St.Galler Hauseigentümerverband stellt sich gegen neues Busdepot im Lerchenfeld

Zu viel Bus, zu wenig S-Bahn: Der Hauseigentümerverband kritisiert das «überdimensionierte» Busangebot von St.Gallen

Sandro Büchler
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Der Hauseigentümer äussert Kritik an einem geplanten Busdepot im Westen der Stadt.

Der Hauseigentümer äussert Kritik an einem geplanten Busdepot im Westen der Stadt.

Bild: Michel Canonica

«Klar, der öffentliche Verkehr ist wichtig für St.Gallen als Dienstleistungs- und Wohnstandort», sagt Remo Daguati, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands (HEV) der Stadt St.Gallen. Nun müsse aber ein Umdenken in puncto ÖV stattfinden. In einer gestern veröffentlichten Mitteilung kritisiert der HEV:

«Das Überangebot bei den VBSG-Linien soll zugunsten einer gestärkten städtischen S-Bahn überarbeitet werden.»
Remo Daguati, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands der Stadt St.Gallen

Remo Daguati, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands der Stadt St.Gallen

Bild: PD

Daguati sagt, das Busnetz der Stadt St.Gallen sei «überdimensioniert». Er plädiert deshalb für eine Verlagerung der Kapazitäten vom Bus auf die Schiene. «Nur mit der S-Bahn lassen sich schnelle, kurze Fahrzeiten erzielen.»

«Vom Viertelstundentakt weit entfernt»

Daguati ist seit Jahren einer der grössten Kritiker der St.Galler Verkehrsplanung. Grund für die neuerliche Kritik ist nun der Fahrplanentwurf 2021. Darin gebe es zwar Lichtblicke, so der HEV: etwa schnellere Verbindungen nach Zürich und München. Auch, dass beim Bahnhof Bruggen annähernd ein Halbstundentakt möglich werde, lobt der Verband. «Generell ist man aber weit davon entfernt, einen annähernden Viertelstundentakt für die Stadtbahnhöfe, insbesondere auch Haggen, zu erreichen.»

In St.Gallen Haggen halten nur noch wenige Züge.

In St.Gallen Haggen halten nur noch wenige Züge.

Bild: Urs Bucher

In anderen Städten zeige sich, dass grosse Passagieraufkommen nur über eine S-Bahn abgewickelt werden, sagt Daguati. In St.Gallen würde stattdessen zu stark auf Busse gesetzt.

«Kaum kommt es irgendwo zu einem Engpass, realisiert man eine neue Buslinie.»

Er nennt die Linie von Wittenbach ins Zentrum von St.Gallen als Beispiel, wo bei Engpässen Busse statt S-Bahn-Verbindungen ausgebaut werden.

Der HEV fordert deshalb ein Entschlacken bei den Buslinien, wodurch sich allenfalls auch die Zahl der Stadtbusse reduzieren liesse. Entsprechend könne auch auf den «kostspieligen» Bau eines neuen Busdepots im Lerchenfeld verzichtet werden. An der Ecke Zürcher- und Rechenstrasse wollen die Technischen Betriebe St.Gallen für rund 100 Millionen Franken ein neues Busdepot realisieren.

Geht es nach dem Willen der Stadt, soll auf dem Areal an der Ecke Zürcherstrasse und Rechenstrasse soll ein neues Busdepot gebaut werden.

Geht es nach dem Willen der Stadt, soll auf dem Areal an der Ecke Zürcherstrasse und Rechenstrasse soll ein neues Busdepot gebaut werden.

Bild: Benjamin Manser (26. Oktober 2018)

HEV warnt vor verstopfter Zürcher Strasse

Die Forderung sei nicht primär als Antwort auf das vor kurzem vom St.Galler Stadtrat präsentierte Corona-Sparpaket zu verstehen, präzisiert Daguati. Zwar könne man mit dem Verzicht auf ein neues Busdepot einen erheblichen Beitrag ans städtische Sparprogramm leisten. «Aber dem HEV geht es um eine mittel- bis langfristige Sichtweise.» Denn ein neues Depot ergebe während der jahrelangen und dringend nötigen Instandsetzung der Stadtautobahn und dem Teilprojekt einer dritten Röhre für den Rosenberg keinen Sinn.

«Die Zürcher Strasse würde mit den ausströmenden Bussen zusätzlich belastet, der Flaschenhals beim Autobahnzubringer Kreuzbleiche und die Zufahrten von Westen zur Innenstadt weiter abgeschnürt.»

Seine Kritik richtet der HEV in erster Linie an den Stadtrat. «Unsere Forderungen sind aber auch als Signal an den Kanton zu verstehen.»

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