St.Galler Fasnachtsehrung: Sechs, die auch das Zeug zum Ehren-Födlebürger hätten

Am Samstag, 20 Uhr, wird beim Vadian-Denkmal der 46. Ehren-Födlebürger der St.Galler Fasnacht gekürt. Wer es ist, bleibt bis dahin geheim. Die «Tagblatt»-Stadtredaktion benennt drei Frauen und drei Männer, die den Gang vor die Konfettikanone ebenfalls verdient hätten.

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Am Samstag muss der 46. Ehrenföbü vor die Kanone treten, wie die 44. Föbine Géraldine Brot 2018.

Am Samstag muss der 46. Ehrenföbü vor die Kanone treten, wie die 44. Föbine Géraldine Brot 2018.

Bild: Michel Canonica (11. Februar 2018)

Der mutige Programmchef

Christof Huber, Open-Air-Direktor.

Christof Huber, Open-Air-Direktor.

Bild: Ralph Ribi

(ren) Es gehört zur Stadt St.Gallen wie die Bratwurst: das Open Air im Sittertobel. Was beim kulinarischen Wahrzeichen der Stadt undenkbar ist, hat der Open-Air-Direktor mit dem Festival gemacht. Christof Huber vertraut es einem deutschen Unternehmen an. Er schmiert also Senf auf die Open-Air-Wurst und geniesst jeden Bissen. Schon deshalb hat Huber die fasnächtliche Ehre eines Föbü verdient. Er hat den Deal aber auch noch clever eingefädelt.

Denn am liebsten ist er für die Auswahl der Bands verantwortlich, die auftreten. Und genau das darf er weiterhin. Dank der Hilfe des Münchner Unternehmens hofft Huber gar auf besseren Zugang zu Acts auf internationaler Ebene. Und er verspricht, dass die Seele des Open Air St.Gallen beschützt wird. Ob die Besucherinnen und Besucher ihm den Senf abkaufen, wird sich zeigen ...

Zielkonflikte sind programmiert. Ob Aldi wegen der Deutschen die Migros aus dem Sittertobel verdrängt hat, bleibt offen. Schwierig wird’s, wenn Münchner Bierbrauer ans Open Air drängen sollten und statt Schüga Weissbier serviert wird. Immerhin: Weisswürste dürfen mit Senf gegessen werden.

Die Rückkehrerin

Bruno Cozzio und Tochter Rebecca, Trudy Cozzio (3. von links) und Sohn Tobias.

Bruno Cozzio und Tochter Rebecca, Trudy Cozzio (3. von links) und Sohn Tobias.

Bild: Lisa Jenny

(vre) Engagement in der Politik hat bei den Allermeisten keinen hohen Stellenwert mehr. Es ist halt einfacher, am Rand des Spielfelds zu stehen, alles besser zu wissen, sich ständig zu beklagen und die Gallusstadt schlecht zu reden, als sich nebenamtlich für ein Trinkgeld für die Allgemeinheit zu engagieren. Umso erfreulicher ist, dass es Personen gibt, die da einen anderen Weg gehen – so wie Trudy Cozzio. Sie hat für die CVP im Herbst 2019 für den Nationalrat kandidiert, jetzt figuriert sie im Wahlkreis St.Gallen auf der Kantonsratsliste.

Das ist eine Rückkehr. Von 1997 bis 2007 sass die Pädagogin im Stadtparlament, zwei Jahre lang als Fraktionspräsidentin. Nachdem ihr Mann 2006 in den Stadtrat gewählt worden war, trat sie zurück, um Interessenkonflikten vorzubeugen. Dabei hatte sie zuvor selber mit einem Exekutivsitz geliebäugelt.

Nino Cozzio starb 2017 an Krebs. Das Trudy Cozzio jetzt zurück in die Politik strebt, beweist Födle. Und dem städtischen Fasnachtsadel würde es nicht schaden, wieder eine aktive Politikerin und damit ein kleines Gegengewicht zu den vielen älteren «Politexperten» in seinen Reihen zu wissen.

Der Spitzenreiter

Peter Zeidler, FCSG-Trainer.

Peter Zeidler, FCSG-Trainer.

Bild: Urs Bucher

(dag) Nein, Kanonenfutter ist der FC St.Gallen derzeit wahrlich nicht. Im Gegenteil. Am Sonntag empfängt er die Berner Young Boys als Tabellenführer im Kybunpark zum Spitzenspiel. Trotzdem – oder gerade deshalb – gibt es gute Gründe, den Baumeister dieses Erfolgs heute Abend vor die Föbü-Kanone zu stellen: Peter Zeidler.

Der Trainer hat aus einer jungen Mannschaft innert kürzester Zeit ein Spitzenteam geformt. Und er hat in der ganzen Ostschweiz eine grün-weisse Euphorie entfacht, wie man sie schon lange nicht mehr gespürt hat – dank guter Resultate, aber auch mit begeisterndem Offensivfussball.

