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St.Galler Fasnachtsehrung: Sechs, die auch das Zeug zum Ehren-Födlebürger hätten

Am Samstag, 20 Uhr, wird beim Vadian-Denkmal der 45. Ehren-Födlebürger der St.Galler Fasnacht gekürt. Wer es ist, bleibt bis dahin geheim. Die «Tagblatt»-Stadtredaktion benennt drei Frauen und drei Männer, die den Gang vor die Konfettikanone ebenfalls verdient hätten.

Trostpreis für den unbequemen Theatermann

Milo Rau.

Milo Rau.

(ghi) Zum Kulturpreis der Stadt St.Gallen hat’s Theaterregisseur Milo Rau bekanntlich nicht gereicht. Und das, obwohl die Kulturkommission dem Stadtrat seinen Namen vorschlug. Rau eckt mit seinem Schaffen an. Er ist ein Provokateur, dem die einen ein übergrosses Ego und die anderen jede Menge Födle attestieren. Dem Stadtrat war das wohl etwas gar viel Födle, also entschied er sich gegen Rau als Kulturpreisträger, was einen regelrechten Streit auslöste. Milo Raus «kultureller Fussabdruck» in der Stadt sei zu wenig gross für diesen Preis, begründete die Exekutive. Der Betroffene sah das anders. Und er ging voll auf Konfrontation: Er griff Stadtpräsident Thomas Scheitlin in einem offenen Brief an. Das kam nicht überall gut an, brachte aber eine Diskussion ins Rollen. Würde Milo Rau zum Ehren-Födlebürger gewählt, wäre es für ihn wohl nicht mehr als ein Trostpreis. Für St. Gallen könnte der Kulturstreit so aber ein fasnächtlich-versöhnliches Ende finden. Zum Föbü reicht Raus «kultureller Fussabdruck» nämlich allemal.

Die junge Klima-Aktivistin

Miriam Rizvi.

Miriam Rizvi.

(dwi) Sie wäre mit Abstand die jüngste Ehren-Födlebürgerin: Miriam Rizvi. Die 17-jährige Kantonsschülerin gibt der St.Galler Klimabewegung ein Gesicht und eine Stimme. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern fordert sie, dass der Klimanotstand ausgerufen wird. Bei den Klimastreiks in einer der hinteren Reihen mit einem Transparent mitzuspazieren, statt in die Schule zu gehen – das alleine ist noch nicht sehr mutig. Als Teenager öffentlich hinzustehen, kritische Fragen zu beantworten und standhaft den Umweltschutz zu proklamieren – das hingegen braucht Födle. Miriam Rizvi wäre eine gute Föbine. Umweltschutzwitzchen wie «Mein Auto fährt auch ohne Wald» findet sie zwar nicht lustig. Auch den Konfetti aus der Kanone dürfte eine Umweltschutzaktivistin wenig abgewinnen können. Grosse Freude dürfte ihr dagegen bereiten, dass die Konfetti inzwischen nicht mehr mit Schwarzpulver abgefeuert werden, sondern CO2-neutral und umweltschonend mit reiner Druckluft.

Der Stadtbaumeister mit den breiten Schultern

Hansueli Rechsteiner.

Hansueli Rechsteiner.

(ren) Nicht immer muss ein angehender Ehren-Födlebürger aus eigenem Antrieb Födle beweisen. Manchmal reicht es, zur falschen Zeit im falschen Amt zu walten. Ein wahrer Meister in dieser Kategorie ist Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. So war er auch die Zielscheibe der Kritiker der binären Bahnhofsuhr von Künstler Norbert Möslang. Dass ein Künstler provoziert, ist nichts Neues. Dass aber ein Beamter danach sein Födle dafür hinhalten muss, schon. Er verteidigte die schwer lesbare Uhr, als ob sie sein eigenes Werk wäre. Er organisierte Lehrstunden für binäre Anfänger. Und er beruhigte aufgebrachte St.Gallerinnen und St.Galler mit einer philosophischen Betrachtung: «Diese Uhr braucht ihre Zeit.» Das mit der Zeit ist genau bei der Bahnhofsuhr aber so eine Sache: Manchmal geht sie vor, manchmal hinkt sie hinterher. Wieder musste Rechsteiner sich vor die Uhr stellen. Dabei schonte er sein Födle nicht und sass das Problem nicht aus: Charakterzüge, mit denen er sich den Ehrentitel des Föbüs verdient.

