St.Galler Jahrestage 2020: Vom Marktrecht übers regelmässige Duschen bis zur ersten Frau in der Stadtregierung

Bedeutende Jahrestage sind 2020 für die Stadt St.Gallen dünner gesät als in den beiden Vorjahren. Trotzdem werfen Ereignisse, die sich jetzt jähren, interessante Schlaglichter auf die Stadtgeschichte.

Reto Voneschen
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Das Karlstor wurde einst als Separateingang fürs Kloster St.Gallen angelegt. Heute ist es das einzige erhaltene Stadttor von St.Gallen. Es soll vor 450 Jahren durch den Mailänder Kardinal und Erzbischof Karl Borromäus «eingeweiht» worden sein.

Das Karlstor wurde einst als Separateingang fürs Kloster St.Gallen angelegt. Heute ist es das einzige erhaltene Stadttor von St.Gallen. Es soll vor 450 Jahren durch den Mailänder Kardinal und Erzbischof Karl Borromäus «eingeweiht» worden sein.

Bild: Benjamin Manser
  • Vor 850 Jahren
    1170 wird das Marktrecht der Stadt St.Gallen erstmals in einer Urkunde erwähnt.
  • Vor 450 Jahren
    Das Karlstor, das einzige erhaltene St.Galler Stadttor, wird 1569/70 als Separateingang des Klosters gebaut. Seinen Namen verdankt es Kardinal und Erzbischof Karl Borromäus, der es am 26. und 27. August 1570 als erster hoher Würdenträger offiziell benutzt haben soll.
  • Vor 400 Jahren
    1620 gründen acht Männer ein Collegium musicum (nicht zu verwechseln Collegium Musicum St.Gallen von 1982). Sie legen den Grundstein für den ältesten existierenden Chor der Stadt. Er nennt sich heute Oratorienchor St.Gallen.
  • Vor 175 Jahren
    Der die Stunde ausrufende Nachtwächter wird durch Polizeipatrouillen ersetzt.
  • Vor 175 Jahren
    Am 2. Oktober 1845 wird das Bürgerspital eingeweiht. Es löst das Heiliggeistspital in der Altstadt ab.
  • Vor 175 und 150 Jahren
    1845 eröffnete der Arzt Theodor Hahn auf der Unteren Waid eine Wasserheilanstalt. Sie wurde 1870 auf einem Nachbargrundstück durch das Kurhaus Obere Waid abgelöst.
  • Vor 125 Jahren
    Der 1. Mai 1895 ist in der Entwicklung der Stadtsanktgaller Wasserversorgung ein wichtiges Datum: Neu bezieht die Stadt ihr Trink- und Brauchwasser auch aus dem Bodensee. Zuerst aus einem Wasserwerk im Rietli bei Goldach, seit 1998 aus dem Seewasserwerk Frasnacht.
  • Vor 125 Jahren
    Eher ein Kuriosum ist die Meldung, dass Soldaten in der Stadtkaserne auf der Kreuzbleiche (abgerissen 1980) seit 1895 regelmässig duschen müssen. Mediziner, die die Hygiene fördern wollen, haben die damals nicht von allen Betroffenen geliebte Massnahme durchgesetzt.
  • Vor 100 Jahren
    1920 wird über die Pläne von Architekt Rudolf Pfändler diskutiert, eine Anlage zur Durchführung olympischer Spiele zu bauen. Dafür soll die Bernegg eingeebnet und das Tal der Demut aufgefüllt werden. Auf der «Hochebene» der Bernegg hätte auch ein Flugplatz entstehen sollen.
  • Vor 100 Jahren
    Als Antwort auf die Stadtverschmelzung von 1918 wird 1920 der Einwohnerverein Bruggen gegründet. Die Bröggler befürchteten, in Gross-St.Gallen nicht mehr gehört zu werden. Dagegen gründeten sie einen als Selbsthilfeorganisation verstandenen Verein.
  • Vor 100 Jahren
