Kosten zu optimieren, hat sie ihre beiden Standorte zusammengelegt: Die Krippe an der Falkenstrasse im Grossacker wurde aufgehoben und in jene an der Lettenstrasse im Heiligkreuz integriert. Insgesamt umfasst die Krippe jetzt 36 Plätze. Die Auslastung liegt – auch aufgrund des kürzlichen Umzuges – noch bei 90 Prozent. «Wir erwarten aber, dass wir bald komplett besetzt sind», sagt Vereinspräsidentin und Finanzchefin Benedetta Fiore.

Benedetta Fiore, Vereinspräsidentin der Kinderkrippe Tutti Frutti im Heiligkreuz. (Bild: pd)

Benedetta Fiore, Vereinspräsidentin der Kinderkrippe Tutti Frutti im Heiligkreuz. (Bild: pd)

Die Verluste der Krippe führt sie nicht auf eine zu geringe Auslastung zurück, sondern auf die Personalkosten: «Früher gab es die Tendenz, viele Praktikanten einzustellen – Arbeitskräfte, die günstig sind. Davon haben wir längst Abstand genommen.» Praktikantinnen, die eingestellt würden, könnten bei Tutti Frutti eine Lehre beginnen und würden nach Möglichkeit weiterbeschäftigt. Und das kostet. Genauso wie Fachpersonal, das nicht mit zu grossen Kindergruppen belastet werden soll, um den Ansprüchen an die Betreuung gerecht zu werden.

Unbegrenzt subventionierte Plätze machen attraktiv

Fluch und Segen zugleich sind den Krippenbetrieben die Anfang Jahr abgeschafften Kontingente städtisch subventionierter Krippenplätze. Noch bis im Vorjahr hat die Stadt nur 330 Krippenplätze mitfinanziert, verteilt auf die Krippen, mit denen eine Leistungsvereinbarung besteht. Nicht alle Eltern, die aufgrund ihres Einkommens Anspruch auf einen solchen Platz hatten, haben ihn auch bekommen. Diese Ungleichbehandlung wurde beendet, indem das Stadtparlament die Abschaffung der Begrenzung beschloss: Wer heute Anspruch auf einen vergünstigten Krippenplatz hat, bekommt ihn auch.

Das macht die Krippen für Eltern insgesamt attraktiver, sagt Benedetta Fiore. Allerdings fördere es auch den Konkurrenzkampf unter den Kindertagesstätten: Inzwischen besitzen mehr Krippen eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt, andere haben ihr Angebot und somit die Anzahl Betreuungsplätze ausgebaut.

Wie Stadträtin Sonja Lüthi bestätigt, wird das Angebot auch im laufenden Jahr immer grösser. Der Verein Chinder-hus Grütli eröffnete einen zweiten Standort mit zwölf Plätzen. Die Kita Zauberlehrling hat einen neuen, grösseren Standort mit zusätzlichen Plätzen bezogen. Die Hotelkrippe wurde ins Subventionssystem aufgenommen. Schon im August wird die Krippe der Waldkinder eröffnet, im Oktober eine weitere namens Pippalina.

Auch Externe dürften sich hier ansiedeln

Es gibt aber auch Kitas, die von der neuen Regelung wenig spüren: Sie hatten schon vor der Änderung auch jene Plätze belegt, die sie zum vollen Preis anbieten mussten. Grund dafür sind gut verdienende Eltern im Einzugsgebiet, die sich durch ihr Einkommen ohnehin nicht für einen subventionierten Krippenplatz qualifizierten. Das berichtet eine Krippenleiterin, die namentlich nicht erwähnt werden möchte.

Keine roten, sondern schwarze Zahlen schreibt der mit vier Standorten grösste Krippenanbieter St.Gallens: Fiorino. Verwaltungsratspräsident Jacques Hefti bestätigt allerdings, dass die Kosten aufgrund zunehmender Anforderungen an Infrastruktur, Sicherheit und Personal gestiegen sind. «Und da der Tagessatz wirklich nur kostendeckend ist, können wenige zusätzliche Ausgaben bereits ausschlaggebend sein.»

Dass sich die Abschaffung der Kontingentierung spürbar auf die Gesamtauslastung der Krippen auswirkt, bezweifelt Hefti. «Es besteht eine gewisse Balance: Zwar profitieren Eltern mit tiefem Einkommen von mehr subventionierten Plätzen – der Mittelstand kompensiert aber mit höheren Beiträgen.» Hefti vermutet, dass sich künftig auch externe Krippenanbieter, die in anderen Teilen des Landes aktiv sind, hier ansiedeln werden: «Verglichen mit dem Schweizer Durchschnitt ist der Versorgungsgrad hier nicht am oberen Ende der Skala angelangt.»