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«Massiver, störender Eingriff»: Wiler SVP-Kantonsrat fordert Verbot der Festspiele am St.Galler Dom

Der SVP-Kantonsrat Erwin Böhi möchte die St.Galler Festspiele auf dem Klosterplatz per Gesetz verbieten. Die Theaterbühne verstelle den Platz während der touristischen Hauptsaison. Böhi nimmt mit seinem Anliegen schon den zweiten Anlauf.
Roger Berhalter
Bereicherung der Kulturlandschaft oder Störfaktor? Bühne und Zuschauertribüne der diesjährigen St.Galler Festspiele. (Bild: Urs Bucher)

Bereicherung der Kulturlandschaft oder Störfaktor? Bühne und Zuschauertribüne der diesjährigen St.Galler Festspiele. (Bild: Urs Bucher)

«Herzlich willkommen auf der Baustelle der St.Galler Festspiele»: Mit diesen Worten begrüsst derzeit eine grosse Infotafel auf dem Klosterplatz die Passanten. Eine Grafik unterteilt die Wiese vor dem Dom in eine rote und mehrere grüne Flächen. Auf den grünen dürfen sich die Besucher des Klosterplatzes nach wie vor aufhalten. Die rote Fläche hingegen ist gesperrt. Unübersehbar stehen dort Bühne und Zuschauertribüne der St.Galler Festspiele. Ab 28. Juni wird hier die Oper «Il trovatore» von Giuseppe Verdi aufgeführt.

Eine asiatische Touristengruppe sucht Schutz im Schatten der Stahlkonstruktion, ein Touristenpaar studiert eine weitere Infotafel, auf der ein greller Schriftzug warnt: «Achtung Gefahr».

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Die grosse Festspielbühne vor dem Dom ist Erwin Böhi schon länger ein Dorn im Auge. Der SVP-Kantonsrat spricht von einer «Verschandelung des Stiftsbezirks». Er versteht nicht, weshalb an diesem Standort ein Bau in dieser Grössenordnung erlaubt ist, warum dort eine solche «Mammutveranstaltung» über die Bühne gehen kann. Die Festspiele seien ein «massiver, störender Eingriff» in den Stiftsbezirk.

Touristen seien irritiert ob der Stahlkonstruktion

Zähle man die Auf- und Abbauarbeiten dazu, bleibe die Klosterwiese jedes Jahr rund drei Monate lang für die Öffentlichkeit teilweise gesperrt. «Dieser Zeitraum fällt mit der touristischen Hauptsaison zusammen und in- und ausländische Besucherinnen und Besucher sind irritiert ob den sperrigen Stahlkonstruktionen, den Plastikwänden und den Holzkulissen, die den Klosterplatz verunstalten.» Dies schreibt Böhi in einer Motion, die er nächste Woche im Kantonsrat einreichen möchte.

Erwin Böhi, SVP-Kantonsrat aus Wil

Erwin Böhi, SVP-Kantonsrat aus Wil

Ginge es nach dem Wiler, dürften auf dem Klosterplatz keinerlei kommerzielle Veranstaltungen bewilligt werden. Dadurch würde der besonderen kulturellen Bedeutung des Platzes als Weltkulturerbe Rechnung getragen und dessen Nutzung bliebe der Bevölkerung vorbehalten. Deshalb möchte Böhi das kantonale Strassengesetz anpassen, das den St.Galler Klosterplatz explizit aufführt.

In Zukunft sollen auf der Wiese nur noch «nicht-kommerzielle und zeitlich auf einzelne Tage beschränkte Veranstaltungen, ohne Aufbauten wie namentlich Bühnen, Tribünen oder Verkaufsstände» zulässig sein, schreibt Böhi in seinem Vorstoss.

Er habe nichts gegen die Festspiele, betont Böhi im Gespräch immer wieder. Er habe auch schon mehrere Aufführungen besucht. Bei Tageslicht betrachtet, sei die Bühne aber ein Störfaktor und stehe am falschen Ort. Laut Böhi gäbe es andere und sogar bessere Standorte für die Theaterbühne. Auf der Kreuzbleiche beispielsweise wäre deutlich mehr Platz vorhanden.

Zahlreiche Reaktionen erhalten

Mit seiner Motion nimmt Erwin Böhi schon den zweiten Anlauf, um die Festspiele vom Klosterplatz zu verbannen. Schon im vergangenen August hat er im Kantonsrat eine Einfache Anfrage zum Thema eingereicht. Nun geht er mit der Motion einen Schritt weiter, indem er eine Gesetzesänderung fordert. Dies obwohl die Kantonsregierung wenig Verständnis für seine Kritik gezeigt hat. Nein, das sei keine Zwängerei, sagt Böhi:

«Die Reaktionen auf meinen ersten Vorstoss haben mich motiviert, das Thema weiterzuverfolgen. Ich habe noch nie so viele Rückmeldungen erhalten.»

Es gab zum Beispiel einen Anwohner, der Böhi ein mehrseitiges Dokument schickte. Seit 2008 hatte der Mann akribisch notiert, wann der Aufbau der Festspielbühne jeweils begann und wann der Rasen wieder für die Öffentlichkeit freigegeben wurde. Es gab auch eine Stadtführerin, die Böhi gesagt habe, sie wisse oft nicht, was sie den Touristen erzählen soll, wenn sie mit ihnen im Sommer an der Stahlkonstruktion vorbeispaziere.

In der Junisession des Kantonsrats von kommender Woche möchte Erwin Böhi seine Motion einreichen. Er hofft, dass möglichst viele Ratskollegen sein Anliegen unterzeichnen werden. Mit einer Stellungnahme der Regierung rechnet er noch vor der Herbstsession.

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