St.Galler «Eiszauber»: Mehrwert für die Stadtbevölkerung oder reiner Kommerz?

Die Nutzung des öffentlichen Raumes durch Anlässe ist umstritten. Die einen sehen es als Mehrwert für Stadt und Tourismus, andere sprechen von Verschandelung oder massiven Eingriffen – wie beim «Eiszauber».

Jonas Manser
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Seit kurzem geöffnet: «St.Galler Eiszauber» auf der Kreuzbleiche. (Bild: Michel Canonica)

Seit kurzem geöffnet: «St.Galler Eiszauber» auf der Kreuzbleiche. (Bild: Michel Canonica)

Öffentliche Räume stehen in der Regel allen zur Verfügung – wenn sie nicht gerade von den verschiedensten Veranstaltungen beansprucht werden: Partys im Waaghaus, die NAZ-Hütte auf dem Bärenplatz, Public-Viewing auf dem Blumenmarkt, Open-Air-Kino vor der Kantonsschule, Konzerte auf Drei Weieren oder Gartenbeizen und Strassencafés.

In diesem Jahr kommt in St.Gallen ein weiterer Grossanlass hinzu: die weihnachtlich-winterliche Erlebnislandschaft «Eiszauber». Zugänglich nur für zahlende Kundschaft. Stellen solche Anlässe einen Mehrwert für die Bewohner dar oder wird so der öffentliche Raum für private, kommerzielle Zwecke missbraucht?

Kritik am «Eiszauber»

Noch bevor die ersten Kufen über das Eisfeld glitten, stiess der «Eiszauber» bereits auf Widerstand. So bezeichnet SP-Präsident Peter Olibet in seinem Vorstoss im Stadtparlament den Anlass als «massiven Eingriff in den öffentlichen Raum».

«Öffentliche Räume sollen unbedingt benutzt werden. Aber dieser Fall ist fragwürdig."

Olibet beanstandet, dass Quer- und Längsverbindungen auf der Kreuzbleiche nicht mehr benutzbar sind – und dies während dreier Monate. Der Anlass würde ausserdem mit der Eishalle im Lerchenfeld konkurrieren. Gegen Anlässe von privaten Organisatoren im öffentlichen Raum hat Olibet grundsätzlich nichts einzuwenden, doch scheint ihm dieses Gesuch zu wenig sorgfältig geprüft worden zu sein.

Der «Eiszauber» beansprucht einen Teil der Kreuzbleiche drei Monate für sich. (Bild: Michel Canonica)

Der «Eiszauber» beansprucht einen Teil der Kreuzbleiche drei Monate für sich. (Bild: Michel Canonica)

Wird der öffentliche Raum zur Werbefläche?

Eine Zusammenarbeit mit bestehenden städtischen Angeboten wäre gemäss Olibet sicher möglich gewesen. «Wenn eine Veranstaltung über einen solch langen Zeitraum den öffentlichen Platz belegt, sollte er wenigstens auch öffentlich zugänglich sein», sagt der SP-Stadtparteipräsident.

Der öffentliche Raum werde hier zur Werbefläche von privaten Organisatoren und deren Sponsoren. Er fragt sich, was die Öffentlichkeit davon halte. Gespannt ist Peter Olibet auf die Antwort des Stadtrates auf seine Anfrage. Diese werde wohl zurückhaltend ausfallen und den Begriff «Ermöglichungskultur» enthalten. Es sei eine gute Sache, dass viele Anlässe ermöglicht würden, findet der SP-Politiker. Doch müsse man eben nicht jede kommerzielle Veranstaltung bewilligen.

Auch die Landschäden, die Grossanlässe wie der «Eiszauber» auf der grünen Wiese hinterlassen, sind einzelnen Anwohnern ein Dorn im Auge. Beim Aufbau des «Eiszaubers» hätten Fahrzeuge Teile der Wiese in Morast verwandelt.

