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St.Galler Kantischüler wecken Lust auf Politik

Jugendlichen eilt der Ruf voraus, politisch passiv und angepasst zu sein. Gar von Politikverdrossenheit ist die Rede. An diesem Image wollen drei Schüler etwas ändern. Sie haben an der Kantonsschule am Burggraben den ersten Politiktag ins Leben gerufen.
Christina Weder
Am ersten Politiktag an der Kantonsschule am Burggraben üben sich Schülerinnen und Schüler im Debattieren. (Bild: Ralph Ribi)

Am ersten Politiktag an der Kantonsschule am Burggraben üben sich Schülerinnen und Schüler im Debattieren. (Bild: Ralph Ribi)

Die beiden Kantonsschüler Timon Reich und Christian Valmaggia sind «eine Ausnahme». Das sagen sie zumindest über sich selbst. In ihrer Freizeit beschäftigen sie sich mit Politik. Sie diskutieren über politische Grundsätze und übers Weltgeschehen. «Uns ist schnell aufgefallen, dass sich unsere Mitschüler nicht in gleichem Masse dafür interessieren. Das wollten wir ändern», sagt der 17-jährige Timon Reich. Zusammen mit Federico Mejia Enriquez, dem Präsidenten der Schülerorganisation, haben sie an der Kantonsschule am Burggraben den ersten Politiktag auf die Beine gestellt.

Tatsächlich gilt die Jugend seit Jahren als politisch passiv, angepasst, ja gar als politikverdrossen. Das Jugendbarometer 2018 der Credit Suisse kommt zum Schluss, junge Erwachsene seien kaum bereit, für ein Anliegen auf die Strasse zu gehen. Politisches Engagement landet in der Studie auf dem drittletzten Platz von 28 möglichen Prioritäten. Auch bei Abstimmungen sind Jugendliche unterdurchschnittlich vertreten.

Kein neues Schulfach, dafür ein Politiktag

An der Kantonsschule am Burggraben ist man sich der Problematik bewusst. «Unsere Schulabgänger sind im Bereich der politischen Bildung zu wenig gerüstet», sagt Prorektor Pierre Gentil. Die Einführung eines entsprechenden Schulfachs werde zwar schweizweit diskutiert. Doch das Problem sei, dass man schon genügend Fächer und Schulstunden habe. Um dennoch einen Schritt in Richtung politische Sensibilisierung zu machen, wurden am Montag mehrere Maturaklassen zum ersten Politiktag eingeladen.

Die drei organisierenden Schüler haben viel Zeit in die Vorbereitungen gesteckt. Timon Reich ist überzeugt: Es liege nicht grundsätzlich an seiner Generation, dass sie politisch passiv sei.

«Man müsste das Interesse stärker wecken und den Funken entfachen.»

Das war auch das Ziel des Politiktags. «Wir wollten zeigen, dass Politik nicht so langweilig und kompliziert ist, wie es auf den ersten Blick scheint.»

Verbaler Schlagabtausch

Als übergeordnetes Thema wählten die drei Schüler «Demokratie». Am Montagmorgen luden sie die Politikwissenschafter Claude Longchamp, Christoph Frei und Silvano Moeckli als Referenten ein. Am Nachmittag diskutierten die Schüler in Gruppen über verschiedene Themen. Timon Reich lancierte etwa eine Pro-Kontra-Debatte über Organspende und Videoüberwachung. Im Klassenzimmer lieferten sich die Teilnehmer einen verbalen Schlagabtausch. Von Politikverdrossenheit keine Spur.

Hinterher zeigte sich im Gespräch mit ein paar Jugendlichen: Der Politiktag ist gut angekommen. Sie würden sich wünschen, häufiger zu diskutieren – so zum Beispiel der 18-jährige Heider Aneni: «Ich finde es spannend zu hören, was andere Leute um mich herum denken. Und zu schauen, ob ich ihnen zustimme oder anderer Meinung bin.» Am Politiktag habe zwar die Zeit gefehlt, in die Tiefe zu gehen. «Aber es war ein Anfang.»

Noch nicht bereit, sich einer Partei anzuschliessen

Auch Anna Rechsteiner findet, politische Bildung komme in der Schule zu kurz. Sie versuche, sich gut zu informieren. Dennoch könne sie sich im Moment nicht vorstellen, Mitglied einer Partei zu werden. «Ich bin noch zu wenig weit, um mich zu 100 Prozent einer Meinung anzuschliessen und mich festzulegen», sagt die 18-Jährige. Ähnlich wie ihr geht es auch den anderen befragten Jugendlichen. Sie hätten zu wenig Ahnung und seien noch unsicher, wo sie politisch stehen, sagen sie.

Für den 17-jährigen Rafael Hug hat Politik ein eher angestaubtes Image. Er sei interessiert – aber es komme aufs Thema an. Vor allem Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit haben es ihm angetan. Ein Schulfach in politischer Bildung würde er begrüssen: «Die Schule muss ja nicht gleich Politiker schmieden, aber sie sollte fördern, dass sich Jugendliche eine Meinung bilden.» Seine Mitschülerin Carmen Konrad sagt, im Kollegenkreis setze sie sich wenig mit Politik auseinander. Deshalb fände es die 17-Jährige gut, wenn es in der Schule vor Abstimmungen Diskussionsrunden geben würde.

Am Ende des Politiktages ziehen Timon Reich und Christian Valmaggia vom Organisationsteam eine positive erste Bilanz. «Wenn wir ein paar Leute für das begeistern konnten, was uns interessiert, haben wir unser Ziel erreicht», sagt Valmaggia. Es werde sich zeigen, wie nachhaltig der Politiktag war. Der 17-Jährige bleibt realistisch: «Ein Tag alleine wird wohl keine grosse Veränderung bewirken.»

In kleineren Gruppen liefern sich Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule einen verbalen Schlagabtausch. (Bild: Ralph Ribi)

In kleineren Gruppen liefern sich Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule einen verbalen Schlagabtausch. (Bild: Ralph Ribi)

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