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St.Galler Hausverwaltung sperrt brütende Alpensegler aus

Es kommt jeden Sommer vor: In Dächern brütende Segler oder Schwalben werden durch Bauarbeiten von ihren Bruten abgeschnitten. In einem Haus in St.Gallen hatte das jetzt für Alpensegler ein Happy End. Naturschützer loben das rasche und konsequente Handeln der Behörden.
Reto Voneschen
Ein Alpensegler im Anflug. Von Schwalben unterscheiden sich die Segler durch ihre schlanken, sichelförmigen Flügel. Der Alpensegler weist einen weissen Bauch auf, während Mauersegler einförmig grau-braun gefärbt sind. (Bild: PD)

Ein Alpensegler im Anflug. Von Schwalben unterscheiden sich die Segler durch ihre schlanken, sichelförmigen Flügel. Der Alpensegler weist einen weissen Bauch auf, während Mauersegler einförmig grau-braun gefärbt sind. (Bild: PD)

Zuoberst im Mehrfamilienhaus an der Burgstrasse 74 brüten seit Jahren Alpensegler. Die flinken Flieger gelangen durch einen Spalt in der Untersicht ins Dach, wo sie ihre Eier legen, ausbrüten und ihre Jungen grossziehen. Gestört haben die unauffälligen Vögel, die beim Brutgeschäft weder viel Krach machen noch ihren Kot auf der Fassade hinterlassen, in all den Jahren offenbar niemanden.

Zum Vergleich: Der wesentlich häufiger jvorkommende Mauersegler. (Bild: PD)

Zum Vergleich: Der wesentlich häufiger jvorkommende Mauersegler. (Bild: PD)

Über die Flugkünste der Vögel, die fast ihr ganzes Leben in der Luft verbringen, gefreut hat sich hingegen mindestens ein Nachbar. Er war es auch, der am Donnerstag Alarm geschlagen hat: Am Vormittag rückten Arbeiter an, die die Öffnungen in der Dachuntersicht mit Blechen abdichteten.

Das löste bei den erwachsenen Alpensegler, die mit Futter zu ihren Jungen wollten, grosse Aufregung aus. Die Tiere flatterten immer wieder vor den verschlossenen Zugängen zu ihren Nestern. Der Nachbar informierte daraufhin ein ihm bekanntes Mitglied des städtischen Naturschutzvereins und dieses gelangte an die Stadtbehörden.

Das Mehrfamilienhaus Burgstrasse 74. (Bild: Marco Cappellari)

Das Mehrfamilienhaus Burgstrasse 74. (Bild: Marco Cappellari)

Das Resultat lässt sich sehen: Die Tierschutzbeauftragten der Stadtpolizei, die städtische Fachstelle Natur und Landschaft sowie deren Seglerberatung wurden aktiv. Die Hausverwaltung, die das Abdichten der Einfluglöcher in Auftrag gegeben hatte, wurde kontaktiert. Und am späten Nachmittag konnten die Alpensegler wieder zu ihren Nestern im Hausdach gelangen.

Es ist strafbar, brütende Vögel zu stören

Dass das Öffnen der Schlitze im Dach so schnell vor sich ging, hat einen Grund: Die Rechtslage ist glasklar. So verbietet das Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wild lebender Säugetiere und Vögel die Störung Letzterer beim Brutgeschäft. Egal, was für Vögel in einem Dach nisten: Wer ihnen den Weg versperrt oder ihre Nester zerstört, macht sich strafbar.

Im Fall der stark gefährdeten Alpen- und Mauersegler geht der Schutz noch weiter: Für ihre Niststandorte legt das Eidgenössische Natur- und Heimatschutzgesetz fest, dass sie erhalten bleiben müssen. Ihre Zerstörung ist strafbar. Und wenn man durch einen Hausabbruch doch nicht darum herum kommt, muss Ersatz geschaffen werden.

Hat der Fall rechtliche Konsequenzen?

Die Stadt habe im Fall der Burgstrasse 74 «vorbildlich» gehandelt, gibt sich ein Ornithologe befriedigt, der dem städtischen Naturschutzverein nahe steht. Angesichts dessen, dass hier klare Vorschriften, die Hausverwaltungen und spezialisierten Handwerkern geläufig sein müssten, verletzt worden seien, bleibe nur zu hoffen, dass der Fall auch rechtliche Konsequenzen haben werde. In ähnlichen Fällen wurden in Stadt und Kanton St.Gallen schon Bussen verhängt.

Der mit dem silberfarbenen Blech abgedeckte Schlitz an der Untersicht des Daches an der Burgstrasse 74. Rechts dunkel ist ein wieder geöffneter Zugang zu erkennen. (Bild: Reto Voneschen)

Der mit dem silberfarbenen Blech abgedeckte Schlitz an der Untersicht des Daches an der Burgstrasse 74. Rechts dunkel ist ein wieder geöffneter Zugang zu erkennen. (Bild: Reto Voneschen)

Für Gaby Schneeberger, die im Auftrag der Stadt St.Gallen die Seglerberatung betreut, war es an der Burgstrasse 74 auch noch aus einem anderen Grund wichtig, sofort zu reagieren: Alpensegler seien sehr standorttreue Vögel. Sie nisteten Jahre für Jahr an den gleichen Stellen. Wenn man ihnen den Weg zu ihren Nestern abschneide, gäben sie diese relativ rasch auf und kämen auch im nächsten Jahr nicht mehr zurück. Gerade für diese Segler werde es angesichts ständig kompakterer und dichteter Bauten aber immer schwieriger, neue Nistgelegenheiten zu finden. Wolle man die Art erhalten, müsse man bestehende Brutkolonien unbedingt erhalten.

Sensibilisierung ist eine Daueraufgabe

Fälle wie an der Burgstrasse 74 gibt es immer wieder, stimmen Ornithologe und Seglerberaterin überein. Oft aus Unwissenheit, ab und zu «sehenden Auges» würden Vögel beim Brutgeschäft gestört. Wobei dafür bei Seglern schon das Aufstellen eines Gerüstes reichen könne. Hauseigentümer und Handwerker für das Thema zu sensibilisieren, sei eine Daueraufgabe für die Behörden, die bei Verstössen aktiv werden müssten.

Als Hilfe für jene, die bauen wollen, stellt die Stadt St.Gallen im Internet (www.stadt.sg.ch) Broschüren und Infos zur Verfügung. In einem Inventar im elektronischen Stadtplan finden sich zudem die Bauten, in denen Alpen- und Mauersegler sowie Schwalben nisten. Und wer bauen will, kann sich auch an die Seglerberatung wenden.

Alpen- und Mauersegler im Klosterviertel

Wer mehr über Alpen- und Mauersegler erfahren will, ist am kommenden Mittwoch, 27. Juni, beim Programm «Natur findet Stadt» richtig. Es bietet - zufälligerweise kurz nach dem Vorfall an der Burgstrasse 74 - den Rundgang «Mauer- und Alpensegler beobachten» an. Treffpunkt dafür ist um 19.30 Uhr am Eingang zur Kinder- und Schutzengelkapelle auf dem Klosterplatz. (vre)

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