Auch fürs leibliche Wohl ist in der winterlichen Erlebnislandschaft gesorgt. (Bild: Michel Canonica)

Auch fürs leibliche Wohl ist in der winterlichen Erlebnislandschaft gesorgt. (Bild: Michel Canonica)

Veranstalter müssen Kosten übernehmen

«Sollten irgendwelche Schäden entstehen, müssen wir für diese geradestehen», sagt André Moesch, Geschäftsleiter von FM1-Today, dem «Eiszauber»-Organisator. Dies bestätigt Stadträtin Maria Pappa in einem Antwortmail an einen besorgten Anwohner. In der Bewilligung durch die Stadtpolizei sei enthalten, dass die gesamte genutzte Fläche im angetretenen Zustand wieder der Stadt übergeben werden müsse. Die Kosten für alle Reparaturarbeiten seien vom Veranstalter zu tragen. Den Anlass als massiven Eingriff zu bezeichnen, empfindet André Moesch als übertrieben.

«Der öffentliche Raum ist ja für alle da. Und da sollten zwischendurch auch Veranstaltungen wie der ‹Eiszauber› Platz haben.»

Die Veranstaltung sei ein vorweihnachtliches Erlebnis für die Familie und auch ein touristisches Plus für St. Gallen. Bei der Planung habe man Rücksicht auf die übliche Nutzung der Kreuzbleiche genommen. «Das war eine der Bedingungen der Stadt. Die Spazierwege beispielsweise sind auch während des ‹Eiszaubers› offen», sagt Moesch.

Was die Emissionen betreffe, so würden diese dezent ausfallen – geringer sogar, als wenn beispielsweise ein Zirkus auf der Kreuzbleiche gastiere, ist Moesch überzeugt. Das Argument von Olibet, dass der «Eiszauber» eine direkte Konkurrenz zur städtischen Eishalle darstelle, weist Moesch zurück. Er ist überzeugt, dass Veranstaltungen wie der «Eiszauber» dem Schlittschuhsport mittelfristig sogar nützten. Dadurch entdecke ein neues Pub­likum den Spass am Schlittschuhlaufen doch gerade erst.

Kritik an den Festspielen

Peter Olibets kritische Fragen zum «Eiszauber» sind nicht der erste politische Vorstoss zu Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen in diesem Jahr. Im Kantonsrat wurde auch bezüglich der St.Galler Festspiele eine Einfache Anfrage eingereicht. Darin schrieb SVP-Kantonsrat Erwin Böhi: «Während rund zweier Monate war der Klosterplatz für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.» Der Standort sei völlig unpassend, die Bühnenkonstruktion verschandele den Klosterplatz.
Bereits vor zehn Jahren gab’s schon Fragen zur kommerziellen Nutzung des Klosterplatzes. Albert Nufer (Grüne) wollte damals wissen, weshalb ein Weihnachtsmarkt nicht bewilligt werde, die Festspiele aber stattfinden könnten. Die Begründung: Die mit einem Weihnachtsmarkt verbundene kommerzielle Geschäftigkeit vor den Kirchentüren sei mit der sakralen Tradition im Advent nicht vereinbar. (jm)

St.Galler «Eiszauber» rechnet mit 20'000 Besuchern

Geladene Gäste haben am Mittwochabend die ersten Runden auf den Eisfeldern der winterlichen Erlebnislandschaft auf der Kreuzbleiche gezogen. Ab Donnerstag können das alle – fast den ganzen Winter lang.
Seraina Hess

Kritische Fragen zum «Eiszauber» auf der Kreuzbleiche in St.Gallen

Ein SP-Stadtparlamentarier kritisiert in einem Vorstoss den «Eiszauber» auf der St.Galler Kreuzbleiche als «ökologischen Unsinn» und «massiven Eingriff in den öffentlichen Raum». Auf der Grünfläche laufen derzeit die Aufbauarbeiten für Eisfeld und Eiswege. Eröffnung ist am 29. November.