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St.Galler DJ-Legende Johnny Lopez und sein Sohn: «Wenn nötig schiebe ich ihn auch ans DJ-Pult»

Johnny Lopez ist aus dem St.Galler Nachtleben nicht wegzudenken. Sein Sohn Dominic hat dieselbe Passion.
Sandro Büchler
Vater Hanspeter Tobler alias Johnny Lopez und sein Sohn Dominic alias DJ Nikk. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo - 23. Juli 2019)

Vater Hanspeter Tobler alias Johnny Lopez und sein Sohn Dominic alias DJ Nikk. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo - 23. Juli 2019)

Johnny Lopez imitiert im Takt der Musik ein Trompetensolo. Die Menge tobt und Lopez mit seinem schneeweissen Bart flippt aus. Neben dem 70-jährigen DJ steht sein Sohn, 27 Jahre alt und ebenfalls DJ. Er freut sich genauso wie sein Vater über die ausgelassene Stimmung. Das Video, in dem die ungewöhnliche Vater-Sohn-Beziehung festgehalten ist, stammt von ihrem gemeinsamen Instagram-Profil.

Hanspeter Tobler, wie Johnny Lopez mit bürgerlichem Namen heisst, ist seit rund 50 Jahren als DJ unterwegs. Sein Sohn Dominic alias DJ Nikk wandelt in seinen Fussstapfen. Doch angefangen haben die beiden mit ganz unterschiedlichen Vorzeichen. Es ist 1969, als der 20-jährige Hanspeter Tobler erstmals zum DJ wird. Seine Karriere startet im Keller eines Tischtennisclubs in Herisau, mit einem Plattenspieler und einer Box, sagt Tobler. «Was ein Discjockey ist, wusste man damals nicht.» Sie wollten sich einen Ort schaffen, wo sie ihre Musik spielen konnten. Denn das habe es zu der Zeit nicht gegeben.

Mit Plakaten aufhängen fing es an

Sein Sohn hatte es da einfacher. Durch die vielen Kontakte von Vater Johnny kommt er zu seinem ersten Engagement. Im Relax, dem Club über dem Restaurant US-Mex, übt er erst tagsüber. Am Abend hat er seinen ersten Auftritt – mit 16 Jahren.

Als Kind habe er sich nur mässig für den Beruf des Vaters interessiert, sagt Dominic. Er habe zwar beobachtet, «wie sein Vater zur Arbeit geht». Wie er im Korridor auf einem dreibeinigen Klappstuhl sass und seine Platten für den Abend zusammengestellt hat. Bald schon nimmt der Vater den Sohn mit, wenn er Plakate von seinen Veranstaltungen aufhängen geht. «Ich musste die Plakate genau waagrecht festhalten, während mein Vater die Ecken festgeklebt hat», erinnert sich Dominic.

«Er war ein ganz pingeliger Cheib.»

Doch das exakte Arbeiten habe er von ihm übernommen.

Musikgeschmack nahezu identisch

Erst versucht sich der Sohn im Hip-Hop-Genre. «Ich liess ihn machen», erinnert sich der Vater. Nach und nach «wurden die Hosen aber immer enger», sagt Dominic und er habe seine Stilrichtung gefunden. «Hauptsächlich Deep Tech House, doch auch alte Sachen von meinem Vater haben sich eingeschlichen.» Was dem Vater gefällt, ist auch für den Sohn interessant – und umgekehrt. «Unser Musikgeschmack ist zu 95 Prozent identisch», sagt Dominic. Er hat sich inzwischen ein eigenes Plattenlabel aufgebaut, organisiert regelmässig Veranstaltungen. Vater und Sohn stehen oft gemeinsam an den Plattentellern.

Im BBC in Gossau am vergangenen Samstag etwa. «Doch wir wurden auch schon zusammen auf die griechische Insel Samos eingeladen», sagt Dominic. Johnny Lopez fügt hinzu, dass er nie eine internationale Karriere angestrebt hat. Heute sei das Ziel, als DJ ein Star und Millionär zu werden. Vater und Sohn fühlen sich aber mehr dem Lokalen verpflichtet. Lopez sagt:

«Ich bin froh, wenn ich nur um die Hausecke muss.»

