St.Galler haben 10000 Stunden in die Zeitvorsorge investiert

 195 Personen haben in St.Gallen in über 10000 Stunden Betagte in ihrem Leben unterstützt und ihnen Gesellschaft geleistet. Das ist Rekord. Diese Zahl soll aber weiter steigen.

Christoph Renn
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Die Stiftung Zeitvorsorge wächst von Jahr zu Jahr. Heute profitierein insgesamt 328 Personen vom Angebot. (Bild: Bild:Getty)

Die Stiftung Zeitvorsorge wächst von Jahr zu Jahr. Heute profitierein insgesamt 328 Personen vom Angebot. (Bild: Bild:Getty)

Die Stiftung Zeitvorsorge der Stadt St. Gallen wächst seit ihrer Gründung im Jahr 2014 stetig. Ein Blick in den Jahresbericht 2018 zeigt, dass die Anzahl registrierter Mitglieder 195 Zeitvorsorgende und 133 Leistungsbeziehende beträgt. «Insgesamt haben die Freiwilligen im vergangenen Jahr knapp über 10000 Einsatzstunden geleistet», sagt Geschäftsführerin Claudia Kraus. Dies entspricht einem Wachstum von 288 Stunden gegenüber dem Vorjahr. Die Zeitvorsorge soll es Älteren ermöglichen, solange wie möglich bei sich daheim wohnen zu bleiben. Personen zwischen 60 bis 80 Jahren unterstützen die Betagten im Alltag. Die geleisteten Stunden werden dann dem Zeitvorsorgenden gutgeschrieben.

Diese Entwicklung freut Claudia Kraus. Wichtiger als die blossen Zahlen sei jedoch, dass die Mitglieder – die Zeitvorsorgenden oder die Leistungsbeziehenden – mit dem Angebot zufrieden seien. «Wir haben bisher nur positive Rückmeldungen von beiden Seiten erhalten.» Die Zufriedenheit wird durch den Umstand unterstrichen, dass ein Grossteil der eingetretenen Mitglieder noch immer dabei sei.

Die Zeitvorsorge wird stetig ausgebaut

Die Zahlen aus dem vergangenen Jahr sind für die Geschäftsführerin erfreulich, doch das Projekt ist noch lange nicht am Ziel. «Wir wollen die Zeitvorsorge in der Stadt St. Gallen stetig ausbauen», sagt Claudia Kraus. Wer sie anmelde, müsse jedoch geduldig sein, denn nicht immer gebe es auch genügend oder passende Engagements. Es sei schwierig, an Betagte zu gelangen, die vom Angebot profitieren könnten. «Deshalb wollen wir unsere Zusammenarbeit mit den vier Spitex-Organisationen in der Stadt weiter verbessern und durch ihre Netzwerke an hilfsbedürftige Personen gelangen.» Zudem sei ihr der qualitative Anspruch sehr wichtig. Sprich: «Die Betagten und die Helfer müssen zueinander passen.»

Ein Erfolg mit internationaler Strahlkraft

Vom Erfolg der St. Galler Stiftung haben auch Gemeinden, Städte und internationale Delegationen gehört. Im Oktober konnte im Rahmen einer ordentlichen Sitzung der Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten des Kantons die Idee der Zeitvorsorge vorgestellt werden. «In Rorschacherberg, Goldach und Rorschach wurden in der Folge sogar bereits erste Gespräche aufgenommen.» Zudem nehme die Ausdehnung des Angebots in der ganzen Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein Fahrt auf. Im Kanton Thurgau und im Liechtenstein wurden politische Vorstösse zu Thema Zeitvorsorge eingereicht. «In Rapperswil-Jona wurde sogar schon eine Steuergruppe gegründet», sagt Kraus. «Wir haben sogar Anfragen aus China und Taiwan erhalten», sagt Claudia Kraus. Wegen der Einkind-Politik gebe es in China ein grosses Problem mit der Altersbetreuung. Zudem würden die Kinder oft nicht mehr in der Nähe ihrer Eltern wohnen. «China ist deshalb auf der Suche nach neuen Ideen.»

www.zeitvorsorge.ch

BETREUUNG: Die Zeitvorsorge soll wachsen

Die Stiftung Zeitvorsorge wird im Dezember fünf Jahre alt. Der Stadtrat hat die Einrichtung aus diesem Anlass evaluieren lassen. Der Bericht zieht zwar eine positive Zwischenbilanz, ortet bei Kosten und Leistungen aber noch Potenzial.
Luca Ghiselli