St.Galler Gewerbler lernen Instagram und Co.

Fast jeder Ladenbesitzer weiss inzwischen: Social-Media-Kanäle können das Geschäft fördern - sofern sie richtig genutzt werden. Nachhilfe bekommen St.Galler Gewerbetreibende am ersten Social Media Tag.

Seraina Hess
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Das Gewerbe bekommt Nachhilfestunden von Fachleuten. (Bild: Fotolia)

Das Gewerbe bekommt Nachhilfestunden von Fachleuten. (Bild: Fotolia)

Viele Nutzer sozialer Medien stören sich an der Werbung auf ihrer bevorzugten Plattform. Vor allem, wenn sie Überhand nimmt und gefühlt die Hälfte des angeklickten Videos aus Promo-Sequenzen besteht. Trotz des Ärgers wird schon manch ein User auf ein Posting eines Produktes oder einer Dienstleistung geklickt haben, sofern diese ansprechend waren. Und genau das ist das Ziel der «Social Media Days», lanciert von St. Gallen-Bodensee Tourismus, Pro City und der First Media Schweiz AG. Es sind längst nicht mehr nur Grosshändler und Onlineshops mit ausgeklügelten Marketing-Konzepten, die auf Werbung über Facebook oder Instagram setzen. Selbst die Kleinen wollen zeigen, wo es das knusprigste Bürli, die günstigste Versicherung oder, wie im Fall von Romano Prader, die hochwertigsten Uhren gibt.

Prader ist einer der Teilnehmer am ersten Social Media Day, der St. Galler Gewerbetreibenden von Grund auf zeigen soll, wie die Kanäle zu nutzen sind – und zwar richtig. Denn eine Facebook-Seite oder ein Instagram-Account sind schnell eröffnet. Das weiss auch First-Media-Inhaber Raphael Saxer, der die Tagung mit seinem Team leitet.

«Viele probieren etwas aus, posten einmal hier und da etwas, aber ohne jegliche Strategie dahinter.»

Der rote Faden im Online-Auftritt fehle vielen Unternehmen, nicht nur dem St. Galler Gewerbe. So kommt es gemäss Saxer durchaus vor, dass ein Geschäft in der Zeitung ein Inserat schaltet, aber nicht in den Google-Suchergebnissen auftaucht, weil sich darum niemand gekümmert hat.

Romano Prader, Inhaber Labhart Chronometrie.

Romano Prader, Inhaber Labhart Chronometrie.

Facebook-Seite existiert, ist aber noch leer

Romano Prader setzt seit jeher auf Printwerbung und wird diese auch nicht vernachlässigen, zumal sie wirkt. Social Media ist für den Geschäftsmann Neuland, das er als Ergänzung nutzen will. «Eine Facebook-Seite existiert schon eine ganze Weile. Wir haben sie bisher aber noch nicht bespielt.» Frei nach dem Motto: Entweder man macht es richtig, oder man lässt es ganz. Die Tagung am Dienstag soll aus der leeren Seite bald ein digitales Schaufenster machen. Labhart Chronometrie dient den Veranstaltern als Beispiel: Saxer und sein Team werden vor den Teilnehmern ein Konzept für den Uhrenladen ausarbeiten.

Raphael Saxer, Inhaber First Media Schweiz AG.

Raphael Saxer, Inhaber First Media Schweiz AG.

«Zahlen vermittelnde Kurse, die Unternehmern beibringen sollen, wie wichtig Social Media sind, gibt es viele», sagt Saxer. Nur nützten sie wenig, wenn die Ladenbesitzer danach doch nicht wüssten, wie sie die Plattformen nutzen sollen. Beim Gewerbe ist aufgrund der Zielgruppe der 30- bis 60 Jährigen Facebook der beliebteste Kanal. Im Gegensatz zu Snapchat, auf dem vor allem jüngeres Klientel vertreten ist. Im Fall von Labhart Chronometrie setzt Raphael Saxer auf Google My Business, Facebook, Instagram und LinkedIn. Gemessen wird das Ergebnis der Massnahmen im Frühling an einem zweiten «Social Media Day». Nicht an Followerzahl, Likes oder Bewertungen, sondern am Umsatz des Geschäfts. Im Fall eines Hotels der Region sei schon gelungen, diesen nach dem gezielten Einsatz sozialer Medien um 170 000 Franken zu steigern.

Wirkung durch Umfragen ermitteln

Inwiefern dieses Ergebnis mit Social Media zusammenhängt, kann beispielsweise durch Umfragen in Form von Wettbewerben ermittelt werden. Ein schwieriges Unterfangen bleibt die Ursachenforschung trotzdem, sagt Ralph Bleuer, Präsident von Pro City und Geschäftsführer der Papeterie Markwalder: «An der Kasse sagt uns niemand, ob er aufgrund eines Facebook-Eintrags in den Laden gekommen ist.»

Wie gross das Bedürfnis des Gewerbes nach Social-Media-Nachhilfe tatsächlich ist, wird sich noch zeigen. Das Interesse an der Tagung vom 23. Oktober in den Gaststuben zum Schlössli, die für Mitglieder von Pro City und St. Gallen-Bodensee Tourismus kostenlos ist, halte sich noch in Grenzen, sagt Raphael Saxer. 30 Anmeldungen sind bisher eingegangen. Romano Praders Einschätzung: «Social Media haben beim Gewerbe in der Region noch immer schlafenden Charakter.» Ändern könnte sich dieser Umstand in den nächsten Monaten aber in mindestens einem Geschäft.