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St.Galler erforscht den Brexit

Peter Stäuber, St.Galler Journalist in London, kommt zu Besuch in seine Heimatstadt. Im Gepäck hat er sein neues Buch «Sackgasse Brexit». Der Zeitpunkt könnte nicht aktueller sein. Ein Gespräch über seine Wahlheimat und eine Gemeinsamkeit mit Prinz Harry.
Christina Weder
Peter Stäuber in seiner Wahlheimat London: «Das Leben in der Grossstadt ist hektisch, aber auch erstaunlich entspannt.» (Bild: pd)

Peter Stäuber in seiner Wahlheimat London: «Das Leben in der Grossstadt ist hektisch, aber auch erstaunlich entspannt.» (Bild: pd)

Für den St.Galler Peter Stäuber dreht sich vieles um den Brexit. Der 36-Jährige lebt seit neun Jahren in London und berichtet als Grossbritannien-Korrespondent für die Wochenzeitung WOZ, «Zeit Online» und andere deutschsprachige Medien.

Grosse Verunsicherung

Gestern war Peter Stäuber noch in London unterwegs, fand aber Zeit für ein Gespräch am Telefon. Der Zeitpunkt für die Lesung könnte nicht besser sein. Soeben haben die EU-Mitgliedstaaten in Brüssel den Brexit-Vertrag gutgeheissen und den Austritt Grossbritanniens abgesegnet. Stäuber fängt in seinem Buch die Stimmung in einem verunsicherten Land ein. Er ist überzeugt: «Damit man den Brexit versteht, muss man raus aus London. Man muss die anderen Landesteile besuchen.» Das hat er für sein Buch getan.

Seine Reportagen führen nicht nur nach London, sondern auch zu den ehemaligen Bergbaugebieten in Wales, ins einstige Ferienparadies Great Yarmouth an der Ostküste und nach Schottland, wo sich die Mehrheit der Bevölkerung für den Verbleib in der EU ausgesprochen hat. Stäuber zeichnet das Bild eines tief gespaltenen Landes und beschreibt das Spannungsfeld zwischen der boomenden Hauptstadt und der in Vergessenheit geratenen Peripherie.

Verschiedene Stimmen eingefangen

Dabei geht es ihm nicht primär darum, Politiker nach ihrer Meinung zu fragen. Er fragt bei der Basis nach, lässt gewöhnliche Bürger zu Wort kommen. Und zeigt die verschiedenen Haltungen auf. Auch stellt er die Frage, wie das gespaltene Land wieder zusammenwachsen könnte.

Es ist Stäubers zweites Buch. Wie schon beim ersten verfolgt er einen sozialkritischen Ansatz. Vor zwei Jahren hat er eine Art politischen Reiseführer über London verfasst. Die grossen Sehenswürdigkeiten wie das Westminster Abbey, den Buckingham Palace oder den Big Ben liess er links liegen. Stattdessen begab er sich auf Streifzüge durch weniger touristische Quartiere und beleuchtete auch Schattenseiten der Metropole.

Ein besonderer Hochzeitstermin

Stäuber hat Anglistik und Geschichte studiert. Vor bald neun Jahren ist er als Übersetzer nach London gezogen und hängen geblieben. «Ich wollte einfach in eine spannende Stadt.» Heute wohnt er im Stadtteil Cricklewood im Nordwesten Londons in einer Strasse mit viktorianischen Backsteinhäusern. Als freier Journalist ist er nicht an ein Büro gebunden. Er schreibt zu Hause, in der Bibliothek, im Café oder im Pub. Sowieso schwärmt er vom Leben in der Grossstadt. Es sei zwar hektisch, aber auch erstaunlich entspannt. Es gelte das Motto: «Anything goes», alles ist möglich.

Peter Stäuber ist gerne mit dem Velo unterwegs - hier am Strand in der Brexit-Stadt Folkestone. (Bild: pd)

Peter Stäuber ist gerne mit dem Velo unterwegs - hier am Strand in der Brexit-Stadt Folkestone. (Bild: pd)

Stäuber liebt es, mit seinem Velo in London unterwegs zu ein. Er besucht gerne das Kino oder das Pub mit Freunden. «Es wird mir hier nie langweilig», sagt er. In London hat er auch seine heutige Frau kennen gelernt. Die beiden haben dieses Jahr geheiratet – und zwar am gleichen Tag wie Prinz Harry und Meghan. Er werde immer wieder darauf angesprochen, sagt Stäuber. «Es ist eine witzige Anekdote, zumal meine Frau und ich mit den Royals überhaupt nichts am Hut haben.» Sie seien eher republikanisch eingestellt.

Wie lange er in London bleiben wird, ist offen. «Im Moment gefällt es mir hier sehr gut», sagt der Grossbritannien-Korrespondent. Nicht ganz so gut gefalle es allerdings seiner Frau. Hin und wieder nehme sie einen Anlauf, ihn von London wegzulocken – irgendwohin, wo es wärmer ist. St. Gallen wird da wohl kaum zur Debatte stehen, auch wenn er sich bei jedem Besuch auf seine Familie und eine St. Galler Bratwurst freue.

Lesung, Mittwoch, 28. November, 20 Uhr, Buchhandlung Comedia, Katharinengasse 20, Eintritt frei.

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