Seine Platten holte sich Johnny Lopez in den 70er-Jahren in London, Amsterdam und New York, wo er kurzzeitig wohnt. «Es gab kein Internet, kein progressives Radio.» Neue Musik zu finden, sei anstrengend gewesen. «Ich war wie ein Forscher, der immer weiter sucht.» Dominic hingegen legt mit Laptop und USB-Stick auf. Vater Lopez sagt: «Ich habe mich auch mit einem Laptop versucht. Aber ich habe mich nur genervt und ihn dann wieder verkauft.»

Der junge Johnny Lopez als versierter Plattenverkäufer. (Bild: Archiv Peter Hummel)

Der junge Johnny Lopez als versierter Plattenverkäufer. (Bild: Archiv Peter Hummel)

Drogen sind für den Sohn tabu

Trotz unterschiedlichem Equipment, über das Ziel sind sich Johnny und Dominic einig. «Wir wollen, dass das Publikum eine gute Zeit hat», sagt Dominic. Das schafft Johnny Lopez noch immer regelmässig. Bis zum Pensionsalter habe er fünf- bis sechsmal pro Woche aufgelegt, jetzt geht er es etwas ruhiger an. Aber ans Aufhören denkt er nicht. «Er braucht das, sonst wird er alt», sagt der Sohn.

«Zur Not würde ich ihn auch im Rollstuhl ans DJ-Pult schieben.»

Die beiden stimmen überein, dass ihnen die Musik extrem viel Kraft und Energie gebe. Die DJ-Welt ist auch bekannt für ihren Drogenkonsum. Vater Lopez sagt, er habe in seiner Hippie-Zeit vieles probiert. Und wendet sich zum Sohn: «Du bist da ganz seriös, soviel ich weiss.» Dominic bestätigt das. Er ist Psychiatriepfleger und arbeitet mit Personen, die an durch Drogen verursachte Psychosen leiden, einen Drogenentzug durchmachen. «Das liesse sich nicht vereinbaren.»

Vater und Sohn können sich stundenlang über Musik unterhalten. «Das ist schon einzigartig», meint Dominic. In seinem Kollegenkreis beneiden ihn einige dafür. «Sie sagen, sie hätten auch gerne so einen Vater.» Wie innig die Beziehung zueinander ist, zeigt der Rücken von Dominic. Er hat sich den Schriftzug «Two Generations» (Zwei Generationen) darauf tätowiert.

International sollte der Name klingen

Hanspeter Toblers Künstlername Johnny Lopez stammt aus seiner Schulzeit – aus dem Turnunterricht. Er habe sich als Spassvogel hervorgetan und das Verhalten der Kunstturner, die sich mit Kreide auf die Übungen am Barren vorbereiten, nachgeäfft.

«Die Mitschüler haben sich köstlich darüber amüsiert und der Lehrer sagte, er sei ein Johnny Plöffsack», so Tobler.

Seit diesem Moment sei er der Johnny. Den Nachnamen Lopez habe er sich hingegen selbst ausgesucht. Sein DJ-Name sollte international klingen. «Ein Name, den man nicht sofort einordnen kann, woher ein Künstler stammt», sagt Tobler. Effektiv geht seine Namenswahl dann auf den US-amerikanischen Sänger Trini Lopez aus den 60er-Jahren zurück. «Dass der spanische Name Lopez so geläufig ist wie Meier oder Müller habe ich erst später bemerkt.»

Sohn Dominic hat mittlerweile bereits seinen zweiten DJ-Namen. Erst nannte er sich «Saint Kaay». Doch wie sich seine bevorzugte Stilrichtung verändert hat, so hat er auch sein Alias verändert. «Ich habe mit von der alten Szene verabschiedet, als ich mein Label E-Werk gegründet habe», sagt Dominic. In der elektronischen Musik seien kurze Namen gefragt. Deshalb verwendet er nun die Endung seines Vornamens – DJ Nikk. «Nik ist ohnehin mein Spitzname.»

Wie die Eltern

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieses bekannte Sprichwort meint, dass ein Kind Eigenschaften und Verhaltensweisen der Eltern übernimmt. In einer losen Serie porträtiert die «Tagblatt»-Stadtredaktion Familien, in denen ein Kind das Gleiche macht wie die Mutter oder der Vater - beruflich, politisch, gesellschaftlich, sportlich oder künstlerisch.

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