Zeidler glaubt an seinen Weg und geht ihn mit seiner Mannschaft unbeirrt, ungeachtet allfälliger Rückschläge. Ob dieser Weg tatsächlich auf den Gipfel führt, wird sich spätestens in drei Monaten zeigen. Gut möglich aber, dass jetzt die letzte Gelegenheit ist, den Fussballlehrer zum Föbü zu küren. Längst haben andere Clubs, darunter auch grosse, seine erfolgreiche Arbeit in St.Gallen registriert. Und sollte Zeidler den FCSG tatsächlich zum Meistertitel führen, ist es denkbar, dass er nächste Saison in einer Topliga arbeitet.

Die schweigende Predigerin

Kathrin Bolt

Kathrin Bolt

Bild: PD

(sab) Reden ist Silber, aber Schweigen ist Gold. Das geflügelte Sprichwort haben sich Kathrin Bolt und ihre Kollegen von der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Straubenzell zu Herzen genommen. Im Mai 2019 haben sie sich ein Predigtverbot auferlegt. Nicht weil sie keine Worte mehr finden oder weil sie zu faul wären, sondern um ihren Monolog von der Kanzel kritisch zu hinterfragen.

Die Predigt wurde aber nicht ersatzlos aus dem Sonntagsgottesdienst gestrichen. Anstelle der Worte gab es vom Improvisationstheater über Workshops und Chorgesang bis hin zu Geschichten mit anschliessender Diskussion ein breites Angebot.

Zwar hat das Experiment die Bänke in der Kirche Bruggen nicht gefüllt. Doch Medienecho landauf, landab hat die Aktion allemal ausgelöst: Über diese Kirche wurde überall geredet. Wer aus der Reihe tanzt, statt Gottes Wort die Kraft des Schweigens zelebriert, der hat Pfiff im Födle. Und Bolt, die kreative Theologin, die an besonderen Tagen auch gerne einen Prosecco trinkt, denkt weiter. «Ich habe Lust bekommen, noch viel mehr auszuprobieren.» Gebete auf Twitter etwa. Mit Reduktion zum Maximum. #Halleluja.

Der Modezar

Erich Weber, Verwaltungsratspräsident der Mode Weber AG.

Erich Weber, Verwaltungsratspräsident der Mode Weber AG.

Bild: Hanspeter Schiess

(dwi) Der Online-Handel und der Einkaufstourismus setzen dem Detailhandel in der St.Galler Innenstadt arg zu. Hinzu kommen zum Teil horrende Mieten. Die Folge: Die Läden sterben. Das Thema ist längst ein Politikum; mit dem Projekt «Zukunft St.Galler Innenstadt» soll die Altstadt belebt werden. Einer, der die Ärmel hochkrempelt, mit gutem Beispiel vorangeht und Läden eröffnet statt schliesst, ist Erich Weber.

Der Verwaltungsratspräsident der Mode Weber AG glaubt an die Zukunft der Innenstadt. Er investiert und expandiert. Jammern ist nicht sein Ding. Weber hat Födle. Sein antizyklisches Verhalten ist mutig und macht hoffentlich anderen Detailhändlern Mut. Der Patron des Modehauses, das vor über 100 Jahren gegründet wurde, hätte den Föbü-Titel verdient. Erich Weber ist ein Unternehmer, kein Unterlasser. Er macht Nägel mit Köpfen.

Wenn es um eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten im Kanton St. Gallen geht, beweist er ebenfalls Mut und sagt fadengerade und ohne Rücksicht auf Verluste, was er davon hält: wenig. Und Weber hat sicher die zweite Eigenschaft, die ein Föbü braucht: Humor.

Die Frauenrechtlerin

Jenny Heeb (links)

Jenny Heeb (links)

Bild: Ralph Ribi

(dbu) Sie hat St.Gallen für einen Tag lila gemacht. Weil es ihr zu bunt geworden ist. Jenny Heeb wünscht sich eine schönere Welt für Frauen: bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Elternzeit statt Mutterschaftsurlaub, gleiche Löhne. Und Respekt! Andere lassen ihren Frust am Mädels­abend bei einem Negroni ab. Tut die 37-Jährige vielleicht auch, wir wissen es nicht. Was wir wissen: Jenny Heeb hat mehr Födle. Sie ärgert sich öffentlich über Ungleichberechtigung, fordert eine Frauenquote für die Chefetagen der Stadtverwaltung, setzt sich als Leiterin der Fachstelle Familie und Kind für weibliche Anliegen ein. Und sie war einer der fleissigen Köpfe im St.Galler Frauenstreikkollektiv.

Dass am 14. Juni 2019 über 4000 Frauen an der Demo mitmarschiert sind (doppelt so viele wie erwartet), ist auch ihr zu verdanken. Dafür hat die Gruppe den Prix Wasserfrau erhalten. Aber Feministinnen lassen sich ungern aufs Frausein reduzieren. Ein geschlechtsneutraler Preis muss her! Jenny Heeb for Födlebürger, Pardon, for Födlebürgerin. Damit ihre Tochter und alle anderen Mädchen nicht mehr über Gleichberechtigung diskutieren müssen.