Die Stadträtin und junge Mutter

Sonja Lüthi.

Sonja Lüthi.

(rbe) Schwanger werden kann fast jede. Mit dieser Tat allein hat Sonja Lüthi den Föbü-Titel also noch nicht verdient. Aber ein bisschen, pardon, Födle hat die junge Mutter schon gezeigt, als sie, kaum im Amt, zum zweiten Mal schwanger wurde. Andere hätten ihre Kinderwünsche zurückgestellt und eine solche Doppelbelastung gescheut, Lüthi hingegen verbindet scheinbar mühelos das Regieren mit dem Wickeln. Kurzerhand hat sie sich als Stadträtin in die Babypause verabschiedet. Das ist neu in St.Gallen, das ist einer Ehren-Födlebürgerin würdig. Auch wenn der eine oder andere Stadtbewohner darüber wohl den Kopf geschüttelt hat, dass die frisch gewählte Stadträtin so schnell wieder zur frisch gebackenen Mutter wurde. Andere dürften sich über eine moderne Mutter in der Stadtregierung gefreut haben. Drum also: Sonja Lüthi for president, äh, for Föbine! Boxerinnen, Fussballer, Masters of Wine und Bundeshausjournalisten dürfen sich später wieder vor die Konfetti-Kanone stellen. Jetzt sind die jungen Mütter dran!

Der Blogger mit der spitzen Feder

Marcel Baur.

Marcel Baur.

(seh) Alp(traum)gallen oder St.Parkplatz: Marcel Baur hat der Stadt schon einige unrühmliche Übernamen verpasst. Die spitze Feder packt der Blogger zuweilen mehrmals täglich aus. Auf #kurzverbloggt geniesst der ehemalige Pirat und das heutige Vorstandsmitglied der Stadtsanktgaller Grünliberalen Narrenfreiheit. Er kritisiert alles, was ihm zu Ohren und unter die Augen kommt. Themen-Spitzenreiter ist und bleibt die Parkplatzlandschaft. Detaillisten, Cityparking und Stadtrat bekommen dabei gleichermassen ihr Fett weg. Erst Anfang Woche enervierte sich der Blogger in gewohnt baurscher Manier: «Ich habe mittlerweile einen so dicken Hals, dass ich bei einem Treffen mit unseren Parkplatzpriestern für nichts mehr garantieren kann.» Glücklicherweise ist Baur nur für schriftliche Gewaltausbrüche bekannt. Prophylaktisch könnte er dennoch in den Kreis der Ehren-Födlebürger berufen werden. Das dürfte den motivierten Autor besänftigen. Und vielleicht hätte er an dieser fasnächtlichen Wahl für einmal nichts auszusetzen.

Die energisch und hartnäckige Stadtpolitikerin

Karin Winter-Dubs.

Karin Winter-Dubs.

(vre) Sie wird ab und zu halb spöttisch, halb respektvoll als «Schlachtschiff der Stadtpolitik» bezeichnet. Wer erlebt hat, wie sie sich in einer Debatte ärgern oder in Rage reden kann, wird Karin Winter-Dubs tatsächlich so rasch nicht wieder vergessen. Das vor allem, wenn er oder sie direkt im Zielhang ihrer Argumente sass. Den Titel einer Föbine hat sie sich allein dadurch nicht verdient. Egal, was man von der Sache an sich hält, fasnächtlich ehren sollte man sie, wegen ihrer Hartnäckigkeit: Die SVP-Frau hat in der Stadt schon für einen tieferen Steuerfuss gekämpft, als für alle anderen der Schuldenabbau Priorität hatte, also jede, die im Parlament eine Senkung wollte, von vornherein wusste, dass sie haushoch verlieren würde. Das verdient Respekt. Den Föbinen-Titel könnte man zudem als Investition in die Zukunft sehen: Vielleicht hilft er Karin Winter-Dubs, sich endlich zu entscheiden, ob sie tatsächlich Stadträtin werden will. Als Föbine wäre sie die logische Nachfolge für Thomas Scheitlin. Mit ihm scheidet voraussichtlich 2020 der letzte Föbü aus der Stadtregierung aus.

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