    Heuer würde Walter Roderer 100-jährig werden. Der Volksschauspieler und Kabarettist wurde am 3. Juli 1920 in St. Gallen geboren. Seine Paraderolle im Theater ist der 1288 Mal gespielte «Mustergatte», seine bekannteste Filmrolle jene des Buchhalters Nötzli. Roderer starb am 8. Mai 2012 in Illnau.
  • Vor 75 Jahren
    Am 8. Mai 1945, 20 Uhr, verkünden die Glocken aller Kirchen der Stadt das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. In St.Laurenzen wird ein Dankgottesdienst abgehalten.
  • Vor 75 Jahren
    Am 16. Juni 1945 erfolgt der Spatenstich für den heutigen Botanischen Garten.
  • Vor 50 Jahren
    Ab Anfang Januar 1970 gingen an der Kantonsschule am Burggraben die Wellen hoch: Die Schulleitung hatte den Eltern eines Liebespaares empfohlen, ihre Sprösslinge von der Schule zu nehmen. Da es sich um eine Dreiecksgeschichte handelte, wurde einem weiteren Schüler «ein Ultimatum gestellt». Die Schüleraktion «Rotes Herz» protestierte gegen diese Strafen, der Fall zog weite Kreise, wurde zum Skandal und machte national Schlagzeilen.
  • Vor 50 Jahren
    Am 16. Februar 1970 gründen 21 Personen den Naturschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung. Er entwickelt sich zur grössten lokalen Naturschutzorganisation der Schweiz.
  • Vor 50 Jahren
    Am 27. September 1970 lehnt das Stimmvolk einen Ausbau der Hochschule St.Gallen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (HSG) auf dem Rosenberg ab. Die Ära der permanenten und bis heute anhaltenden Raumnot an der Uni beginnt. Erleichterung könnte endlich der 2019 bewilligte Bau eines zweiten grossen Campus am Platztor bringen.
  • Vor 50 Jahren
    Am 1. Dezember weist St.Gallen eine vorher und nachher nie mehr erreichte Bevölkerungszahl von über 80'000 Personen auf. Nach Zählweise der Stadt wohnen damals 80'079, nach Zählweise des Bundes 80'852 Personen in St.Gallen. Die Bevölkerungszahlen vom Oktober und November 2019 liegen nahe an den bisherigen Rekordwerten von 1970.
  • Vor 50 Jahren
    Einer der lokalen Kulturskandale nimmt 1970 seinen Anfang: Das Kunstwerk «Gran Esquinçal» von Antoni Tapiès wird als Geschenk einer Textilfirma ins Foyer des neuen Stadttheaters gehängt und löst prompt eine anhaltende Kontroverse darüber aus, ob es dorthin gehöre.
  • Vor 25 Jahren
    Am 20. Januar 1995 wird die erste Fest- und Hochzeitsmesse im Olma-Areal eröffnet.
  • Vor 25 Jahren
    Das Museum im Lagerhaus eröffnet am 11. März 1995 seine heutigen Räume an der Davidstrasse 44.
  • Vor 25 Jahren
    Über Ostern 1995 lösen illegal im Grabenpärklein aufgestellte und von der Stadt postwendend abtransportierte Dinosaurier-Eisenplastiken von Christian Bösch einen kleinen Kunststreit aus.
  • Vor 25 Jahre
    Ende September 1995 tritt mit Helen Kaspar die erste Frau in der Stadtregierung aus gesundheitlichen Gründen zurück. Mit Helen Kaspar sassen und sitzen bisher erst sieben Frauen im St.Galler Stadtrat. Es waren dies neben Helen Kaspar noch Liana Ruckstuhl (1995-2004), Elisabeth Béery (2001-2012), Barbara Eberhard (2005-2012), Patrizia Adam (2013-2016), Maria Pappa (seit 2017) und Sonja Lüthi (seit 2018).
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